24. April 2007 Als SED-Chef Walter Ulbricht 1950 die zwar schwer beschädigte, aber in wesentlichen Teilen noch erhaltene Kriegsruine des Hohenzollernschlosses sprengen ließ, verlor Berlin seine Mitte. Der jetzt vom Bund und Berlin vorangetriebene teilweise Wiederaufbau soll eine schlimme Wunde in der Stadt (Angela Merkel) schließen helfen, die seitdem in der neuen alten Hauptstadt jedem ins Auge fällt, der städtebaulich interessiert ist. Nicht nur der frühere Bundespräsident Johannes Rau sprach von einer trostlosen Ödnis des Schlossplatzes. Berlins Mitte fehlt bis heute ihr Herzstück, der eindrucksvolle Zentralbau.
Der klotzartige Stahl-Glasbau des DDR-Palastes der Republik, der jetzt abgerissen wird, half da nur wenig und war für viele Architekturkritiker sogar ein unverzeihlicher städtebaulicher Fehler, auch wenn er als Tanzpalast bei vielen Ostdeutschen in der Ära Erich Honeckers populär war. Doch zu dem im alten Glanz wiederauferstandenen barocken Zeughaus am Prachtboulevard Unter den Linden oder Schinkels Altem Museum schräg gegenüber und dem Forum Friedericianum mit der historischen Staatsoper wollte Erichs Lampenladen nie so recht passen.
Noch viele Fragezeichen
Nicht nur der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) mokierte sich darüber, dass er von seinem damaligen Amtssitz im benachbarten früheren Staatsratsgebäude Ulbrichts (mit einem originalen Hohenzollern-Schlossportal) dieses monströse Ding immer ansehen muss. Es war vielen Menschen mehr als augenfällig, dass hier der Schlussstein der Hauptstadt fehlte. Und nicht nur der stellvertretende Bundestagpräsident Wolfgang Thierse meinte, Berlin müsse doch erlaubt werden, was anderen Städten möglich war: die Wiedererrichtung historischer Bausubstanz.
Sicherlich ist das deutliche politische Signal, das Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) jetzt gegeben haben (siehe auch: Berlin beteiligt sich an Bebauung des Schlossplatzes), nicht ohne Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel erfolgt. Dennoch stehen hinter der endgültigen Finanzierung des Mammutprojektes von mindestens 480 Millionen Euro noch viele Fragezeichen, auch wenn der Bundestag schon 2002 mit 380 zu 133 Stimmen grundsätzlich grünes Licht dafür gegeben hatte und das Vorhaben nun schon 2010 beginnen soll.
Der größte Kraftakt: die Rekonstruktion der Fassade
Auch die Einbindung der vom Bund und den Ländern finanzierten Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die das Humboldt-Forum hinter den historischen Fassaden mit ihren völkerkundlichen Sammlungen außereuropäischer Kulturen in erster Linie bespielen soll, ist finanziell noch ungeklärt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat da neben Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) noch ein Wörtchen mitzureden. Auch der Förderverein um den Hamburger Wilhelm von Boddien soll 80 Millionen Spenden sammeln, 66 Millionen fehlen laut Boddien noch. Er verweist aber auf das Beispiel Dresdner Frauenkirche, wo das Geld erst floss, als das politische Signal zum Wiederaufbau gegeben worden war. Vorher waren alle pessimistisch.
Der größte Kraftakt aber dürfte die genaue Rekonstruktion der Fassadenteile des seit dem Jahr 1698 in mehreren Epochen errichteten und vom Baumeister Andreas Schlüter maßgeblich geprägten Schlosses werden, immerhin sind rund 200 mal 100 Meter Fassaden zu errichten. Eine Mammutaufgabe für Steinmetze, die schon 2009 die ersten Aufträge erhalten müssen, wenn der Zeitplan eingehalten werden soll. Große Teile des gesprengten Schlosses waren Anfang der 50er Jahre auf mehrere Gelände meist im Norden Berlins vergraben worden, wo Boddien suchen lässt. Der einstige Keller des Stadtschlosses wurde schon vor Jahren freigelegt. Die eine oder andere Skulptur ist schon gefunden worden, mehrere hundert werden gebraucht und müssen nach alten Fotos wiederhergestellt werden.
Boddien bleibt optimistisch, auch was die Strahlkraft des Augenscheins angeht - im Sommer 1994 hatte er mit der Errichtung der täuschend echt aussehenden Schlossfassaden-Attrappe in den originalen Ausmaßen eine große Wirkung erzielt, die auch so manchen Skeptiker eines Wiederaufbaus schwanken ließ. Und Boddien ist sich auch heute sicher: Wenn erst die ersten Säulen stehen, werden sich viele die Augen reiben, meinte er am Dienstag.
Text: dpa
Bildmaterial: dpa