Er möchte noch von der Autonomie des Sterbewilligen sprechen: der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch

Sterbehilfe

Kuschs Appell zum süßen und ehrenvollen Sterben

Der Hamburger Sterbehelfer Roger Kusch provoziert eine Debatte über den selbstbestimmten Tod - in Wahrheit zerstört er die Selbstbestimmung der Lebenden. Er feiert die Autonomie des Sterbewilligen, ohne den steigenden gesellschaftlichen Druck zu erwähnen, der bald jeder freien Entscheidung voraus sein wird. Von Frank Schirrmacher

Lesermeinungen zum Beitrag

12. Juli 2008 15:27

Wer ist aus eigener Entscheidung ins Leben gekommen?

Sebastian S. (sejose)

Jeder, der hier für die freie Entscheidung über seinen Todeszeitpunkt spricht, sollte bedenken, dass die Entscheidung über seine Existenz direkt von anderen getroffen wurde - nämlich den eigenen Eltern. Und derzeit wird vielen Menschen (ca. 1000 pro Tag) das Recht auf Leben noch vor ihrer Geburt aberkannt. Wie oft erlebe ich Leute, die von der Freiheit über das eigene Leben schwafeln, und dabei Abtreibung befürworten, bei der wie schon erwähnt über das Leben eines anderen entschieden wird. Wem das Leben sinnlos erscheint, wenn er/sie am Ende doch stirbt, der kann ja auch schon in jungen Jahren z.B. bei einem Beinbruch auf den Segen der modernen Medizin verzichten. Wo ist denn dann die Grenze, ab wann man auf die Geräte verzichtet? Wer kann vorhersagen, ob der Komapatient nochmal aufwacht, oder das Leben im Rollstuhl für den Betroffenen vielleicht doch noch "lebenswert" ist. Daher das Gebet im Psalm "Herr, lehre uns, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden". Wer sich frühzeitig mit dem eigenen Tod beschäftigt, ist klüger als derjenige, der irgendwann "schockiert" feststellt, dass es bald oder schon zu Ende ist - zumindest hier auf Erden.

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12. Juli 2008 11:40

Jeder hat das Recht auf seinen Freitod

stephan halbeisen (drhalbeisen)

Jeder hat das Recht auf seinen Freitod Wo leben wir eigentlich ? In einem Rechtsstaat, wo jeder das Recht auf seinen selbstgewählten Freitod hat, oder in einem Staat, wo Vertreter von Religionen mit ihrem Geschwätz von einem Leben nach dem Tod ( übrigens das schönste Oxymoron, was ich kenne), oder ärztliche Kollegen uns vorschreiben wollen, wie und wann und wo jemand seine ureigenste und wichtigste Entscheidung seines Lebens trifft ? Die Behauptung, Kusch zerstöre die Selbstbestimmung des Menschen durch seine Tätigkeit, ist das Dümmste, was ich seit langem in der FAZ gelesen habe. Es geifern denn auch wieder die üblichen Vertreter der Kirchen und ärztlichen Kollegen: diese tun es auch nur deshalb, weil ihre Pfründe und ihre Macht bedroht sind.

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11. Juli 2008 15:07

Homo oeconomicus

gisbert heimes (gisbert4)

Zitat: "Er (Kusch) bereitet die ökonomischen Grundlagen einer Gesellschaft vor, die das Alter als Last und finanzielle Belastung sieht."- Ja zum Teufel, so ist es aber doch? Warum darf also auch mit einem Suizidwilligen nicht noch schnell ein Geschäft zu machen sein? Ehe dieser sich der Geschäftemacherei mit seinem defekten Körper (oder seiner defekten Seele) entzieht? Geschäft ist Geschäft, unser ökonomisches Modell sieht moralische und ethische Erwägungen ausdrücklich nicht vor.

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11. Juli 2008 13:59

Selbsttoetung ist nicht strafbar und das will auch keiner einfuehren

Occam Razor (Occams_Razor)

Vielen Kommentaren hier ist zu entnehmen, dass sie auf das Recht jedes einzelnen pochen sein Leben zu beenden. Darum geht es hier aber nicht, eine Selbsttoetung ist nicht strafbar und soll auch nicht strafbar gemacht werden, es steht jedem frei aus dem Leben zu scheiden wann er will. Es geht darum, dass andere Menschen das Recht haben wollen sich an einem solchen Akt zu beteiligen, sei es durch die Besorgung der Hilfsmittel (Hilfe zur Selbsttoetung) oder (etwas weiter gedacht) durch aktive Sterbehilfe (Toetung auf Verlangen). Aber dies ist ein zweischneidiges Schwert ... im Einzelfall mag ein solcher Akt ethisch und moralisch vertretbar sein, aber wie gross ist die Gefahr dass die Grenzen verschwimmen, oder Druck auf schwaechere Individuen der Gesellschaft ausgeloest wird? Glauben sie nicht dass es das Leben eines Rollstuhlfahrers degradiert, wenn man ihm sagt, dass man sich lieber umbringen wuerde als dieses Schicksal zu teilen? Desweiteren gibt es Patientenverfuegungen mit denen man den Rahmen der lebenserhaltende Massnamen festlegen kann, man muss sich einfach nur frueh genug darum kuemmern.

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11. Juli 2008 13:55

Sterbehilfe - Schirrmacher

Gotth. Schild v. Spannenberg (g.svs)

Die Diskussion wird ständig von den falschen Leuten geführt: Kirchenleuten, Politikern, Feuilletonisten usw. Maßgebend scheint mir allein die Meinung Betroffener, also etwa Sterbewilliger. Wenn ich sterben wollte von meiner Hand, würde mich bestimmt nicht interessieren können die Meinung eines der Vorgenannten.

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11. Juli 2008 13:16

Grundrecht

John Gehlen (spacedrummer)

Jeder Mensch - jeder, hat das Recht über sein Leben und seinen Tod frei zu entscheiden. Darüber mögen die Medien polemisieren, soviel sie wollen (bringt Einschaltquoten). Alles andere ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit und somit ein Verstoß gegen das Grundgesetz. Das Staat und Kirche hier opponieren, ist klar. Letztendlich verdienen sie an den Lebenden. Für einen Millionär sollte es kein Problem sein, sich den wünschenswert humanen Tod zu erkaufen. Die arme Sau von Hartz 4-Empfänger steht dagegen im Regen. Im Übrigen hat Sterben nichts mit "süß" oder "ehrenvoll" zu tun - es ist lediglich ein mehr oder weniger unangenehmer physischer Vorgang!

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11. Juli 2008 11:53

Kusch - ein Meister aus Deutschland

Hans Joachim Baum (HansJoachimBaum)

"... der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland." Paul Celan

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11. Juli 2008 11:38

Leben und Sterben sind ein Geheimnis

Julian Kaiser (JulianKaiser)

All das trotzige Pochen auf ein selbstbestimmtes Leben und Sterben klingt mir viel zu sehr nach Angst - der nagenden Angst, sich selbst und sein Ende nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Die Option auf Selbstmord suggeriert, dass wir die Kontrolle behalten könnten, selbst über unseren Tod. Sind wir wirklich unsere eigenen Herren? Es ist ein Wesensmerkmal des Lebens und Sterbens, dass beides gerade nicht verfügbar ist. Frei ist, wer das annehmen und sich hingeben kann, weil er sich von einer Liebe getragen und gehalten weiß, die größer ist als Tod und Leben.

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11. Juli 2008 11:31

Nicht zuständig!

Peter Böttcher (Joffy)

Wenn ich merke, dass mein Leben nicht mehr lebenswert ist, will ich selbst entscheiden, ob ich den Freitod wähle! Hierbei hat der Staat nicht zu suchen. Warum ist der Staat denn gegen Sterbehilfe? Sicherlich nicht aus Mitleid. Nein, es geht doch wie im ganzen Leben nur um Geld. Mit den Steuern der Pflege, Medikamente, Krankenhäuser, Ärzte etc. ist doch gut Geld zu machen. Je länger jemand am Tropf hängt, je mehr Kohle kommt in die Taschen des Staates. Sicherlich sollte der Freitod ärztlich/medizinisch begleitet werden. Doch Behörden und Ämter, die meist als Blockaden auftreten und meistens nicht zuständig sind, sollten in den letzten Tagen eines Menschen, der diesen Weg einschlagen will, sich in ihre verstaubten Amtsstuben verkrümeln!

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11. Juli 2008 11:28

leben und sterben

Occam Razor (Occams_Razor)

Ich denke die meisten Befuerworter von Kusch, haben als Argument immer einen Menschen im Kopf, der mit Magensonde ernaert, seines aktiven Lebens beraubt im Bett vor sich hinwegitiert. Doch dabei wird gerne vergessen, dass gerade diesen wirklich bedauernswerten Menschen Kusch's Appel rein garnichts bringt, der ja nur Hilfe zur Selbsttoetung leistet. Ein Schlaganfall ... wohl eine der Hauptursachen fuer solche Faelle ... kommt aber ploetzlich: ein lebensfroher, gesunder und aktiver Mensch kann von jetzt auf gleich hilflos werden. Dem hilft es dann auch nichts, wenn er den Todesdrink nebenan stehen hat. Und es ist naiv ist, zu glauben, dass die Dealer die Todespille umsonst aus reinster Naechstenliebe in den Altersheimen verteilt, Ich denke wie der Autor des Artikels, dass eine Legalisierung und somit Endproblematisierung weitreichende Konsequenzen haben koennte. Und man sieht es schon in anderen Laendern, wie den USA, was passiert, wenn man Waffen legalisiert ... der Missbrauch mit ihnen steigt. Der Zugang zu toetlichen Mitteln darf nicht jedermann jederzeit so einfach gemacht werden. Und man stelle sich erst die Probleme vor Gericht vor: Wie, Ihre Frau wollte nicht mehr leben, damit sie und ihre Neue ihr Geld kriegen?

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11. Juli 2008 10:09

Ökonomisierung des Todes vs. Selbstbestimmung

Christian Heiligmann (c.heiligmann)

Kompliment an Herrn Schirrmacher. Es gibt also noch Artikel in der FAZ, die sich zu lesen lohnen, weil sie eine intellektuelle Leistung enthalten. Ich teile die Auffassung des Autors weitgehend, insbesondere die Sorge um einen möglicherweise aufkommenden Konformitätsdruck zum Suizid, der in derTat insbesondere diejenigen träfe, die in ihren Entscheidungen schon heute nicht frei sind. Die Unterstellung, dass Herr Kusch dies wissentlich in Kauf nähme, vielleicht sogar darauf abzielte, würde ich zumindest in Frage stellen wollen. Schade finde ich, dass keine konzeptionelle Alternative vorgestellt wird. Wie kann man den konformistisch motivierten Exodus der Unfreien verhindern, ohne das Recht auf Selbstbestimmung unnötig zu beschneiden? Doch nur dadurch, dass es zu keinem Massenphänomen werden darf, um Konformitätsdruck zu verhindern, aber genügend Spielraum bleibt, um in mehr Fällen als bisher einen selbstbestimmten Tod zu ermöglichen. Das Wichtigste ist m.E., dass die Motivation für das eigene Handeln intrinsisch bleibt. Ist das sichergestellt, sollte man m.M. jedoch alle Wünsche eines Menschen akzeptieren, unabhängig davon, ob seine Argumentation einem selbst behagt oder nicht.

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11. Juli 2008 09:21

Auch selbstbestimmtes Sterben ist nicht "süß"

KLAUS Krueger (sopher)

Der Tod ist unzuverlässig, er kommt, wenn wir es nicht erwarten! Deshalb ist diese verbissene Debatte eigentlich für Viele ein kompletter Unsinn. Etwas anderes ist es, wenn die Menschen aus lauter Liebe so unmenschlich sind, dem Menschen, der sterben will, die Freiheit der Entscheidung nicht zu zubilligen. Ich für meine Person lehne System-Religionen ab, weil ich mich als Sklave einer Ideologie empfinden würde und auf meine Freiheit zu denken, zu fühlen und zu handeln verzichten müsste. Wenn ich entscheide mich zu töten, bin ich kein schwachsinniger I-d-i-o-t, sondern ich habe eine freie Entscheidung getroffen. Gut, ich wüsste auch wie, aber was wäre, wenn naserümpfende selbsternannte Moralisten mir diesen Weg versperren würden und ich hilflos wäre? Deshalb bewundere ich diese Frau für ihren Mut rechtzeitig sterben zu wollen und den Herrn K. Ob ich 2,5 Jahre mit dem Tod vor Augen leben könnte wie mein Bruder, auch das ist Mut und menschliche Größe, weiß ich nicht. Wenn ich sterbe, gehe ich wie durch einen Spiegel ohne Furcht in eine andere Welt, aber: Ich werde nicht in die Hölle kommen und nicht in den Himmel. Weil ich nicht daran glaube!... Ich werde glücklich sein und voll Frieden...

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11. Juli 2008 09:09

auch bla, bla

Bertram von Steuben (Elim_Garak)

(In der Überschrift und dem Inhalt des ersten Schreibers dieser Kommentarserie möchte ich mich voll und ganz anschließen!!!) Was erlaubt sich Herr Schirrmacher hier nur für einen zusammengeschusterten Verbalerguss. Einseitig, ja stark tendentiös und voller egozentrischer Rechthaberei. Dogmatische Weltansichten helfen in einem Diskurs wie diesem, keiner Seite- sie verhärten die Fronten. Die generelle Ablehnung der persönlichen Autonomie, die Herr Schirrmacher zeigt, macht mir deutlich mehr Angst, als der Versuch ein düsteres Zukunftsweltbild, mit zum Suizid getriebenen Senioren, in mir aufzubauen. Gerade die Autonomie (+ wie -) verhindert solch eine Zukunft. Und die Argumentation, dass hier Geld verdient werden soll, ist schon äußerst verlogen. Der 'Topf voll Geld' wird von ver Pharma- und Gesundheits-Industrie mit den immer älter werdenden Menschen gemacht! (kleiner Treppenwitz der Gesundheitsindustrie am Rande: Ein früh sterbender Raucher kostet, laut Aukunft der Krankenkassen, tatsächlich weniger als ein durchschnittlicher Versicherter, der 80 Jahre alt mit den üblichen Erkrankungen wird. Eventuelle Intensivmedizin nicht miteingerechnet:-) Es bleibt die Frage: Wem gehört mein Leben? Denn mein Tod gehört untrennbar dazu!

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11. Juli 2008 08:56

Arschkarte

Johannes Hintzen (JohannesLeonhard)

Wie sagte Michael Friedmann so richtig zu Herrn Kusch? "Wenn ich Sie im falschen Moment treffe, dann habe ich - auf Deutsch - die Arschkarte gezogen!" Dem ist nichts hinzuzufügen.

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11. Juli 2008 08:28

Och Omi, komm...uns zuliebe

St. Koch (Pensacola)

Man sollte wirklich prüfen ob Herr Kusch nicht doch noch wegen unterlassener Hilfeleistung (i.d.F. mit Todesfolge) angezeigt werden kann. Hat er nicht mit der lebensmüden Frau am Bett gesessen und geredet ? Er hatte als einziger noch Zugang zu ihr. Anstatt die Chance zu nutzen und sie im Gespräch über den Tiefpunkt zu begleiten hat er sie bestärkt. Er hat dem Tod der Rentnerin Vorschub geleistet anstatt zu helfen. Er scheint dem Tode mehr verpflichtet als dem Leben. Vielleicht braucht er (!) Hilfe ?

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11. Juli 2008 06:34

Abstruse Panikmache

fernet punker (fernetpunker)

Herr Kusch ist ein ernsthafter Mensch, der anderen Menschen hilft, selbstbestimmt ihren Willen in die Tat umzusetzen. Er ist kein Geschäftsmann, der ein Ware verkauft. Er hat keine finanziellen Interessen. Kusch ist auch nicht an Öffentlichkeit interessiert, bei der es um seine Person ginge. Kusch geht es um die Sache. Dafür verdient er Lob und nicht Tadel. Euthanasie usw. sind Totschlagargumente mit der Nazi-Keule. Wer dem Humanismus verpflichtet ist, der muss Kusch für seine Tätigkeit danken, sich für die Freiheit des Menschen einzusetzen, auch bei der Bestimmung seines Endes die Macht über sein Leben in den eigenen Händen zu halten.

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11. Juli 2008 04:19

Andere trampeln schlimmer auf der Lebenswürde herum

Michael Meusel (MichaelM16)

Meine Tante, 87, liegt seit 2 Jahren nach einem Schlaganfall im Koma und wird künstlich ernährt. Sie wird den niemals erlahmenden Willen, sie am Leben zu erhalten, sicherlich zu schätzen wissen! Wer diese Zustände akzeptiert oder ignoriert, hat für mich nicht das Recht, Herrn Kusch zu kritisieren. Ich hoffe, daß jemand wie er oder Dignitas mir ermöglichen wird, aus dem Leben zu scheiden, wenn ich das will und selbst nicht mehr bewerkstelligen kann.

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11. Juli 2008 01:43

Ökonomisierung: Archaische Norm

Edgar Piel (Pablo1946)

Ich stimme der Reflexion des Autors vom eigenen Empfinden her weitgehend zu. Aber merkwürdiger Weise haben wir in Deutschland eine deutliche Diskrepanz. Es gibt kaum einen Vertreter der veröffentlichten Meinung (Kirchen, Parteien, Ärzteverbände), der sich nicht gegen aktive Sterbehilfe aussprechen würde. Trotzdem ist die große Mehrheit der Bevölkerung, Protestanten ebenso wie Katholiken) für aktive Sterbehilfe. Das wurde 2001 zuletzt von Allensbach ermittelt. Und merkwürdig auch dies: diese als neu beschriebene Ökonomisierung des Lebens und des Todes im Blick auf das Alter ist gar nicht so neu, sondern eher das Uralte. Es gibt viele "primitive" Stämme, in denen es zur Norm gehörte, dass die Alten sich "freiwillig" aus dem Dorfverband lösten und ins Abseits gingen. Natürlich war die Entfernung vom Dorfverband ihr Tod. Dahinter steckten ökonomische Zwänge der knappen Ernährungsgrundlage, die zur sozialen Norm geworden sind. Neu ist, was wir heute leben: dass Leben und Überleben um jeden Preis die Norm ist, dass Apparate und Medikamente uns in ein Dilemma führen, dass fast jeden ethisch (und den Arzt manchmal juristisch) überfordert.

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10. Juli 2008 23:50

Paulus: Was soll ich sagen...?

Matthias Boos (veselaj)

Die Bibel (Gott) sagt im AT: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Ps 90,12). Zwei Dinge: 1. Wir sollen bedenken, DASS wir sterben MÜSSEN. Einmal ist es zu Ende - mit dem Leben auf dieser Erde. Diese Grenze ist gesetzt, der Zeitpunkt liegt nicht in unserer Hand. Vielleicht gibt es ja für den Sterbewilligen irgendeinen Zufall (der begleitende Arzt schläft ein oder ihm wird schlecht - ein anderer Arzt kommt, der von all dem Sterbe-Ge-Helfe nichts weiß und dann der röchelnden Oma noch den Tubus in den Hals schiebt...! Was dann - dann wäre es vorbei mit der Selbstbestimmung und vorhersehbar ist das bestimmt nicht. 2. Die Erkenntnis, das wir sterben müssen, hilft uns KLUG zu werden. Wer will das nicht, denn Klugheit ist so ziemlich das Gegenteil von Dummheit. Wer dumm bleibt oder ist, trifft die falschen Entscheidungen (im Leben). Wir brauchen die Erkenntnis des STERBEN-MÜSSENS, nicht die Selbstbestimmung des Zeitpunktes. Im Angesicht der Ewigkeit (Was kommt nach dem irdischen Tod?) ist doch das Leben (in Bezug auf Zeit) nichts - egal, ob es 3 Wochen, 3 Jahre, 3 Jahrzente oder 90 Jahre dauert. Im Verhältnis zur Ewigkeit (für die der Mensch gemacht ist - 1. Mose 1,26) kommt jeweils "nichts" raus.

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10. Juli 2008 22:47

Verdrängung

Jörg Marwitz (JM19)

Ich kann übrigens nicht mehr feststellen, dass die Gesellschaft den Tod "fanatisch" verdränge. Themen wie Sterbebegleitung (auch Strebehilfe), Gründungen von Hospizvereinen, neue Wege (aber auch Rückbesinnungen auf hilfreiche Rituale) in der Bestattungs- und Trauerkultur sprechen eine ganz andere Sprache.

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10. Juli 2008 21:31

Ethik und Psychologie des Sterbens

Jörg Marwitz (JM19)

Roger Kusch propagiert gerade nicht eine Angleichung der Ethik und Psychologie des Sterbens an den Stand der medizinischen Technik, sondern eine Angleichung ans ökonomische Kalkül, was (von der Länge des Lebens her) ziemlich entgegengesetzt sein kann. Was die "Autonomie" der "Sterbewilligen" angeht: Tatsächlich müsste man den Begriff der "Autonomie" noch einmal verstärkt durchdenken. Wer ist schon "autonom" in seinem Denken, Handeln, Fühlen? Dabei gibt es m.E. noch einen weiteren Denkfehler: Die Propagierung der "Autonomie" des Sterbewilligen findet keine Grenze z.B. in der Autonomie des Arztes. Aber darf ein noch so begründeter Sterbewunsch den Arzt für seine Zwecke z.B. gegen dessen Gewissen instrumentalisieren? Was ist mit dessen Autonomie? Welchem Senat gehörte Herr Kusch an?

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10. Juli 2008 21:29

Tabubruch

uwe gottwald (ugottwald)

Kusch kann man nur fassen, wenn man im Fernsehen eine öffentliche Diskussion zwischen ihm und einem Anhänger der Euthanasie wagt. Kusch liebt die Menschen nicht , er müsste das Leben verteidigen. Könnte er das ? - Hat er noch humane Seiten ? Wärme , Empathie ? Er müsste Flagge zeigen. Oder würde in ihm der gefühlskalte , schwule Narziss obsiegen , für den alles Ältere faulig ist , ecklig und der dann seinen Körper auch nicht mehr den jungen Galanen zum Erbrechen anbieten mag ? Das hieße dann in Konsequenz für ihn ???

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10. Juli 2008 21:13

Kusch und Konsorten

Wilhelm Jerosch (wilhelm_jerosch)

Fast möchte man in Richtung der Coolen, "Innovativen" sagen: Nicht unsere Generation (Jahrgang 1940) wird die Folgen des gesellschaftlichen Drucks spüren, sondern jeder dieser Neunmalklugen an sich selbst - in 30/40 Jahren. Dann FF-viel Vergnügen! Ein Artikel auf dem Boden der abendländischen Humanität!

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10. Juli 2008 20:53

Widersprüchlich

Michael Menzel (Galenos)

"Jene, die Kusch heute als Tabubrecher bejubeln, verkennen die spezifische Situation der nächsten Generationen. Frau Schardts Alter, so bedrückend es gewesen sein mag, hat nichts mit den Altersproblemen unserer Zukunft zu tun. Noch hat unsere Gesellschaft der große Altersschub nicht erreicht. Unter den demographisch immer noch vergleichsweise günstigen Bedingungen des Jahres 2008 funktionieren Pflegeheime und Sozialsysteme schon jetzt immer weniger." Na, was für eine erhellende Feststellung: ...funktionieren Pflegeheime und Sozialsysteme schon jetzt immer weniger. Ja, lieber Herr Schirrmacher, da haben Sie richtig bobachtet. Und die Menschen sterben auch "schon" viele Jahre unter schlimmsten Umständen. Kann man dann einer Krankenschwester, der man eine vertiefte Kenntnis von den JETZT herrschenden Zuständen zubilligen muss, den Wunsch nach existenzieller Selbstbestimmung verweigern. Sie lebte JETZT, Und auch wir leben jetzt und kommen jeden Tag einem schlimmen oder, wenn wir Glück haben einem menschengerechten Sterben näher. Kusch ist eine völlig unwichtige Figur, auf welche die Gesellschaft ihre fanatische Verdrängung des Todes projiziert. Offenbar macht der sich schuldig, der schon jetzt vom Elend des schlimmen Sterbens spricht!

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10. Juli 2008 20:16

Stebehilfe ist nötig

otto schwein (Otto49)

Warum kann nicht jeder selbst entscheiden, wann er gehen möchte. Mancher schafft das nicht allein, deshalb braucht es die legale Sterbehilfe. Ich möchte z.B. gehen, bevor ich in Rente gehe, weil ich weiß, wenn die 60-er Jahrgänge in Rente gehen, reicht es nur noch für ein erbärmliches Leben. Das möchte ich mir ersparen.

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10. Juli 2008 20:06

Völlig am Thema vorbei,

Heinz Mayer (Bundespraesident)

wie 99% der Diskussionsbeiträge in Presse, Funk und Fernsehen. Leute, über mein Leben bestimme ich. Ich selbst! Und sonst niemand. Wenn sich mir jemand in den Weg stellen will, sollte er sich überlegen, ob ich nicht noch fit genug für ihn bin!!!

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10. Juli 2008 19:56

Die Bendigung des eigenen nicht mehr lebenswerten Lebens

Horst Gothus (Grothus)

Was Kusch selbst sagt und tut, ist unwichtig. Wenn ein Mensch überzeugt ist, dass es sich für ihn nicht mehr lohnt, weiterzuleben (weil die Nachteile den Gewinn überwiegen und diese Relation bestehen bleiben wird), dann sollte er selbstbestimmt sein Leben beenden können. Er muss dafür nicht unbedingt fremde Hilfe in Anspruch nehmen; aber wenn er das allein nicht kann, wäre dies schon gut. Ich selbst (83 Jahre) habe mir diese Option schon vor 20 Jahren fest vorgenommen. Dadurch hat die Vorstellung von meinen Tod 20 Jahre lang jeglichen Schrecken verloren. Ob ich danach im entscheidenen Moment wirklich handeln werde, weiß ich nicht und ist mir unwichtig. Warum in diesem Zusammenhang so viele Worte über Kusch? Eine grundsätzliche Diskussion über die Selbsttötung (nicht abwertend "Selbstmord") wäre hilfreicher und dann könnten Schirrmachers Argumente über evtl. soziale Zwänge usw. thematisiert werden.

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10. Juli 2008 19:07

Ein selbstbestimmtes Sterben

KLAUS Krueger (sopher)

Der Tod ist unzuverlässig, er kommt, wenn wir es nicht erwarten! Deshalb ist diese verbissene Debatte eigentlich für Viele ein kompletter Unsinn. Etwas anderes ist es, wenn die Menschen aus lauter Liebe so unmenschlich sind, dem Menschen, der sterben will, die Freiheit der Entscheidung nicht zu zubilligen. Ich für meine Person lehne System-Religionen ab, weil ich mich als Sklave einer Ideologie empfinden würde und auf meine Freiheit zu denken, zu fühlen und zu handeln verzichten müsste. Wenn ich entscheide mich zu töten, bin ich kein schwachsinniger I-d-i-o-t, sondern ich habe eine freie Entscheidung getroffen. Gut, ich wüsste auch wie, aber was wäre, wenn naserümpfende selbsternannte Moralisten mir diesen Weg versperren würden und ich hilflos wäre? Deshalb bewundere ich diese Frau für ihren Mut rechtzeitig sterben zu wollen und den Herrn K. Ob ich 2,5 Jahre mit dem Tod vor Augen leben könnte wie mein Bruder, auch das ist Mut und menschliche Größe, weiß ich nicht. Wenn ich sterbe, gehe ich wie durch einen Spiegel ohne Furcht in eine andere Welt, aber: Ich werde nicht in die Hölle kommen und nicht in den Himmel. Weil ich nicht daran glaube!... Ich werde glücklich sein und voll Frieden...

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10. Juli 2008 19:03

Wer gibt die richtige Antwort?

Uwe Bussenius (uwebus)

Was versteht man unter einem würdevollen Tod? Geht es nach der Politik, erst die Entmündigung, dann Verwahrung in einem Heim unter Verlust auch der letzten Intimsphäre, zum Schluß die Zwangsernährung über Magensonde, damit man als Investitionsobjekt dem Heiminvestor und der Pharmaindustrie noch den notwendigen Gewinn ermöglicht. Nächstenliebe kann man nicht verordnen. Da helfen auch alle frommen Sprüche von Gutmenschen in Talkshows nicht weiter, die Realität wird vom Gewinnstreben der Heimbetreiber und den Sparzwängen der öffentlichen Kassen bestimmt und nicht von Bibeltexten. Als Realist sollte man keinen Träumen vertrauen, sondern nur dem eigenen Verstand. Und der sagt mir, daß man sich vor den Intercity legen soll, solange man noch allein den Bahndamm hochkommt, hochschieben tut einen keiner. Ein sokratischer Abgang à la Frau Bettina Schardt ist allemal besser als die Realität eines langsamen und hinausgezögerten Sterbens im Pflegeheim.

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10. Juli 2008 18:59

Ein freiwilliger und ehrenvoller Tod ist ein Privileg.

norbert doerre (ndoerre)

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen in der schrecklichen Vergangenheit unter staatlichem Druck Massenverfolgungen und Massentötungen stattgefunden haben. Letztere werden aus "sozialen" Gründen auch heute noch vollzogen, indem ganze Generationen von Kindern im Mutterleib umgebracht werden dürfen, genau dort, wo sie von der Natur her den höchsten Schutz gewährt bekommen. Der Staat hat sich sozialistisch-blasphemisch in widerlicher Weise über die Evolution gestellt und dem hohen Anspruch der "modernen", verantwortungslosen deutschen Gesellschaft entsprochen. Er duldet diese Taten, weil er das wenige "Gute" aus der DDR in gesamtdeutsche Gesetze zu fassen gewillt war. Es ist mehr als heuchlerisch, wenn nun eine Diskussion darüber entbrennt, daß einzelne Individuen wohlüberlegt und sanft aus ihrem eigenen Leben scheiden wollen. Ist es nicht vorhersehbar, daß der selbe Staat, der aus "sozialen Gründen" Kinder zur Tötung freigegeben hat, in Zukunft aus selbigen Gründen auch den viel leichter erreichbaren Alten einen gnädigen Tod bescheren möchte? Massentötungen mit staatlichem Segen würden dann sogar das Siegel "sozial gerecht" erhalten, weil sie helfen, Kosten bei den Sozialversicherungen zu sparen.

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10. Juli 2008 18:58

Zu Einseitig...

Niels Lindemeyer (Backenfutter)

leider werden auch in diesem Beitrag nicht ausreichend die Hintergründe des selbstbestimmten Todes beleuchtet. Vielmehr ist es ein erneute Moralbackpfeife an die jenigen (und es sind nicht wenige) welche Kuschs Ideologie befürworten.

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