
Und überhaupt sollte sich der Staat möglichst aus der Wirtschaft heraushalten, denn Politiker sind selten qualifiziert, wirtschaftlich relevante Abläufe korrekt abzuwickeln. Die besten Wirtschaftsführer würden den Teufel tun, in die Politik zu wechseln und Politiker wären praktisch nie in der Lage ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen zu führen, das auch eine Wertschöpfung generieren müsste. Die Finanzkrise die ganz klar von den USA aus auf die restliche Welt übergeschwappt ist, ist klar die Folge einer wahnwitzigen Hochmut-Mentalität, die dem "Turmbau zu Babel" gleichkommt. Schön anzusehen im wundervollen Werk des niederländischen Ausnahmekünstlers Pieter Bruegel des Älteren (um 1560). Aber der vom US-Amerikanischen Finanzminister angekündigte Sanierungsplan die eine Gewaltsumme von 700 Milliarden US-Dollar vorsehen soll, ist die allerschlechteste Form, denn wenn die Wirtschaft sich nicht selber aus dem Loch helfen kann, ist sie schlicht nicht lebensfähig. Langfristig würde die Staatsintevention zu nichts anderem führen, als dass Löcher gestopft würden, die an einem anderen Ort wieder aufgehen. Es würden diejenigen obsiegen, die sich rücksichtlos bereichert haben, berappt nun durch die Steuerzahler!

Schon sehr lange. Da kann ich Herrn Schirrmacher nur zustimmen: "Sie haben es nicht verstanden." Bei der Verhandlung der Gehälter und Boni wird im Voraus das Argument gebracht, man hätte eine so große Verantwortung. Im Versagensfall kommt die Pseudo-Entschuldigung: "Wir haben nicht kapiert, was da vor sich ging." Sollen wir solche Pseudologik den Entscheidern weiterhin durchgehen lassen? Noch deutlicher können die Entscheider die eigene Inkompetenz nicht zugeben. Da können sie sich auch gleich auf den Marktplatz stellen und rausschreien, dass sie inkompetent sind. "Die Hausse nährt die Hausse." So oder ähnlich wird ständig versucht, anderen mit Assoziativem Denken statt Logik das Gehirn zu waschen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Wenn der Lügenindex zunimmt, dann ist es immer ein sicheres Zeichen, dass der Peak kurz bevor steht. Rufe nach Regulierungen sind wohlfeil. Aber kein noch so ausgefeilter Automatismus kann auf alle Eventualitäten vorbereiten. Dazu braucht man den menschlichen Überblick. Wenn dieser aber durch Lean Brain Management ersetzt wird, ist es nur eine Frage der Zeit, in welcher Situation der Automatismus überfordert sein wird. Offensichtlich ist der Großteil der Menschheit überfordert.

Herr Paulsen, von einer "Deckung" kann bei der Geldschöpfung nicht die Rede sein. Lesen Sie den von Ihnen zitierten Artikel weiter. Dort steht "Die Geschäftsbanken können gemäß dem Mindestreservesatz ein bestimmtes Vielfaches ihrer Zentralbankgeldguthaben in Form von Krediten an die Endverbraucher – die Unternehmer und Privatpersonen (Nichtbanken) – weitergeben (in der EU gilt ein Mindestreservesatz von 2 %, d.h. Geschäftsbanken können das 50fache ihrer Zentralbankgeldguthaben als Kredite in Form von Buchgeld vergeben)" Das 50fache ! und das gilt auch nur für klassische Kredite, bei anderen Instrumenten ist es praktisch unbegrenzt.

Finanzkrise oder Vernunftkrise, es handelt sich um eine Krise der Deutungsmacht. Das Neoliberale Narrativ erscheint heute genauso diskreditiert wie der Marxismus 1990. Chefredakteure und andere Deutungsmachthaber werden sich künftig ganz neu orientieren müssen. Vielen wird das nicht leichter fallen als den Ossis 1990. Jetzt können wir alle miterleben, wie die US-Neocons dem Kommunismus zum Sieg verhelfen. Sie glauben mir nicht? Sehen wir nüchtern die Fakten: (1) Das Großkapital wird verstaatlicht. (2) Die Neocons waren in ihrer Jugend Trotzkisten. (3) Den GULag gibt es in den USA längst. Habeas corpus wurde abgeschafft, Stasi-Methoden sind auch bei uns schon wieder übliche Praxis. (4) Auch ohne Krankenversicherung wird jeder im Krankenhaus umsonst behandelt. Hahaha. (5) Sie betreiben die Weltrevolution. (6) Lenin wollte ja ein System, in dem "jede Köchin den Staat regieren" kann -- so wie z.B. Sandra Palin. (7) Die Farbe der G.O.P. (Republikaner) ist genauso rot wie die Kreml-Mauer. Alles nur "Zufall" oder was??

Frank Schirrmacher schreibt: "Die neoliberale Ideologie hat einen Vernunft- und Glückszusammenhang zwischen Individuum und Globalisierung hergestellt, der ausschließlich ökonomisch begründet war." Dieser Satz und viele andere Stellen des Artikels klingen reichlich anti-kapitalistisch, aber am Ende des Beitrags fragt man sich etwas ratlos, womit der Autor denn nun den heutigen Share-Holder-Kapitalismus ersetzen will, falls dies seine Absicht sein sollte. Der Tugendbegriff besitzt in Deutschland leider nur noch eine individuell moralische Konnotation. Damit ist der Tugendbegriff auch für den Liberalismus akzeptabel, da die sozioökonomischen Voraussetzungen für die Möglichkeit zu tugendhaftem Handeln ausgeblendet werden. Konservative wie Schirrmacher leiden am liberalen Kommerzdiskurs. Konservativen ist die moralische Dekadenz der kapitalistischen Gesellschaft, die keinen Gemeinschaftsgedanken, kein Verantwortungsbewusstsein und keine Muse zu kennen scheint, zuwider. Will Schirrmacher den Kapitalismus einhegen? Schwebt Schirrmacher eine Alternative zum derzeitigen System vor? Welche Form der Marktwirtschaft soll es denn sein? Wir warten auf die Fortsetzung.

@ Rabe: Geldschöpfung ist immer durch die Zentralbank gedeckt, auch wenn Geschäftsbanken das Recht zur Geldschöpfung haben, müssen sie sich bei den ZB absichern. Entscheidend ist: das "geschöpfte" Geld ist ein Kredit und muss verzinst zurückgezahlt werden und wird dann von den ZBs vernichtet. siehe hierzu den Wikipedia Eintrag: "Mit dem Vorgang der Geldschöpfung wird Geld erzeugt und dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. Dies geschieht im modernen Bankensystem durch Kreditaufnahme von Unternehmen und Privatpersonen bei Geschäftsbanken oder von Geschäftsbanken bei Zentralbanken ... Durch Tilgung von Krediten bzw. Verkauf von Aktiva der Banken wird das geschöpfte Geld wieder vernichtet. "

Herr Paulsen, ich nehme an, sie haben keine Wirtschaftswissenschaften studiert. Viele 'Normalbürger' wissen nicht, daß Geldschöpfung vor allem von den PrivatBanken betrieben wird. Googeln sie einfach mal unter dem Stichwort "Geldmenge M3", oder einfach unter "Geldschöpfung". Da erfahren sie auch, wie an der Wallstreet Geld 'erfunden' wird.....

Die 100 Jahre H4 sind wohl nur eine grobe Schätzung, aber in der Größenordnung gar nicht falsch. Der IWF geht von Gesamt Verlusten der Finanzkrise von ca. 1 Billion Dollar aus (Stand Anfang der Woche, das kann noch viel mehr werden...) Mag sein, daß nicht nur die Pleite von Lehman verantwortlich ist, aber sie hat die Kettenreaktion bestimmt noch deutlich verschärft. Wenn ich 1Billion Dollar im moment sehr konservativ anlege, also nicht zocke, kann ich davon locker die H4 Kosten bezahlen. Das langt dann nicht nur für die nächsten 100 Jahre sondern, wenn man davon ausgeht, daß die Bevölkerung in Deutschland schrumpfen wird und die H4 Bezieher nicht alle 150 Jahre alt werden, für alle Ewigkeiten....denn das Kapital wird dann gar nicht verbraucht.

@ Peter Mersch: Im Verlauf des Jahres 2006 gab der Staat für die soziale Mindestsicherung insgesamt 45,6 Milliarden Euro aus. Zu den Transferleistungen der sozialen Mindestsicherung zählen dem Bundesamt zufolge: Arbeitslosengeld II/Sozialgeld (Hartz IV), laufende Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen sowie Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Sozialhilfe), Regelleistungen für Asylbewerber und Leistungen der Kriegsopferfürsorge.

Ich bin für Ihre heftigen Äußerungen in dieser - kollektive Ängste freisetzenden - Zeit sehr dankbar. Solche Diagnostik nicht öffentlich betreiben, um Panik zu vermeiden? Nein, Herr Schirrmacher, nicht "self-fulfilling prophecy" erwächst aus Ihrer Analyse, sondern Mut für uns, die Nacktheit einer vorgeblich eleganten Kompetenz-Elite für möglich zu erachten. Angesichts dieser fahrlässig begangenen Zerstörung der gesellschaftlichen Fundamente - aus Eitelkeit, Borniertheit und unersättlicher Geilheit auf vordergründigen Erfolg betrieben - empfehle ich uns allen, den Blick auf erstaunliche Paralellen bei der Ökonomisierung und administrativen Verwurstung des Gesundheitssektors zu richten. Durch stille Pflichterfüllung und sinnnloses Hoffen noch weitgehend kaschiert - laufen hier Zerstörungen ab, die mit einem sozialem Braunkohle-Tagebau vergleichbar sind. Auch hier rate ich allen, die sich - in Vorbeugung, Krankheit, Behinderung oder nahendem Tod - einen anständigen, freien Arzt als Partner wünschen, genau hinzusehen, wie unsere gewachsenen, tauglichen Strukturen quasi für ein Linsengericht preisgegeben werden sollen. Auch diese gemeinschaftliche Sphäre driftet sonst ins Unglück… Dr. Axel Brunngraber, Hannover, FÄ

@ Rabe: Geldschöpfung der Zentralbanken erfolgt gegen zu stellende Sicherheiten, das geliehene Geld muss inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. Diesen Kapitaldienst muss die Realwirtschaft erbringen, denn in der Finanzwirtschaft gibt es keine Wertschöpfung. Deshalb dürfen Sie sich nichts vormachen: alle die Milliarden, die jetzt von den Zentralbanken bereit gestellt werden, müssen von der arbeitenden Bevölkerung in Form von Steuern erarbeitet und zurückgezahlt werden. Verwechseln Sie bitte nicht Geldschöpfung mit Gelddrucken ohne Sicherheiten, um das zu verhindern sind die Zentralbanken keinen politischen Weisungen unterworfen sondern agieren selbstständig. Doch lesen Sie "Geld arbeitet nicht". Fürstenwerth hat das alles sehr anschaulich dargestellt, auch mit welchen Mechanismen die neoliberalen Dogmen von interessierter Seite und der Politik benutzt worden sind, um letztlich den Schlamassel anzurichten, in dem wir jetzt stecken. Es hätte Schirrmacher gut angestanden, wenn er in der FAZ seine Kritik vorzeitiger geäußert hätte. Stattdessen hat die FAZ sich jahrelang in den neoliberalen Kreuzzug einspannen lassen.

Herr Schirrmacher schreibt, daß "die Logik des etablierten Systems" ( ... ) "Vermögen" ( ... ) vernichtet, "die ganzen Staatshaushalten entsprechen". In etwas anderem Zusammenhang haben das vor etwa 160 Jahren zwei andere Herren festgestellt: "Die moderne bürgerliche Gesellschaft, ( ... ), gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor. ( ... ) In den Handelskrisen [hier eher Finanzkrisen] wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet".

Die Medien sind jetzt gefordert Hintergründe aufzudecken und nicht nur einmal sondern laufend anzuprangern. Thema Energiepreise: erst jetzt ist am Rande zu lesen, dass die Ölpreise hochgehalten wurden, weil die Investmentbanken mit den Papieren für Öl gehandelt haben und so, wie ich es verstanden habe, den Ölpreis künstlich hochgehalten haben. Wer hat denn jetzt eigentlich an hohen Preisen verdient und muß dafür laufend an den Pranger. Normal würde man denken, die Öllieferanten verursachen die hohen Preise und unsere Energiekonzerne bereichern sich zusätzlich. Also genaue Recherche und die richtigen öffentlich anklagen, Namen nennen und Konsequenzen fordern, dem Verbraucher raten, wie er durch sein Verbrauchsverhalten Druck ausüben kann. Thema hohe Bahnpreise: durch Recherche genau prüfen, ob gerechtfertigt und wenn nicht an den Medienpranger. Thema Lebensmittelpreise: selbe Verfahren. Thema Jugendkriminalität: mehr solche Artikel wie von Richterin Heise, aber Thema nicht beenden, sondern laufend in Kommentaren und konkreten Fällen aufgreifen usw. Die Medien dürfen sich nicht erschöpfen, einmal das Thema aufzugreifen, die brisanten Sachen für unsere Gesellschaft müssen aufgegriffen und bis zu einer Änderung verfolgen.

Sie schreiben: "Alein der durch den Absturz von Lehman (einer einzigen Bank !) verursachte Verlust hätte ausgereicht um sämtliche Hartz4 Empfänger Deutschlands für die nächsten 100 Jahre zu versorgen. Es hätte auch ausgereicht um zu verhindern, daß in ganz Afrika in den nächsten 100 Jahren kein Kind mehr verhungert, sogar für die Schulbildung hätte es vermutlich noch gereicht." Was kostet HartzIV pro Jahr? Seriöse Schätzungen gehen von mehr als 80 Mrd. Euro pro Jahr aus. Nehmen wir mal einfachheitshalber nur 50 Mrd. an. Das wären dann 5.000 Mrd Euro Finanzierungsbedarf für HartzIV in 100 Jahren. Haben Sie sich da nicht in ein paar Nullen geirrt?

Autorität macht dumm. Es zählt nicht, was einer sagt, sondern wer etwas sagt. Es zählen also weder Vernunft noch Rationalität, weder Argument noch Beweisführung, sondern die sogenannte "Parsönlichkeit", möglichst mit dem Zusatz "charismatisch": sofort hört das Denken auf. Leider tun und taten sowohl die FAZ als auch Herr Schirrmacher alles, eine solche Haltung zu unterstützen und polemisch gegen alle Einwände zu verteidigen. Ein konkreter, gerade laufender Beleg: die Diskussion um den Herrn Bueb. Hätte der Mann unter dem Namen Ernst Xaver Häberle veröffentlicht, seine Schriften würden irgendwo verstauben. Aber weil hier eine "Autorität" spricht, wird diskutiert, gewogen, abgewogen und eine Autorität gegen die andere losgelassen: Meinungen zählen, nicht Fakten - das ist in der Wirtschafts- und Finanzwissenschaft nicht anders als in der Pädagogik. "Können Sie das belegen" Eine solche Frage wird man in derlei "Wissenschaft" und in den nachgeordneten Diskussionen der "Fachleute" vergebens suchen.

Das Zeitalter des Unglücks. Wir schreiben Geschichte! Ein eigenes Zeitalter! Super! Globalisierung, Irak-Krieg, Finanzkrise: bei allem dieselbe Ursache: denn Sie wissen nicht, was sie tun! Tolle Erklärung. Noch ein Beispiel? Mathematisch: Wenn Menschenrechte, Freiheit und Friede + Politik = Rationalität in Wirtschaft und Sozialem, dann Irak-Krieg gleich Unglück. Was soll das? Ist Krieg nicht immer gleich Unglück? Und wer will behaupten, daß die Koalition der Willigen nicht wußte, was sie tat? Dieser Mix ist mir zu herb und zu populistisch, Herr Schirrmacher! Dann das produzierte Unglück: Genau, die anderen sind´s! Nämlich genau die, die nicht zu benennen sind! Jetzt haben wir die Lösung! Wir brauchen uns gar keine Gedanken mehr zu machen, wie wir die Schuldzuweisung begründen müssen, denn die Täter sind nicht zu benennen! Motiv auch unbekannt! Die ultimative Lösung für schlechte Gewissen! Genialer Gedanke! Absolute Erlösung! Oder der Wahn, der uns alle gefangen hält. Da schließt sich der Kreis. Mir fällt dazu Supertramp ein: Crime of the Century. Der gesunde Menschenverstand sagt einem: Wir sind es selbst. Zum Ende ein Gedanke: Alle Geschichte beginnt damit, zu sagen, was Lüge ist? Negativ? Ich glaube an die Wahrheit. Positiv.

sieht man einen Planeten namens Erde mit einer Population namens Menschheit :-). Was jetzt mit der Finanzkrise außerdem sichtbar geworden ist, ist natürlich die Krisenanfälligkeit ihrer vorherrschenden ökonomischen Theorie, die für das Überleben der kopfmäßig stark gewachsenen Weltgesellschaft m. E. ein erhebliches Gefährdungspotential darstellt. Die Wettbewerbswirtschaft als materielle Wachstumsgesellschaft hat zwar ihre Meriten, kann aber offenkundig in der Realität zu vielen Menschen keine menschenwürdige Existenz gewährleisten. Die Wirkung der 'invisible hand' ist eine fromme bis heuchlerische Wunschvorstellung. In diesem Zusammenhang wäre noch vieles anzusprechen, z. B. die psychische Verfaßtheit des Gegenwartsmenschen, auf die ja auch Frank Schirrmacher abhebt. Sein 'Lamento' an einer prominenten Stelle sollte als hoffnunggebender Weckruf verstanden werden. Die Eliten sind gefordert, ihren Schwindel aufzugeben und ihre Fähigkeiten für alle einzusetzen, nicht nur für sich. Aus Einsicht und unter Aufgabe dieses kranken Anspruchs, für ihren natürlichen Vorteil auch noch ganz besonders materiell entlohnt zu werden. Ist nicht wirklich neu, der Appell, aber dringlich.

Ich las erst ein paar Zeilen des Artikels, dann schaute ich erst wer der Autor ist. Dann wir mir auch klar woher die Qualität des Artikels stammt. Soweit so gut. Allerdings ohne Vorwarnung "Finazkrise" und "Vernunftkrise" in einem Satz zu lesen, schockt dann doch ein wenig. Erst hinterher wird der Kontext dann klar. "Es müssen irgendwo Verrückte herumlaufen, die bis Montag nicht aufgefallen sind, weil ihr Wahn identisch war mit der Logik des etablierten Systems." Ich vermute, vielleicht zu Unrecht, dass dem Autor der volle und tiefe Sinn dieses brillianten Satzes, gar nicht in Gänze klar war, als er ihn schrieb. Eine vortrefflichere und kompaktere Beschreibung des Zustandes der westlichen Gesellschaften im beginnenden 21. Jhdt. lässt sich wohl schwer finden. Und dann noch dies: "Aber wir können wenigstens versuchen zu verhindern, dass uns das System einfängt und in seinen Wahn zieht." Puh! Lieber Herr Schirrmacher, sind sie ein krankhafter Optimist? Wo waren Sie, wo waren wir Alle, all die Jahre in denen der Wahnisnn des Geldes um sich griff, jede Vernunft zerstörend und die Warner zu geistig Irren erklärend? Waren die Vorzeichen denn so schwer zu erkennen? Ich meine Nein!

Als die Angestellten der Landesbanken die Guthaben verzockt hatten, sagten die politischen Vorgesetzten unisono, dass man da leider nichts machen könne, sie hätten alles wie üblich gemacht, also sachlich richtig und deshalb politisch-moralisch auch irgendwie noch "gut" gemacht. Beinahe zugleich wurde bekannt gegeben, dass leider der Transrapid wegen einger hundert Milionen zu teuer sei und man das Projekt aufgeben müsse. Der schnelle Brüter könnte längst laufen. Vielleicht auch der Fusionsreaktor - ganz sicher jedoch ein Berliner Großflughafen oder verlässliche Ganztagesschulen mit Jugendgemeinden, Sport, Hausaufgabenbetreuung und Mittagessen für alle Kinder. Die altmodische Art für Nachkommen zu investieren, um langfristigen Wohlstand und Mittelrückflüsse zu schaffen, scheint mit der politischen Vernunft nicht mehr zu vereinbaren zu sein. Tatsächlich widerspricht sie nur der Gier der Vereinzelten.

die Geburt eines Gedichtes wenn die rechte Hand in die Normalität hineinwächst und die linke in den Wahn die Vorstellung Verstellung eines Ganzen wenn auch im Riß im Bruch nicht nur Teil einer Subkultur die überall wächst schimmelpilzgleich auf Fäulnis wo Banken Bankrott schachern und jeder doch weiß obwohl jede talkshow dagegen daß die Vernunft doch schon längst die Insolvenz angemeldet

Während seiner aktiven Zeit hatte uns die Papierpresse nur eine absolut positive Meinung über den heiligen Allen vorgegeben. Jedes unverständliche Räuspern von ihm wurde in die Nähe einer göttlichen Offenbarung erhoben. Dieser Einheitsbrei war wohl verordnet von den Herrschern über die internationalen Meinungsbildung, den Plutokraten, die wiederum Milliarden mit Greenspans billigem Geld scheffelten - und wir alle sind nun die Verlierer.

Sehr richtig, Geld arbeitet nicht. Aber es wurde in dem Spielcasino nicht nur umverteilt sondern auch massenhaft, künstlich vermehrt. Wenn sie mal VWL studiert haben sollten, dann kennen sie die klassischen Formen der Geldschöpfung durch Banken. Diesen Formen haben die Investmentbanken noch viele weitere durch ihre immer neuen 'Finanzinnovationen' hinzugefügt. Am Ende standen völlig absurde Werte in den Büchern. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn diese Form der wundersamen Vermögensmehrung nicht als Maßstab ('Benchmark') für die Realwirtschaft hätte herhalten müssen. Unternehmen die ganz reale Werte schaffen, also z.B. Autos bauen, Handies herstellen oder Briefe befördern wurde vorgehalten keine solche Traumrenditen zu erwirtschaften. Der RenditeAbstand eines Investments in ein Autounternehmen zu einem Investment im Finanzmarkt wurde den Unternehmen als Opportunitätskosten vorgeworfen, welche man durch höhere Arbeitsintensität und weniger Gehalt an die Mitarbeiter auszugleichen habe. Ganz reale Menschen konkurrierten also mit den Gewinnmöglichkeiten eines Kettenspiels und viele gingen daran kaputt. Ob der Kapitalismus davon lernt ? Ich wage es zu bezweifeln.

Ein Artikel, der mir sehr gefallen hat... Tja, sowas kompliziertes wie die Finanzmärkte, wer will fordern, dass die Verantwortlichen das verstehen? Der merkwürdige Glaube an die unverständliche Rationalität des Marktes ist ja nicht neu, im Prinzip steht das schon hinter Adam Smiths "Unsichtbarer Hand". Bis sich einer aufgemacht hat, die Gesetze zu verstehen, die den Markt bewegen. Einiges hat Karl Marx auch gut beschrieben... Und heute wundert man sich über abschmierende Finanzmärkte, und Banken, die sich in größter Not gegenseitig schlucken? Alles neu, im Zeitalter internationaler Märkte? Kann mal einer das Ohr auf Lenins Sarg legen? Lacht der?

Das der Mensch nicht immer rational handelt das dürfte ja wohl klar sein er handelt auch schon mal emotional was nicht unbedingt irrational ist. Ich hab in einem kleinem Buch aus dem Jahre 1992 des amerikanischen NATIONALÖKONOMEN J.K.Galbright mit dem Titel " Finanzgenies, eine kurze Geschichte der Spekulation" folgendes kleine Zitat gefunden: " In dem Bericht heißt es zusammenfassend, im Programmhandel sei eine Computergestützte technologische Intelligenz an die Stelle der menschlichen getreten. Die Technologie könne urplötzlich und in beispiellosem Umfang Verkaufsaufträge ausspucken. Index und Optionshandel hatten den MARKT tatsächlich in eine Art Spielbank verw andelt. Als unschuldig wurden jedoch Personen,Spekulationsgesellschaften, Pansionsfonds und andere institutionelle Anleger betrachtet die in ihrer Naivität und ihren großen Erwartungen so töricht gewesen waren,sich in die Spielbank zu begeben" Dies wurde vor 17 Jahren geschrieben !! Seit dem haben Technik und Globalisierung gewaltige ´Fortschritte´ gemacht und die VERNUNFT ?

Es ist doch schön, dass es auf Erden auch etwas gibt, das nicht funktioniert. Das sind doch Ferien. Erinnert euch doch an Max Webers "stahlhartes Gehäuse". Hier geht alles schief und keiner weiss warum.

Alein der durch den Absturz von Lehman (einer einzigen Bank !) verursachte Verlust hätte ausgereicht um sämtliche Hartz4 Empfänger Deutschlands für die nächsten 100 Jahre zu versorgen. Es hätte auch ausgereicht um zu verhindern, daß in ganz Afrika in den nächsten 100 Jahren kein Kind mehr verhungert, sogar für die Schulbildung hätte es vermutlich noch gereicht. Die Dimensionen sind völlig außer Kontrolle geraten und das ist wirklich bedenklich. Daran hat kein einzelner Schuld, es ist das System das wir überdenken müssen. Wer an der Wallstreet Milliarden Kontrakte aushandelt der kann sich nicht mehr vorstellen, selbst wenn er es wollte, wieviel Schüsseln Reis der Gegenwert seines letzten Klick an seinem Computer sind. Der bewegt sich in einer abstrakten, virtuellen Welt die sich von realen Werten völlig entkoppelt hat, weil die handelnden Menschen sie gar nicht mehr übersehen können. Die ökonomische UrFrage: Was ist der 'richtige' Preis ? also wie ist die angemessene Relation zwischen verschiedenen Wirtschaftgütern, gemessen in einem Zahlungsmittel, wird auf einem Markt in Ahmedabad oder Ibadan vernünftig ermittelt. Die Wallstreet versagt darin inzwischen, dort weis man nicht mehr mit WAS man eigentlich handelt.

Ich glaube, daß es ein grundsätzliches intellektuelle Problem hinter der Finanzkrise gibt: Seit der Abschaffung des Goldstandards ist Geld nicht mehr definiert. Es gibt einen Ur-Meter, eine Mustersekunde, die angeblich immer gleich sein soll, aber weder einen Ur-Euro noch einen Ur-Dollar. So kommen wir zu der Frage, ob 20 Euro ein mit einer blauen Grafik bedrucktes Papier ist, und wenn ja, warum nur diese Papiersorte in Kombination mit dieser Grafik. Dieses Problem existiert schon lange, aber es war immer möglich, von Krise zu Krise eine pragmatische Lösung zu finden. Diesmal ist dies nicht so einfach, weil der Ölpreis so schnell abstürzt und weil es einen großen Anreiz gibt, Verpflichtungen aus Ölfutures nicht zu erfüllen. Obwohl man auch die Krise der Hypothekenkredite auf den - damals steigenden - Ölpreis zurückführen kann, ist die wirkliche Krise erst dann aufgetreten als der Ölpreis sich in freiem Fall nach unten begeben hat (von ca 150 USD auf 90 USD in wenigen Wochen) Jetzt sind nämlich die vor 7 Wochen als Schutz gegen einen weiter steigenden Ölpreis abgschlossenen Futures eine tödliche Falle, und bedeuten einen Verlust in Höhe von oft 60 Dollar pro Faß Öl.

"Vernunftkrisen" wird man wohl nur mit kritischer Vernunft lösen können. Erster Schritt wäre eine ideologiefreie Bestandsaufnahme dessen, was in der Finanzwirtschaft geschieht. Nur so kann die ideologische Blockade überwunden werden, die Schirrmacher am Beispiel der meinungsmachenden Medien beklagt. Einen sehr guten Einstieg hat Hauke Fürstenwerth mit seinem Buch "Geld arbeitet nicht" verfasst. Darin wird faktenreich belegt, dass die Finanzwirtschaft zu einem Spielcasino verkommen ist und nichts mehr mit marktwirtschaftlichem Handeln gemein hat. Gehortete, nicht in der Realwirtschaft eingesetzte Gelder werden im Rahmen von Glücksspielen an die Spieler umverteilt. Aus den hierbei erzielten Wettgewinne (den aber immer Verluste in gleicher Höhe gegenüberstehen) leiten sich dann die 25%+ Renditeforderungen an die Realwirtschaft ab, mit allen bekannten negativen Folgen für Unternehmen und Mitarbeiter. leider haben unsere verantwortlichen Politiker diesen Zusammenhang noch nicht erfasst und unterstützen das Treiben der Finanzjongleure mit immer neuen Steuergeschenken und staatlichen Beihilfen. All die in IKB, Sachsen LB, Bayern LB gepumpten Milliarden an Steuergeldern landen schließlich bei den gierigen und skrupellosen Finanzjongleuren

Danke für diese klare Analyse, die wachen Beobachtern nicht fremd ist. Solange solche Gedanken in deutschen Zeitungen zu lesen sind, besteht noch Hoffung. In Amerika sind solche kritischen Analysen, auch in Bezug auf den Irak Krieg kaum wahrzunehmen. Ich hoffe, die Elite (wer immer das ist) versteht in Deutschland die Zeichen der Zeit. Der Zerstörungsprozess unserer Universitäten (Bologna-Prozess) ist weit fortgeschritten - werden wir uns auf die Freiheit von Forschung und Lehre, d.h. gerade auch Grundlagenforschung ohne die Bevormundung der "Business Schools" zurückbesinnen können?? Es gibt junge Menschen in unserem Land, an unseren Universitäten, auch in Amerika, die dies verstehen. Es sind nur wenige. Die Alternative mit den Rezepten von vorgestern zieht noch immer viele Menschen in ihren Bann, wie Lafontaine und Gysi und diejenigen die dahinter stehen. Nur sind nicht diese Rezepte in einem grandiosen Experiment gescheitert - aber wer wagt das schon zu sagen. Das verbietet die "political correctness"! Vielleicht sollten wir den Finanzkrise dankbar sein, die uns noch rechtzeitig (??) zur Analyse unserer gesellschaftlichen Entwicklungen zwingt.

Ich haette schon frueher einen aehnlich scharfsinnigen Artikel gerade von der FAZ erwartet. Es fehlt aber immer noch einiges an Elementen, denn man kann nicht davon ausgehen, dass gerade da Verrueckte sitzen, wo derart wichtige Entscheidungen fallen. Im internationalen Finanzwesen wird nachweisbar und opportunistisch gemauschelt. Lesen Sie hierzu auch Friedman, insbesondere seine Gedanken zu WAhrungen und Reservewaehrungen im Gespraech mit R. V. Roosa bei einem Seminar der Gale Group und vergleichen Sie dies mit dem was damals schon Sache war sowie mit dem, was danach im internationalen Finanzwesen geschah. Es ist nicht so schwer zu verstehen, wie fruehere Chefs de IWF meinen. Ein guter Artikel aber reichlich spaet.

eigentlich ein schön emotionaler artikel. aber ein detail missfällt mir. vermögen wird vernichtet? das tut beinahe schon weh zu lesen. wie auch eine meinung eines kommentierenden: der sucht den ort, an dem das geld nun ist, wo es doch offenbar einmal dawar und nun ... geld ist ein symbol für werte. werte sind im materiellen verständnis all die dinge, die ein mensch besitzen kann, ideelle werte fallen hier in der regel heraus. (eventuell könnte man aber patente zu solchen ideelen werten rechnen ... doch das führt vom thema weg). auf dem planeten erde befinden sich derzeit eine endliche zahl an werten, denen die menschen werte beimessen. die werte werden allerdings jeden tag neu bestimmt ... wenn staaten geld drucken, dann vermindern sie damit den wert des geldes an sich. wird geld "vernichtet", steigt der wert des geldes (im verhältnis zu den dingen/wertgegenständen). meines erachtens sind die ereignisse an der wall street das ergebnis von einer vertrauenskrise, nicht einer vernunftskrise. die politische kaste (us-präsident und umfeld) haben begonnen mit misstrauischer, irrationaler politik ... ... leider hat man hier offenbar nur eine begrenzte zahl an buchstaben zum kommentieren, schade, ich muss hier unterbrech

Geld ist nichts weiter als ein Verteilungsschlüssel mit dem man nur das verteilen kann was ist. Geld ist nicht. Es ist nur ein auf Papier fixiertes Versprechen ... und dieses Versprechen baut auf Lügen auf. Es ist gelogen, dass wir, wenn wir mit Geld eine Höher-Schneller-Weiter-Maschine auf volle Touren bringen um mit ihrer Hilfe maßlosen Überflluß an Produkten zu produzieren, die kurzlebig sind und im Gleichschritt des Modediktats meilenweit an den wahren Lebensbedürfnissen vorbeigehen, eine "reiche" Zukunft haben werden. Wenn wir, wie es absehbar ist und uns der Ölpreis von bis zu 150 Dollar/Barrel drastisch vor Augen geführt hat, alle Ressourcen verbraucht und über den Verbrauch das Weltklima nachhaltig hinsichtlich der für uns Menschen notwendigen Lebensbedingungn zerstört haben, dann sind wir definitiv arm. Arm an Zukunft. Reich rechnen geht nicht, wurde und wird uns aber vorgegauckelt, damit jeder schön brav funktioniert und sich das "Weiter so" auf die Fahne schreibt. Ich hoffe, dass diese Krise zu einer Besinnung auf nachhaltige Wete führt. Wirtschaften bedeutet "Werte schaffen" ... aber nur Werte, auf die die Zukunft aufbauen kann sind reale Werte. Jeder muß sich für sich fragen was in diesem Kontext sein Tun tut.

Die im Artikel und den Kommentaren dargelegten Meinungen zeigen sehr deutlich den typischen deutschen Pessimismus. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch - die Finanzkrise ist gravierend und im wahrsten Sinne des Wortes Haus-gemacht. Dennoch ist es doch nicht so, dass niemand komplexe Finanzprodukte versteht. Das Problem ist, dass es keinen Präzedenzfall für einen Zusammenbruch von Finanzinstituten aufgrund von Krediten, welche die verbrieft und weiterverkauft wurden, gibt. Wie auch? Derartige Produkte gibt es noch nicht lang genug. Aber ob es einen gefällt oder nicht - wie in anderen Industrien auch - erkennt man Probleme bei manchen Finanztechniken erst, wenn es zu spät ist. Die Lehre, die es zu ziehen gilt, ist es sinnvolle Spielregeln und fähige Schiedsrichter aufzustellen, so dass Risiken minimiert werden ohne den Fortschritt aufzuhalten. Deshalb aber die Globalisierung anzuprangern, erachte ich für höchst gefährlich. Es gilt das gleiche: sinnvolle Spielregeln aufstellen, die Leistung belohnen, ohne die Schächsten auszubeuten. Wenn Grenzen verletzt werden, muss eingeschritten werden und die Verantwortlichen müssen sich verantworten - seien es raffgierife Manager oder kriegstreibende, die Öffentlichkeit belügende Regierungen.

"...ein Unglück, das mit Fleiß in die Welt gesetzt wird und dessen Anstifter, Täter, Mittäter, Beihelfer, Mitwisser.... nicht zu benennen sind" - da hätte ich doch erhebliche Zweifel. Sind die hysterischen Lüsternheiten, die ebenso obszönen wie süchtigen Versprechungen auf noch mehr und noch mehr und noch mehr Geld denn vom Himmel gefallen? Sind sie - was wohl doch keine taugliche Hypothese wäre, aber eine Metapher, die sich aufdrängt - in die Akteure gefahren wie Satan in die Schweine von Gadara? Herrn Schirrmachers Ausführungen stimme ich in Teilen zu, insbesondere seinem Hinweis auf den kollektiv geglaubten Idiotismus der Gleichung: Finanzmarkt = Domäne der Rationalität. Widersprechen möchte ich ihm insofern, als er mir gar zu flink auf anthropologische Konstanten rekurriert. Es geht doch nicht um irgendein allgemein menschliches, das da am Werk und zu verfluchen wäre, ein letztlich halt tragisches Geschehen. Das hat mir zuviel von Verhängnis, von dem zu künden sei anstatt gefälligst zu ermitteln und zu berichten. Zu verantworten ist das Desaster von Wesen, die im Fleische wandeln. Man findet sie in Wirtschaft und Politik (und ihre eifrigen, öfters auch eifernden Tatgehilfen in den Medien). Sie haben Name, Visage und Adresse.

Ein wirklich ausgezeichneter Kommentar. Es geht nämlich längst nicht mehr nur um die Ökonomie. Die ganze Gesellschaft strebt ins Unglück. Worum geht es im Leben? Eigentlich um die ganz einfachen Dinge: Eine/n Partner/in finden, ein paar Kinder großziehen, ein gutes Leben führen. Das ist heute nicht mehr möglich. Das ist heute auch mit Geld nicht mehr möglich. Im Gegenteil: Je anspruchsvoller der Beruf, desto geringer die Chancen auf Kinder, auf ein normales gutes Leben. Auf Menschlichkeit. Wir stecken in einer Sinn- und Vernunftkrise. Mit den Eigentumsverhältnissen an den Produktionsmitteln hat die herzlich wenig zu tun.

Yvette Bellavite, der nette Herr Süß, etc etc. Und vor allem: Jörg Asmussen, persönlicher Referent und Ziehsohn von Hans Eichel, Student von Axel Weber, Staatssekretär von Peer Steinbrück im Finanzministerium, IKB Aufsichtsrat, Member von TSI (der Verbriefungslobby), Gestalter und Befürworter der Verbriefungsfreigabe durch gesetzliche Regelungen im Auftrag der Finanzindustrie. Es sind nicht "irgendwelche", die das Unglück über uns gebracht haben. In Deutschland kann man die Namen benennen. Stefan Leusder hat schon bei der West LB und später bei der Sachsen LB für das Verbriefungsgeschäft verantwortlich gezeichnet. West LB: 23 Mrd Verlust, Sachsen LB 20 Mrd Verlust. Und Asmussen hat die gesetzlichen Regelungen geschaffen. In den USA hat ein Mann mehr Schuld als alle anderen: Alan Greenspan.

"Es müssen irgendwo Verrückte herumlaufen, die bis Montag nicht aufgefallen sind, weil ihr Wahn identisch war mit der Logik des etablierten Systems." Herzlichen Glückwunsch zu der Erkenntnis. Leider gehört neben den von Ihnen in die Soße gerührten üblichen Verdächtigen auch der ganze staatstragende Medienzirkus selbst dazu, der durch gegenseitiges Abschreiben von Mumpitz ebenso zur weitestgehenden Abwesenheit wirtschaftlichen Grundverständnisses in der Bevölkerung geführt hat. Sie sollten deshalb noch einen Schritt weitergehen und untersuchen, wer bei dem in der Tat "vor unseren Augen zusammengeschraubten Unglück" denn den Schraubenzieher in der Hand hält, und dabei Ihren eigenen Erwartungshorizont und die hierfür herangezogenen Informationsquellen hinterfragen. Mit etwas Glück stoßen Sie dabei z.B. auf die unselige Rolle des ungedeckten Papiergeldes (fiat money) und auf die über das staatliche Geldmonopol zum Moral Hazard führende Symbiose zwischen Politikbetrieb und westlichem Zentralbankwesen. Dieser Aspekt ist im Gegensatz zum feuilletonistischen Angststochern sehr konkret und rational begründbar, bleibt aber leider bis zum nächsten Zusammenbruch des Währungssystems aus naheliegenden Gründen völlig unterbelichtet.

...nur leider 2 Jahre zu spät. Die unausweichliche Reinigung des Finanzsystems steht wohl nun unmittelbar bevor. Die Zeichen standen schon lange geschrieben, leider wurden sie von allen Medien und auch von der FAZ kontinuierlich ignoriert. Zu lange, für meinen Geschmack, vom ehemals renommierten Wirtschaftsteil dieser Zeitung, was die Kündigung des Abonnments zur Folge hatte. Wenn nun die Feuilletonisten (welche ich sehr schätze) begreifen was passiert ist, kann sich jeder ausmalen, wie es weitergeht. Aber warum habe alle vorher geschwiegen?

Der Milliardenvorrat an Deutungsmacht-Kapital... aufgebraucht. Ehrlich gesagt, ich versteht von Wirtschaft nicht mehr als Helge Schneider, aber daß es sich bei dem neoliberal-neokonservativen Lager um eine religiöse Sekte handelt, deren politisch-wirtschaftliches Projekt nichts anderes ist als ein gigantisches Schneeball-System, ist mir vor ein paar Jahren klar geworden. Wenn die Neoliberalen Sozialausgaben kürzen, dann nicht um Geld zu sparen, sondern aus religiösem Eifer. "There is no free lunch" -- das ist keine ökonomische Feststellung, sondern ein religiöses Gebot. Bettler zu füttern ist Gotteslästerung. Genauso ist es in der internationalen Politik (Danke für den Querverweis zum Irak-Krieg): Diese Leute WOLLEN Krieg, und zwar aus Prinzip. Sie wollen ihn gar nicht unbedingt gewinnen, sondern ihn führen. Ihr größter Haß gilt auch nicht den Moslems oder Russen, sondern all denen, die glauben, die Menschheit könnte ohne Krieg auskommen. Diese Leute WOLLEN, das wir vom Öl abhängig bleiben, denn nur dann haben wir immer einen Anlaß, wieder mal Krieg zu führen. Die Neokonservativen sind die Wiedergänger der Weimarer Rechtsradikalen. Dumm, aber extrem gefährlich.

Nun scheint es auch in der FAZ angekommen zu sein, daß einige Heroen der Finanzwelt Scharlatane sind. Ein Vorredner hat es schon erwähnt, das Versprechen einer 25%'igen Kapitalrendite ist jenseits jeder Seriosität. Genauso wie die Behauptungen von Herrn Förberg von Cevian, der alle drei Jahre den Wert seines Investments verdoppelt sehen will. Auch diese beiden werden in der Mittelstufe mal Wachstumskurven kennengelernt haben, die derartige Aussagen in Reich der Fabel verweisen. Aber wie unsere Bildungsforscher festgestellt haben, heißt dies nur, daß man den Stoff nachplappern kann, aber eben nicht, daß man ihn verstanden hat. Und so scheinen auch diese Herren an Mittelstufenmathematik zu scheitern. Damit ist aber klar, daß dieser Finanzkrise bald die nächste folgen wird, denn das Hauptproblem, die Inkompetenz des Personals, wird so schnell nicht zu beheben sein, allein schon deshalb, weil es ein offensichtlich leichtgläubiges Publikum findet. Vielleicht würde eine Greser & Lenz Karikatur helfen, aktuell wäre ein Förberg-Märchenonkel, dann würde auf der Aktionärsversammlung über seine Vorstellungen einmal herzlich gelacht und man hätte Zeit sich über konstruktive Eingaben Gedanken zu machen.

Die Dinge sind wesentlich einfacher als die langatmigen Erklärungen. Nutznießer der Kreditexpansion sind die besagten Bonibänker, die vielfältig ihre Strippen über alle maßgebenden Instutionen gezogen haben und denen nütztliche Idioten aus Regierung, FED, EZB, Aufsichten usw dienlich waren. Die lachen sich jetzt krank. Ihre Welle und ihr Einfluß hat sie erfolgreich bereichert und die Verluste sind ihnen natürlich völlig wurscht. Sie dürften auch in Form von EM wahrscheinlich ihre Schäfchen ins trockene gebracht haben. Die Hohlphrasen von liberaler Wirtschaftsordung, nützlicher Globalisierung usw haben sich als das erwiesen, was sie sind: pure Propaganda.

Der Mitherrausgeber dieser Tageszeitung schimpft heute auf die Brandstifter unserer Volkswirtschaft die diese Zeitung jahrelang als Heilsbringer veehrt hat, da sie ein waermendes Feuerchen versprachen. Von einem intelligenten Mann wie Schirrmacher haette ich eine profundere Kritik des Share-Holder-Kapitalismus erwartet. Ein zurueck zur sozialen Marktwirtschaft wird sehr schwierig und ist von Schirrmacher aber auch gar nicht gewuenscht. Dem kapitalistischen Konkurrenzmodell entspricht die Annahme, dass Menschen von Natur aus in einem Überlebenswettbewerb stehen. Ohne Rekurs auf Moral ist gemeinschaftliches Handeln durch vertragliche Bindung möglich. Die Einbettung der Individuen in die gesellschaftliche Totalität von kapitalistischen Praxiszusammenhängen bleibt im Liberalismus außen vor, schafft aber durch das liberalistische Leistungprinzip eine de facto Mystik des Rechts des Stärkeren. Die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen sich durch die Eigentumsverhältnissen an den Produktionsmitteln. Mit der bürgerlichen Revolution von 1789 hat der moderne Staat zwar die politische Ungleichheit überwunden, die wirtschaftliche Ungleichheit ist hingegen geblieben. Diese "brutale Vernunftkrise" (FS) besteht nicht erst seit gestern.

haben die Milliarden wirklich existiert? Ist das Geld im Gully gelandet? Wechselte das Geld nur die Taschen bzw. die Kontonummer? Was ist mit den Billiarden an Schulden der Öffentlichen Haushalte, der privaten Haushalte und Unternehmen?

Ein zorniger, ein großer Artikel. Nun stammt er von dem Mitherausgeber einer unserer führenden Qualitätszeitungen. Frank Schirrmacher nimmt die Ideologie-Brigaden der TV-Talkshows scharf ins Visier. Aber warum in die Ferne schweifen - hätte er nicht schon gleich im eigenen Hause fündig werden können? Ist es nicht so, dass ein Herr Ackermann, der über eine Eigenkapital-Rendite von 25% deliriert, im FAZ-Wirtschaftsressort als Heros gilt? Aber vielleicht muss das alles zunächst im FAZ-Herausgeberkreis noch etwas gründlicher diskutiert werden. Nur zu - es wird Zeit!

wie der Hangover eines gefeuerten Investmentbankers am Morgen danach.