Den Schülern wird also noch eine Frist eingeräumt, um sich etliche alte Reformschreibungen wieder abgewöhnen zu können. Das ist die Bankrotterklärung der Reform. Die FAZ sollte auf dieses Schiff nicht aufspringen.
Angesichts der Bereitschaft der FAZ, sich
dem "Konsens" nicht zu verschließen,
erscheinen mir weitere Stellungnahmen zu diesem
desaströsen Thema müßig.
Nur möchte ich festhalten:
Was bei uns im Lande im Verlauf der letzten zehn
Jahre auf der politischen Bühne gelaufen ist,
kann mit Fug und Recht als das größte und
widerwärtigste Schmierentheater seit
Bestehen der Bundesrepublik Deutschland
bezeichnet werden. Kein Volk auf der Welt ließe sich
seine Sprache mit derart diktatorischen und gleichsam
debilen Durchboxmaßnahmen zerstören.
Die Altachtundsechziger Protagonisten zerschlagen
unsere Schriftkultur, sie finden unsere Nationalhymne
"furchtbar", derer man sich "schämen" muß,
sie kritisieren das "unverkrampfte" Schwenken
unserer Fahnen.
Politiker dieser Art könnten sich in Frankreich
die Kugel geben.
Kommt sie, die FAZ, am Ende doch als
deus ex machina auf diese Bühne?
Wie lange wird es dauern, bis wir die "Änderung der Berichtigung der Modifikation der Korrektur der Reform" bekommen? Die Sprache ist ein Naturprodukt, und es ist eine typisch deutsche Idee, sie in ein Regelwerk zwängen zu wollen.
Der Editor des "Webster Dictionary" erklärt dies so:
"Wir schreiben nur auf, wie die Leute sprechen. Wir arbeiten DEskriptiv. Die Deutschen schreiben vor, wie sie sprechen sollen. Sie arbeiten PRÄskriptiv."
Keinem Menschen würde es je einfallen, eine englische Sprachreform einzuführen.