Klar können wir nicht davon ausgehen, dass die geschädigten Häuser alle nach japanischen Standards gebaut hätten werden können. Umso wichtiger ist aber die Frage, ob es denn überhaupt Bestrebungen dazu gab. Und noch wichtiger ist nun die Frage, ob es beim Wiederaufbau solche geben wird. Dies ist nun einmal nur zu schaffen, wenn das überhaupt mal besprochen und definiert werden kann. Wenn nun aber - von Korrespondenten bisher ziemlich einhellig so beschrieben - die Diskussion darüber schon abgewürgt wird, wenn sie grad losgehen sollte (und dazu gehören selbstverständlich auch die Fragen nach Verantwortlichkeiten), dann kann ich mir schlecht vorstellen, wie sich in dieser Beziehung echter Fortschritt entwickeln sollte. Auf wen könnte sich nun ein Bürger beim Wiederaufbau beziehen, wenn er das Gefühl hätte, bei der Planung und Ausführung einer neuen Schule überzeuge ihn deren Erdbebensicherheit nicht? Hier ist und bliebt der blinde Fleck aller Diktaturen; das Ceausescu-Syndrom: wer glaubt, eine freie Presse verhindern zu müssen, kapiert nicht, dass "Good Government" nur zu machen ist, wenn ich zu unabhängigen Infos komme, die NICHT einfach der verkehrten Befehlskette entsprechen. - Und die Dammrisiken sind sowieso unentschuldbar!
die Vulkanland ist und am Rheingraben, ebenfalls einer Kontinentalfuge, liegt? Wieviele Gebaeude wuerden stehenbleiben? Ich will unseren Landsleuten dort beileibe keine Angst machen, aber aus unserer vermeintlichen Sicherheit heraus ist " Erdbeben - gemaesses " Bauen leicht dahergesagt. Kennen die Kommentatoren die Verhaeltnisse in dieser entlegenen Bergregion Sichuan's? Wissen sie, wie arm die Gegend war ( ist )? Nicht das ganze China ist jetzt ploetzlich reich! Gebaut wurde wohl eher nach empirischen Regeln als nach jeweils neuesten baustatischen Erkenntnissen. Und Bauen mit Stahlbeton ist dort auch eine relativ neue Technologie. Man wird nicht alle bestehenden Bauten sofort abreissen und neue errichten koennen, wenn man etwas dazu lernt ( macht man das bei uns? ). Warum stuerzten soviele Schulhaeuser ein? Im Westen weiss man sofort: Dies ist der Raffgier chinesischer Bauunternehmer und Funktionaeren geschuldet. Koennte es sein, dass dies eher z. B. auf uniformere Konstruktionen ( groessere Deckenspannweiten fuer Klassenraeume bei geringerer kalkulierter Traglast als in Fabriken ) zurueckzufuehren ist? Ich will und kann niemand verteidigen, aber ich plaediere zu unserem eigenen Nutzen fuer mehr Augenmass und weniger Polemik.
Denn solange das ganze Elend bloss in plumpen Patriotismus kippt, dabei aber noch nicht einmal die Frage nach erdbebensicherem Bauen, bzw. den entsprechenden Verantwortlichkeiten (ganz zu schweigen von Staudammprojekten und den damit verbundenen Problemen) gestellt werden kann, zweifle ich an der erhofften "Läuterung". Ganz abgesehen davon, dass es mich nicht überzeugt, was die Führung Pekings genau bezweckt, wenn sie mit grossem TamTam die Bevölkerung Chinas zum Geldspenden aufruft. Das gibt zwar ein offenbar sehr willkommenes "Wir"-Gefühl, lenkt aber dennoch von den eigentlichen Problemen ab, lässt die Frage, wieso sich in China denn bisher niemand um die Belange der Bevölkerung (vom Thema Bausicherheit bis hin zu schwersten, Menschen gefährdenden Umweltzerstörungen) gekümmert hat, aussen vor und wirkt, last but not least, auch irgendwie grotesk.... Angesichts von 1000 Milliarden Dollarreserven der Bank of China.
Sowohl die KPC wie auch die Propagandisten in den demokratischen Ländern habe die Sprache verändert. Denn wenn man nicht von den Demokratien sondern vom Westen spricht, kann man die Gewaltherrschaften verschweigen. Dann gibt es eine chinesosche und eine westliche Kultur. Man kann dann sehr leicht den "Westen" als bösartig bezeichnen, der die anderen Kulturen Miessmachen will. Das ist ein guter Schachzug aber noch nicht das Matt für die Demokratie! Die Gewaltherrscher haben durch die Geschichte viele Menschen ermorden lassen und das wird von den jetzigen Gewaltherscher verschwiegen und geleugnet. Und keine Gewaltherrschaft hat soviele Menschen ermorden lassen wie die Nazis und Kommunisten. Diese Propaganda der KPC zeigt in dieser Not, wie wenig die sich um die Not ihrer Menschen kümmern! Ebenso ihre "Freunde" in den demokratischen Ländern.
Mark Siemons hat m. M. n. Recht. Diese Art der Berichterstattung ist gaenzlich neu fuer China und wird mittelfristig die oeffentliche Darstellung und somit das Klima im Land veraendern. Denn beim naechsten derartigen Ereignis werden Medien, Partei und Behoerden nicht einfach wieder hinter diesen neu gesetzten Standard zurueck koennen. Ist dies auch sicherlich nicht gelenkte Absicht, sondern eher neuen Informationstechnologien geschuldet (insbes. Mobiltelefonie und Internet ). Noch konnte man im Fernsehen deutlich Gleichschaltung und Zensur spueren. Aber Live-Sendungen werden sich nicht immer zensieren und unter Kontrolle halten lassen. Und auch die Einstellung der Bevoelkerung wird sich veraendern. Galt wohl bisher, dass man sich um Fremde und deren Schicksal nicht weiter zu kuemmern braeuchte ( umso mehr jedoch um die Familie, Freunde und nahen Bekannten ), so zeigt schon jetzt dieser intensive Einblick in das schwere Schicksal anderer einen nicht fuer moeglich gehaltenen Solidarisierungseffekt quer durch das Land. FAZ und Leserschaft koennen im uebrigen froh sein, mit Mark Siemons und Petra Kolonko zwei so engagierte und professionell arbeitende Journalisten in China zu haben. Ihre profunden Beitraege sind immer ein Gewinn.
Mein erster Kommentar möchte ich (leider) ergänzen: Obwohl in Sichuan gerade das Erdbeben war(immer noch ist), wurde in genau dem Gebiet ein sehr verehrter hoher tibetischer Lama ohne Angabe von Gründen von der chinesischen Polizei verhaftet. Es geht also weiter wie bisher mit der Verfolgung der Tibeter? http://www.tchrd.org/press/2008/pr20080519b.html "The Chinese authorities had arrested a revered religious figure in Kardze, Tibet according to reliable information received by the Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD). On 18 May 2008, around 4.30 AM (Beijing Standard Time), the Chinese security forces had arrested Tulku Phurbu Tsering Rinpoche from his residence without stating any reason. He was a highly revered religious figure in Kardze County, "TAP", Sichuan Province." (Von: TCHRD ist eine der weltweit bekanntesten exiltibetischen Organisationen und gilt als verlässliche Quelle für Informationen aus Tibet. Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt TCHRD seit 1996.)
Lieber Hr. Siemons, Vielen Dank fuer Ihre objektive Berichte aus Peking. Ich bin ein Chinese in Peking. In Deutsche Medien habe ich viele Artikel ueber China mit Vorurteil gelesen. Fuer mich, mann kann natuerlich mein Land, China, kritisieren, aber auf keinen Fall mit Arroganz und Vorurteil. Deswegen bedanke ich mich fuer Ihre Arbeit. Viele Erfolg wuensche ich Ihnen noch in meiner Heimatstadt, Beijing/Peking. Und an Herr Michael Menzel (Galenos), Ich habe Ihren Kommentar gelesen. Sie haben Chinas Einflusskraft in Myanmar wirklich ueberschaertzt. Es stimmt, dass 1) China mehr als 2000-Jahr-lang gute Beziehung mit Myanmar hat; 2) Viele Chinesische Firmen, staatl. und auch private, Geschaefts dort machen und investisieren;... usw. Aber die Regierung in Myanmar wird nie mals den Befehl aus China aufnehmen. Ich persoenlich bin 2 mal dort verreist, und kenne ein bisschen dorige Situation. Nach Nargis, hat China sofort insgesamt ca. 5 Mio USD Spende geschickt. Es ist schon sehr hoch fuer ein Entwicklungsland, wie China. Jetzt arbeiten auch Chn. Hilfsgruppe dort, obwohl wir in der Erdbebenzone in eignem Land auch solche Kraefte dringend brauchen. China muss doch Myanmars Souveraenitaet respektieren!
Das wahre China sieht niemand richtig ohne Meinungs- und Pressefreiheit. Wie auch? Wie diese Erdbebenkatastrophe medial behandelt wurde ist eine Besonderheit. Aber wie geht es danach weiter? So wie ich nun die Chinesen im Fernsehen und auf Bildern sehen konnte, machen Sie einen sehr guten Eindruck auf mich als Menschen mit Herz und Gefühl.
Herr Siemon hat Spendesumme des Spendegalas nicht angegeben. Es wird innerhalb 4 Stunden ueber 18 Mrd. Yuan, also ca. 1.8Mrd EUR zusammengekommen. Es ist sicherlich ein Record im Land China, vielleicht auch Weltrekord. Der Teilnehmerkreis war auch einen Weltrekord, mehrer Hunderten von Prominent aus allen Bereich waren gekommen. Die groesseste Spende war 100Mio. Yuan von einem Unternehmen, 10Mio. Yuan von einem privaten Person. China's Solidaritaets waechst. Die Anziehungskraft der Regierung waechst auch. Die Einfluessen der westlichen Medien auf Chinesen, besonders auf die 70' 80' Jahrgaengern, aber im gegenteil geschwaecht! Weshalb? Weil der Regierung hat die Krisen gut gemanaged haben, Weil die westlichen Medien in Sachen Tibet allen Chinesen mit teilweise gefaelscht Nachricht und Geschichten frustriert haben, damit auch die Glaubwuerdigkeit in China verliert. Einige Tatsachen hiermit: 1. Tibet ist seit mehreren Jahrhunderten ein Teil Chinas, man kann diese Info in allen westlichen Woertbucher sogar im 19 Jahrhundert nachlesen. 2. Vor 1959 hat Tibet groesseren Autonomie, aber zum Ungelueck 95% bevolkerung, sie waren Sklaven. Volksbefeiungsarmee hat diesen Situation beendet. beitrag folgt
Die Chinesen oder auch chinesische Regierung sind nicht für die Lage in Burma verantwortlich. Es ist eigentlich nichts Außergewöhnliches, dass viele Chinesen die Menschen im eigenen Land unterstützen. Viele haben Bekannte, Freunde und Familien in Erdbeben verloren. Das sind die Menschen, die man kannte und liebte. Dadurch fühlen sie sich mit den Überlebenden verbunden und möchten helfen. Auch das Interessen an Nachrichten aus der betroffenen Region ist so natürlich höher. Die chinesische Presse ist nicht viel anders als die westliche. Sie berichtet, was die Menschen dort meistens gerne lesen und hören. Burma kommt wenig in chinesischer Presse vor. Das heißt aber nicht, dass die Menschen in Burma unwichtiger als Chinesen sind oder dass das Mitleid der Chinesen nationale Grenzen hat. Ich möchte gerne wissen, wieviel Geld Deutsche für Burma oder China gespendet haben? Nur Mitleid haben und nichts tun, bedeutet so viel wie nichts! China hat sich durch diese Katastrophe positiv geändert. Die meisten Menschen dort sind Hilfsbereit und die Regierung hat sich diesmal offener verhalten.
Ihre Lobeshymnen und Danksagung an Mark Simeons sollten Ihnen eigentlich im Halse stecken bleiben, wenn sie dessen Beitrag wirklich aufmerksam lesen. Er beschreibt die Geschehnisse um die neue "Glasnost"-Aufbruchstmmung in Peking als ein Wunder und erinnert an sehr eindringliche, hässliche Geschehnisse im "offiziellen" China der neueren Geschichte. Ebenso drückt er seine Unsicherheit aus, wie diese Vergangenheit und die Zukunft der chinesischen Regierungspolitik zu vereinbaren wäre. Der Rest der Welt weiß im Grunde nicht so recht, wie er zu diesem "Wunder von Peking" stehen soll. Sie werden doch einsehen, daß man skeptisch ist, ob dieser Wechselbäder zwischen 1951, 1989, und Tibet 2008. Andererseits habe ich ja bereits in meiner vorigen Lesermeinung darauf hingewiesen, daß sich dieses "Pfingstwunder" offensichtlich streng innerhalb der nationalen Grenzen Chinas abspielt. (Als Atheist sollte man nachgoogeln, was damit gemeint ist). Ich möchte aber noch einmal betonen, daß das Leid der Menschen in China furchtbar sein muß und unermesslich. Aber in Burma auch! Mögen ALLEN diesen leidenden Menschen geholfen werden und keine Nachbeben in China und keine Epidemie in Burma mehr auftreten.
Oje ich bin jetzt ganz durcheinander! Sind Poststrukturalismus und Kapitalismus wirklich ein Teil der negativen Dialektik oder soll man Adorno nachwievor einfach nicht, zumindest nicht wissenschaftlich, “ernst“ nehmen. Siehe freies Zitat aus der “Minima Moralia“: “Eigentlich sind lebende Konsumenten ja tot, alle sind tot!“ oder so ähnlich. Schliesslich ist ja China nicht Amerikas USA!
Sehr geehrter Herr Siemons, wieder einmal ein ausgewogener und kenntnisreicher Artikel von Ihnen. Danke! Ich verfolge Ihre Arbeit seit Sie aus Peking berichten und lese Ihre Analysen mit großem Interesse. Sie begleiten die raschen Veränderungen in China mit großer Sympathie für die Menschen des Landes und beziehen in Ihren Berichten Blog-Beiträge einfacher Bürger und die Stimmen von Intellektuellen mit ein. Ich kenne keinen anderen deutschen Journalisten, der die Stimmung im Lande besser beschreibt und damit einen wichtigen Beitrag für unser Verständnis der Vorgänge im Reich der Mitte leistet. Viele Grüße und alles Gute für Sie und Ihre Kollegin nach Beijing!
scheint doch sehr nationale Grenzen zu haben. Also lassen wird die Kirche mal im Dorf. Die Chinesen hatten eine Woche die Burmesen ungerührt umkommen lassen und jeglichen Einfluß auf ihre Junta Freunde daselbst unterdrückt. Das große Selbstmitleid setzte erst ein, als die Erdbeben im eigenen Land Furchtbares anrichteten. Wirklich entsetzlich für die Menschen,- keine Frage, aber sind das andere Menschen als die in Burma, die ununterbrochen weiter täglich zu Tausenden sterben. Man hat das Gefühl, daß auch die hiesige Presse Burma eher an zweite Stelle der Aktualität verfrachtet. Ist halt nicht so aufregend, wenn die Menschen langsam sterben und nicht durch Berge und Häuser erschlagen werden - oder täuscht das Gefühl?