Fernsehen

ZDF-Reportage: Geld für prügelnde Schüler?

Rütli-Schule in Berlin: Schüler im Visier der Medien

Rütli-Schule in Berlin: Schüler im Visier der Medien

06. April 2006 Ein Fernsehteam im Auftrag des ZDF hat Hamburger Schülern nach Überzeugung des Schulleiters Geld für gestellte Gewaltszenen bezahlt. Der Sprecher der Schulbehörde der Hansestadt, Alexander Luckow, bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht des „Hamburger Abendblatts“.

Der Leiter der Gesamtschule Mümmelmannsberg habe die Behörde über den Vorfall informiert, sich beim ZDF beschwert und Aufklärung verlangt. Wenn Schüler tatsächlich „für Geld posiert und die Gangster gegeben haben“, sei das unglaublich.

Das ZDF erklärte in Mainz, es habe keine gestellten Gewaltszenen gegeben, aber „Aufwandsentschädigungen“. Die Reporterin habe darauf geachtet, daß die Jugendlichen nicht durch die Kamera zu gewalttätigen Aktionen animiert worden seien, sagte Nobert Lehmann, Redaktionsleiter der Sendung „ZDF.reporter“, die die Reportage der freien Produktionsfirma aus Hamburg am 29. März gesendet hatte.

„Finanzielle Anreize“

Als während der Dreharbeiten eine gewalttätige Schlägerei auszubrechen drohte, sei die Journalistin sogar dazwischen gegangen und habe gedroht, die Polizei zu rufen. Diese gefilmte Szene liege dem ZDF vor. Von den Geldzahlungen an die Jugendlichen durch die Produktionsfirma sei der Redaktion „ZDF.reporter“ aber im Vorfeld nichts bekannt gewesen. Die Produktionsfirma habe zwei Schülern jeweils 200 und 100 Euro gezahlt, weil sie bis zu acht Tage lang gefilmt wurden. Schulleiter Klaus Reinsch geht davon aus, daß Schüler „durch finanzielle Anreize“ angehalten wurden, Straftaten zu begehen.

Die Jugendlichen zeigen in dem Film Waffen und gehen wie zufällig aufeinander los. Einer der Jugendlichen habe dem „Abendblatt“ gesagt, daß er dafür Geld bekommen habe, schreibt die Zeitung: „Die haben uns richtig gekauft. Erst haben sie gesagt, sie wollten viel Positives über den Stadtteil sagen, dann wollten sie Action sehen. Wir sollten so tun, als würden wir uns prügeln und Drogen kaufen. Ich habe das so gemacht, wie die das haben wollten“, zitiert die Zeitung den 15 Jahre alten Schüler.

„Mit öffentlich-rechtlichem Fernsehen ist das schwer vereinbar“, meinte Behördensprecher Luckow. Er könne es gut verstehen, „wenn der Schulleiter darüber vom ZDF Aufklärung verlangt“. Im übrigen zeige das Ganze, daß die Diskussion über Gewalt an Schulen „einen Grad der Hysterie erreicht hat, der dem Problem absolut nicht gerecht wird“.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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