Welterbe

Was ist mit Pompeji, Bamijan, Angkor Wat?

Von Dieter Bartetzko

Dringend schutzbedürftig: die Ruinen der mesopotamischen Stadt Borsippa unwei...

Dringend schutzbedürftig: die Ruinen der mesopotamischen Stadt Borsippa unweit Babylons

25. Juni 2007 Eine Atempause, ein Aufschub, eine letzte Chance: so empfinden Dresden und mit ihm Deutschland die Nachricht aus Neuseeland, dass das Welterbe-Komitee auf seiner dortigen Jahrestagung beschlossen hat, das Elbtal vorläufig auf der Unesco-Welterbeliste zu belassen. Bedingung: Bis Oktober müssen Alternativentwürfe zum bisherigen inakzeptablen Entwurf für die „Waldschlösschenbrücke“ vorliegen. Sie werden, denn eigentlich gibt es sie ja schon. Und der Freistaat Sachsen wird, sich auf den positiven Bürgerentscheid von 2005 berufend, wie bisher auch den sofortigen Baubeginn fordern. Neu oder besser: nicht neu, aber durch den Neuseeland-Beschluss überdeutlich ist die Rigorosität des Welterbe-Komitees.

Es hat in den letzten Wochen mit Drohungen die Muskeln spielen lassen, hat vor der entscheidenden Sitzung Dresden noch einmal die Flötenöne beigebracht und nun doch noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Sonderbar das alles, denn sonst sind es meist die Welterbe-Hüter, die flöten. Zum Beispiel, wenn es um die Welterbestätte Pompeji geht. Seit Jahr und Tag steht die antike Vesuvstadt auf der Liste der gefährdeten Stätten und appelliert die Unesco an die Zuständigen, man möge den rapiden Verfall und die hemmungslose Vermarktung der unersetzlichen Relikte stoppen.

Wo die Unesco am mutigsten ist

So taub, wie italienische Behörden für die Mahnungen sind, so höflich bleibt das Welterbe-Komitee; keine Ultimaten, keine öffentlichen Drohungen oder Wutausbrüche. Angkor Wat? Die gigantischen, um die erste Jahrtausendwende entstandenen Tempelanlagen verfallen und werden, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, nach wie vor systematisch geplündert. Im Irak blüht das Raubgrabungswesen an vorhandenen und potentiellen Welterbestätten von Babylon bis Bagdad. Afghanistan? Noch immer steht die Welt erschüttert vor den riesigen leeren Höhlen der einstigen Buddhas von Bamijan, die die Taliban im März 2001 sprengten. Von den anfänglichen euphorischen Rekonstruktionsplänen ist nicht mehr die Rede, dafür aber sind mittlerweile die Höhlen selbst einsturzgefährdet - und die Taliban erstarken.

Grund genug, Alarm zu schlagen, auch in Iran, Kambodscha oder Italien. Doch lautstark ist die Unesco nur im Fall Deutschland; erst in Köln, nun in Dresden. Nun, die Republik zeigte sich ja auch sofort gebührend entsetzt angesichts der Schelte. Womit die Vermutung naheliegt, dass die Unesco da am mutigsten ist, wo der geringste Widerstand wartet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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