22. August 2006 Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat einen Brief an den Bürgermeister seiner Heimatstadt Danzig (Gdansk) geschrieben, in dem er wohl auch Stellung zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS nimmt. Das Schreiben enthalte Antworten auf eine Reihe von Fragen, sagte Bürgermeister Pawel Adamowicz dem Nachrichtensender TVN 24. Der Brief ist sehr interessant, teilweise sehr rührend. Zu Einzelheiten wollte er nichts sagen, da die offizielle Übersetzung des Schreibens noch in Arbeit sei. Ob der Brief des Autors der Blechtrommel veröffentlicht wird, hänge von der Spitze der Bürgerschaft ab.
Am Dienstag nachmittag sollte in Danzig der Ältestenrat zusammentreten, um über eine mögliche Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Grass zu diskutieren. Sollten sich die Vorsitzenden der Ratsparteien entschließen, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, könnte eine Entscheidung in der kommenden Woche auf der Sitzung des Stadtrates fallen. Adamowicz hatte bereits öffentlich betont, er hoffe, das Thema sei nach der Sitzung am Dienstag erledigt.
In einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage hatten sich 72 Prozent der Danziger gegen eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft ausgesprochen. Friedensnobelpreisträger Lech Walesa dagegen hatte Grass aufgefordert, seine Ehrenbürgerschaft aufzugeben. Andernfalls wolle Walesa seine Danziger Ehrenbürgerschaft niederlegen.
Text: dpa
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