Eva Herman

Deutsche Hörer!

Von Edo Reents

13. September 2007 Wie ist das eigentlich: Muss Eva Herman jetzt überall verbrannte Erde hinterlassen? Die Ich-distanziere-mich-auch-von-Eva-Herman-Kampagne läuft ja so weit ganz rund; aber was ist mit ihr selbst, was trägt sie dazu bei? Wenig, muss man sagen. Insofern beißt jeder, der will, dass sie sich von sich und ihrem früheren Wirken, das ja breit gestreut war, lossagt, es gleichsam leugnet, auf Granit.

Jörn Menge beispielsweise von der Hörspielreihe „Laut gegen Nazis“, bei der Eva Herman was von Erich Kästner liest, forderte sie bisher vergeblich dazu auf, sich davon nachträglich zu distanzieren. Leider hat die brisante Scheibe die Produktionshallen schon verlassen, da kann man jetzt nicht mehr viel machen. Aber ist das so schlimm? Eva Herman stand doch, als sie die Sachen einlas, ganz klar auf dem Boden des Grundgesetzes, sie bekannte und, wollen wir hoffen, bekennt sich auch weiterhin zu unserer Freiheitlichdemokratischengrundordnung.

Als wenn nichts gewesen wäre

Und, ehrlich gesagt, das ist uns hier auch schon passiert: dass wir nach Fertigstellung unserer Seiten festgestellt haben, dass etwas nicht stimmte, dass, um ein wirklich nur ganz harmloses Beispiel zu nennen, der Name eines bekannten Schriftstellers falsch geschrieben war, aber das Ding war schon in der Welt, sehr zum Kopfschütteln der Leser, die es besser wussten, und wohl auch des Falschgeschriebenen. Na ja, vielleicht kann man das auch gar nicht vergleichen.

Jörn Menge jedenfalls verlangt von Eva Herman, Hinweise auf das Anti-Nazi-Engagement von ihrer Homepage herunterzunehmen. Wer unter www.eva-herman.de nach dem Rechten sieht, wird, nicht ohne vorher vor dem gewaltigen, hier neckisch-ansprechend aufbereiteten Gesamtwerk das Hütchen zu lüften (Respekt, Mamsell: sechs Bücher, wenn wir richtig gezählt haben), der wird also nur sagen können: Da kannst du lange warten, Jörn Menge, du wackerer Antifaschist. Denn nicht nur, dass sich der Hinweis auf das Hörbuch noch findet - auch insgesamt tut die Dame so, als wenn nie etwas gewesen wäre: kein Wort zum NDR-Rausschmiss. Unter „Tagesschau“ steht: „Leider können wir vorab nicht sagen, welche Sprecher wann zu sehen sind.“ Wir sind da ja nun schon weiter und wissen zumindest, welche Sprecherin nicht mehr zu sehen ist.

Frech wie Oskar zählt Eva Herman dann auch noch die „Nachrichten, die ich gern sprechen würde“, auf, darunter die: „Weltweit sind 20 Prozent aller Funktionäre aus Scham zurückgetreten.“ Man muss nur etwas haben, für das man sich schämen kann. Schließlich wird ein gewisser Zoroaster (also Zarathustra) zitiert: „Denket daran, dass jeder eurer Schritte auch durch die unsichtbare Welt führt, und tut ihn so, dass ihr bestehen könnt.“ Vielleicht ist Eva Herman auch einfach nur durcheinander. Alles Gute jedenfalls.



Text: F.A.Z., 13.09.2007, Nr. 213 / Seite 37
Bildmaterial: Cinetext/RM

 
 
 
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