Im Gespräch: Kulturwissenschaftler Thomas Macho

Die Rhetorik der Machtabsage

Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff sagt über sich selbst, ihm fehle der „unbedingte Wille zur Macht“. Thomas Macho seziert im Gespräch mit der F.A.Z. die Rhetorik der Machtabsage und analysiert das deutsche Verhältnis zur Lüge.

Lesermeinungen zum Beitrag

18. Juli 2008 09:42

Blendwerk

Calpo Salmrohr (calpo_salmrohr)

Die simple Tatsache, daß Wulff Ministerpräsident ist, belegt, daß ihm besagter Wille zur Macht innewohnt. Und daß es eine Gratwanderung ist, dem deutschen Wähler einerseits nicht zuviel, andererseits auch nicht zu wenig Wahrheit zu servieren, außerdem sich als Politiker daneben noch gut zu "vermarkten", ist auch nichts wirklich neues. Solche für die Öffentlichkeit bestimmten Aussagen wie die von Wulff getroffene dienen ihm auch nicht dazu, sich zu entblößen oder Einblicke in sein sensibles Wesen zu gestatten. Das ist nüchternes Kalkül, das ist Vermarktung. Indem er offensiv konstatiert, ihm fehle der unbedingte Wille zur Macht, gibt er genau diesem Willen nach. Würde solcherlei Blendwerk beim Wähler nicht wirken, würde es nicht angewandt.

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18. Juli 2008 09:30

Ein Opfer der 68er

uwe gottwald (ugottwald)

Der arme Christian ist doch nur ein Opfer der bösen 68er. Gäbe es diesen neuen Zeitgeist nicht , wäre der Christian noch in erster Ehe verheiratet und würde via BILD Homestorys von dieser glücklichen Beziehung verbreiten dürfen , um anschließend im verdunkelten Dienstwagen seine Nebenfreundin zu besuchen. Aber so fragen sich die Leute natürlich, ob seine Aussagen die Halbwertzeit seines Eheversprechens haben . Wie gesagt : Soetwas hätte erst gar nicht rauskommen müssen. BILD hätte sicher getitelt: Unsere Traumehe - So kämpfen die Wulfs gegen die bösen Gerüchte .

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18. Juli 2008 09:29

Wenn man sich zuviel mit einem Thema beschäftigt...

Dominik Mayer (dominikator)

... werden Spekulationen zu Selbstzweck. Dabei gewinne ich den deutlichen Eindruck: Egal was Wulff sagt, keiner glaubt ihm, dass er nicht Kanzler werden will. Worüber ich den Kopf geschüttelt habe, war die Art der Aussage Interviews. Man sagt einfach nicht "das traue ich mir nicht zu". Jeder andere Politiker, der nicht über eine derartig feste Basis wie Wulff verfügt , würde nach so einem Satz entweder von der Opposition oder von den eigenen Leuten zerrissen werden. Zu recht. Und wer ihm vorher nicht glaubte, wird es auch jetzt nicht. Er hat in Niedersachsen eine solide Machtbasis, keinen ernst zu nehmenden Gegenwind, hat den Lohn jahrelanger harter Arbeit eingefahren, was wiederum täglich harte Arbeit erfordert, und er ist erneut Vater geworden. Vielleicht begreift er dadurch auch einfach, dass es andere schöne Dinge im Leben gibt, die es zu genießen gilt, statt sich in einem gigantischen bundespolitischen Wolfsrudel neu hochzuarbeiten, um dann nur noch noch mehr schuften zu dürfen. Vielleicht genießt er es einfach, mit seiner Machtbasis frei und ohne in eine Kabinett- oder ungewollte Koaltitionsdisziplin eingebunden zu sein, seine Meinung als überzeugtes CDU-Mitglied mit dem Gewicht eines Ministerpräsidenten zu sagen.

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18. Juli 2008 00:22

Geschwätz eines Hobby-Psychologen

Julius Franzot (JFranzot)

Ich bin auch Psychologe als Hobby, da möchte ich gleich vorweg nehmen, ich bin es geworden, als ich meinen Beruf als Exportleiter in der Pharmaindustrie gegen den des Schriftstellers eingetauscht habe. Aus dieser Position heraus möchte ich sagen, dass Wulff noch mehr ein Amateur ist als ich selbst. Die Plattitüden über Gusenbauer verdankt er Jörg Haider, der gesagt hat: "Das einzige Versprechen, das Gusi erfüllt hat, war das Ehrenwort an seine Mutter aus dem Sandkasten, als er ihr versprach, Kanzler zu werden" Das thema "Lüge" wird in Deutschland immer noch viel zu differenziert betrachtet und ist von der Person und der Situation abhängig. Die vielen Facetten Frau Ypsilantis sind bei Vielen, z.b. bei mir, nicht unbedingt schlecht angekommen, die Lügen eines FJS zu Geldtranfers in die DDR stießen nur bei seinen Gegnern auf Ablehnung. Deutschland ist nicht mehr so, wie man es gerne haben möchte, obwohl die unverschämten Lügen und Beleidigungen eines Herrn Berlusconis in D bestimmt nicht tragbar wären, genausowenig wie die Wallfahrten nach Mussolinis Geburtsort Predappio und das verlogene Bekenntnis Finis zum Faschismus als Mutter aller Übel. Die Ansicht, dass Politiker es bis zur Gottesdämmerung auszuhalten haben, ist grotesk.

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17. Juli 2008 20:49

er möchte "gemocht" wrden

Margrit Steer (Margrit-Steer)

Christian Wulff hat offenbar das Bedürfnis gemocht zu werden. Im politischen Sinne heißt das, ja keine Kritik an Merkel, ja keine Ansprüche anmelden, er möchte auf jeden Fall ihr Liebling bleiben. Im Gegensatz zu Koch, der die Dame Merkel des öfteren verägert und nicht zu ihren Freunden zählt. Nur, was bzweckt Wulff damit? Also doch noch Kanzlerkanditat, weil irgendwann Merkel ihren Liebling darum bittet? Andrerseits bin ich ganz ehrlich, einen Kanzler Wulff brauchen wir nun wirklich nicht. Er ist zu beliebig, er ist jemand, der stromlinienförmig durchs Leben geht. Er guckt sich erst einmal 5x um, bevor er ja oder nein sagt und sagt dann genau das, was gerade oppurtin ist. So kann man nicht anecken. Der liebe Gott möge uns vor so einem beliebigen Kanzler bewahren. Was dieses Land dringend bräuchte, wäre ein Kanzler und wären Politker mit Charisma und mit Ecken und Kanten.

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17. Juli 2008 19:34

Wulff will eben nicht Kanzler werden

Konstantin Schneider (bundesboy)

Es wirft ein bezeichnendes Licht, auf das Politikverständnis in diesem Lande, dass man sich derart über Wulff's Machtverzicht wundert. Wulff will einfach nicht Kanzler werden und die Fragen der vielen selbsternannten Kanzlermacher, die er schon beantworten musste, langweilen ihn einfach. Deshalb hat er einfach mal nein gesagt, als man ihn fragte. Warum sollte er auch irgendwelche Ansprüche stellen, wo Merkel doch so unangefochten ist in der CDU wie auch beim Volke? Dass sie die Wahlen 2009 vielleicht dennoch verliert kann von den Kronprinzen sowieso niemand verhindern.

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