Immer wieder wird im Zusammenhang mit dem Unrecht der Vertreibung der Deutschen an die Ursachen erinnert. Dabei fällt mir Theodor Heuss ein, der sich noch traute, daran zu erinnern, daß die Ursachen für das Aufkommen des Nationalsozialismus in Versailler Vertrag zu finden sind ("Die Wiege des Nationalsozialismus steht in Versailles"). Dieser Logik folgend könnte man also die Siegermächte des ersten Weltkrieges (und hier vor allem Frankreich) für die Vertreibung 1945 verantwortlich machen. So kann man doch nicht argumentieren.
Schließlich hat jede Wirkung eine Ursache und jede Ursache ist wiederum die Wirkung einer zeitlich vor ihr liegenden Ursache und so kann man zurückgehen bis zum Urknall.
Ein Unrecht wird nicht durch ein ihm vorausgehendes Unrecht entschuldbar.
Selbst die FAZ spricht von deutschem Opferstolz und das man die Ursachen der Vertreibung doch nicht vergessen solle.
Doch wo bitte liegt der kasuale Zusammenhang zwischen Holocaust, Krieg und der Vertreibung von 16 Mio. sowie der Ermordung von ca. 3 Mio. Deutschen aus ihrer Heimat.
Für die Verbrechen der tschechischen, polnischen und sowjetischen Nationalisten gibt es einen kausalen Zusammenhang oder Entschuldigung.
Wer einen solchen konstruiert, spielt nur den Tätern von damals in die Hände.
Unsere Eltern, die ganze ältere Vertriebenengeneration, die aus Abertham, b. Neudek, im Sudetenland, während u. nach dem II.W.K. von Tschechen unter Benes offiziell vertrieben wurde, so wie die allermeisten der 16 Millionen Reichsvertriebenen werden ein "Denkmal" zu ihrem Schicksal nicht mehr erlebt haben. Sie sind längst schon weit von ihrer Heimat begraben.
Sie durften sich nicht öffentlich daran erinnern, an ihr Leben zu Hause, denn über Vertreibung zu sprechen, könnte die Verantwortlichen der Vertreibung stören. So hiess es. Aber uns hat es auch gestört zu schweigen. Als Kind der Vertreibung aus dem Sudetenland, wäre ein sichtbares Zeichen in Berlin, dass an die Nachkriegsvertreibungen, als die Diktatur in Europa anscheinend beendet war, für alle Vertriebene, Deutsche u. die Vertriebenen der Nachbarländer, das erste Zeichen, dass man offen über diese ungesühnte Tragödie sprechen darf. Das würde zum ersten Mal etwas Courage zeigen, etwas Ehre.
Heinz Dieter Chiba, Montréal
vertrieben, aus Abertham, b. Neudek, Juli 45