Merkel als Kanzlerin?

Die deutsche Frage

Was hat Angela Merkel nur an sich, daß sogar Intellektuelle plötzlich mit hängenden Mundwinkeln und Kleiderfarben argumentieren? Die Schriftstellerin Monika Maron über das Schmierentheater im Wahlkampf.

Lesermeinungen zum Beitrag

27. August 2005 20:04

Schröder, Houellebecq und Merkel

Frank Bach (Spindel)

Schröder richtig gesehen, dem Houellebecq auf den postmodernen Leim gegangen, die Ironie bei Merkel auf die Spitze getrieben - so gerieren sich FAZ.NET-Leser, die endlich eine "wählbare" Alternative in Deutschland ausgemacht haben wollen.

Die Ironie bei Angela Merkel können wir uns sparen. Unsere Zuneigung zu ihr ist ehrlich. Ihre Mundwinkel garantieren Durchsetzungkraft, Ihre Figur mütterliche Umsorgung, ihre Sprache Geradlinigkeit, ihre Schweißflecken Ehrlichkeit, ihr Gang Volksnähe, ihr Merz-Wegbiss Souveränität, ihr Blick Autorität.

Ich wünsche ihr aus ganzem Herzen das Amt der Bundeskanzlerin.

Frank Bach


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26. August 2005 13:38

Angela Merkel - Die deutsche Frage!

Wolfgang Wahrheit (wahrwolf)

Ein hervorragender Beitrag, der mir aus der Seele spricht!
Bei der FAZ weiß man, was man hat.

Die Ursache des so trefflich beschriebenen Verhaltens vieler Deutscher sind wohl mit dem Ludwig Thoma zugeschriebenen Wort charakterisiert:

Vox populi - Vox Rindvieh!

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26. August 2005 12:03

Aura von Frau Merkel

Franz-Josef Pfeiffer (TupacAmaru)

Die Aura von Frau Merkel - das hat mir jeder, den ich kenne, bestätigt - hat alle Ingredienzien, die eine Führungspersönlichkeit ausmachen.

Sie kommuniziert Sachverhalte absolut sachlich, dabei technisch brilliant.

Eine Sprache ohne Schnörkel, verständlich, auf den Punkt bezogen, dabei voll die Vorteile Ihrer Weiblichkeit in die Schale werfend.

Man(n) muß sich wirklich entscheiden, ob man Ihrem pommerschen spröden Charme erliegen will oder sich eben doch auf die Sache konzentrieren soll.

Da man sich aber nicht wirklich für das eine oder das andere entschließen kann, folgt man Ihrem Vortrag im dauernden Wechsel zwischen diesen beiden Foki.

Man fühlt sich beschenkt, wenn Ihre Mundwinkel von der Strenge des Gedankens loslassen, sich leicht kräuseln.

Man ist entzückt, wenn man dann feststellt, dass das nur die Begleitmusik für eine glänzend formulierte Breitseite gegen die absolut destruktive derzeitige Regierungspolitik gewesen ist.

Mit Erstaunen stellt man fest, dass die sog. "Vierte Gewalt" im Staat ein souverän von ihr gehandhabtes Instrument ist.

Da mögen mache Frager noch so abgefeimt daherkommen. Frau Merkel spielt die Bälle so zurück, dass man unwillkürlich an Grace Jackson denken muß, weil die Anmut dieselbe ist.

Das Bärbeißige der ganzen Männchen in Ihrer Umgebung wirkt neben ihr irgendwie deplaziert, wobei doch gerade ihr Auftreten Coolness, Präzision, messerscharfe Analyse und einen eisernen Willen signalisiert.

Gerade ihre rundliche Gestalt, die von weitem disproportional zu den Schöhnheitskönigin-Vorstellungen, die man mit sich rumträgt, wirkt, läßt einen nicht los, vor allem, wenn sie aufstehend und sich über den Tisch beugend, um nach den Papieren zu greifen, wie selbstverständlich zeigt, dass sie sich wohl in ihrem Körper fühlt, dass sie einverstanden mit ihrem Alter ist.

Ja so ist sie, die Frau in den mittleren Jahren, die Frau an der eigenen Seite, die Mutter der eigenen Kinder.

So, wie sie ist, muß man sie lieben. Als ob man noch einen eigenen Willen hätte.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie sehen kann, und ich höre ihr gern und aufmerksam zu.

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26. August 2005 10:59

Ja schon, aber...

Stephan Neetenbeek (nosuch)

Frau Maron hat schon ganz recht mit Ihrer Argumentation, dass viele Journalisten und Bürger Frau Merkel nicht ernst nehmen, weil Frau und ostdeutsch. Nun gut, ein Gesichtsausdruck verät auch viel über einen Menschen, sagt zumindest meine Frau, ebenfalls weiblich und ostdeutsch. Bleibt die Frage: Sollen wir Frau Merkel wählen, nur weil die Medien zu dumm sind, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen?
Schaut man hinter die Fassaden findet sich bei Frau Merkel ein unklares Bild - wofür steht diese Frau eigentlich? CDU und CSU können ja nicht mal untereinader klare oder sinnvolle Positionen aushandeln, kommt noch die FDP hinzu, weiß kein Mensch mehr, wofür diese erklärten Koalitinäre stehen. Da muss man gar nicht Frau Merkel als Person ablehnen, um dieses Lager nicht zu wählen. Soviel zur Innenolitik. Außenpolitisch ist Frau Merkel bisher nur durch Anbiederung an die Positionen eines George Bushs aufgefallen, das hieße dann wohl: beim nächsten Krieg (Iran?) wären wir dabei?!
Ich muss mich nicht über Schweißflecken mockieren, um Frau Merkel nicht zu wählen.

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26. August 2005 10:27

Werden wir immer kindischer?

Alfred Gebert (2gizmo)

Frau Maron macht uns alle auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Anstatt wie Erwachsene über die großen Aufgaben vernünftig zu reden, weichen wir auf Albernheiten aus! Sind das etwa Übersprungshandlungen? So wie ein Huhn beim lebensgefährlichen Kampf plötzlich nach nicht vorhandenen Körnern pickt? Politiker müssen die Probleme der Arbeitslosigkeit, Kinderlosigkeit, Orientierungslosigkeit bei den sozialen Sicherungssystemen usw. lösen, aber wir lästern über die (nicht?) gefärbten Haare von Schröder oder die Kleiderfarben einer großartigen, souveränen und selbstbewußten Politikerin.

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26. August 2005 10:02

So fern

Angelika Mohr (Antonella1)

Well, wir sind weiterentwickelt, kultiviert und zivilisiert. Jedenfalls hin und wieder, sollte man meinen. Nur nicht, wenn das Volk den Kanzler wählt. Da kehren wir zurück zum Höhlenverhalten eines Neandertalers. Da wird die Frau wieder zum Weibchen degradiert, damit der Mann weiterhin den strahlenden Helden spielen kann. Oder sollten wir uns nun doch einmal näher mit der Farbe des Kanzlerhauptes auseinandersetzen?
An Ihrem Artikel sehe ich, daß wir weit entfernt von einer gleichberechtigten Gesellschaft sind. Sonst gäbe es Ihren, durchaus unterhaltenden, aber eben doch geschriebenen, Artikel nicht.

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26. August 2005 01:06

Merkel als Kanzlerin

Hans Wurst (hanswurst11)

Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Merkel in der Lage ist , Deutschland international zu repraesentieren. Sie mag vieleicht eine ordentliche Politik verfolgen, trotzdem hat Kanzler Schroeder mehr Format. Es ist bedauerlich, das wir nicht ueber charismatischere Politiker verfuegen. Aber nun ja, wer will schon in die Politik...

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25. August 2005 21:56

Großartig

Arwed Schmidt (SDT)

Ich habe Tränen gelacht!

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25. August 2005 21:47

Merkel als Kanzlerin?

Jörg A. Bahnemann (J.A.Bahnemann)

Dieser Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf, und obwohl der Autorin der Ruhm gebührt, die Fragen aufgeworfen zu haben, wäre es gut, wenn auch männliche Beobachter sich in dieser Richtung engagieren könnten. Frisur und Mundwinkel gehören zum Drum und Dran, wer sich da engagiert, scheint im Kern der Sache ohne Argumente zu sein.
Jörg Bahnemann, Oberwinter

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25. August 2005 20:57

Merkel als Kanzlerin

Ursula Ehrmann (Waldgras)

Mich regen viele Bemerkungen über Frau Merkel genauso auf wie Frau Maron. Ich habe nur eine Erklärung, viele Männer verkraften einfach nicht, dass wir eine Kanzlerin bekommen könnten oder werden?
Beleg, über keinen männlichen Kandiaten gibt es so dumme Bemerkungen über Hosenlänge, -farbe, Frisur, Hemden etc.
Schade, dass wir immer noch nicht weiter sind. Ursula Ehrmann

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