Jeder, der hier für die freie Entscheidung über seinen Todeszeitpunkt spricht, sollte bedenken, dass die Entscheidung über seine Existenz direkt von anderen getroffen wurde - nämlich den eigenen Eltern. Und derzeit wird vielen Menschen (ca. 1000 pro Tag) das Recht auf Leben noch vor ihrer Geburt aberkannt. Wie oft erlebe ich Leute, die von der Freiheit über das eigene Leben schwafeln, und dabei Abtreibung befürworten, bei der wie schon erwähnt über das Leben eines anderen entschieden wird. Wem das Leben sinnlos erscheint, wenn er/sie am Ende doch stirbt, der kann ja auch schon in jungen Jahren z.B. bei einem Beinbruch auf den Segen der modernen Medizin verzichten. Wo ist denn dann die Grenze, ab wann man auf die Geräte verzichtet? Wer kann vorhersagen, ob der Komapatient nochmal aufwacht, oder das Leben im Rollstuhl für den Betroffenen vielleicht doch noch "lebenswert" ist. Daher das Gebet im Psalm "Herr, lehre uns, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden". Wer sich frühzeitig mit dem eigenen Tod beschäftigt, ist klüger als derjenige, der irgendwann "schockiert" feststellt, dass es bald oder schon zu Ende ist - zumindest hier auf Erden.
Jeder hat das Recht auf seinen Freitod Wo leben wir eigentlich ? In einem Rechtsstaat, wo jeder das Recht auf seinen selbstgewählten Freitod hat, oder in einem Staat, wo Vertreter von Religionen mit ihrem Geschwätz von einem Leben nach dem Tod ( übrigens das schönste Oxymoron, was ich kenne), oder ärztliche Kollegen uns vorschreiben wollen, wie und wann und wo jemand seine ureigenste und wichtigste Entscheidung seines Lebens trifft ? Die Behauptung, Kusch zerstöre die Selbstbestimmung des Menschen durch seine Tätigkeit, ist das Dümmste, was ich seit langem in der FAZ gelesen habe. Es geifern denn auch wieder die üblichen Vertreter der Kirchen und ärztlichen Kollegen: diese tun es auch nur deshalb, weil ihre Pfründe und ihre Macht bedroht sind.
Zitat: "Er (Kusch) bereitet die ökonomischen Grundlagen einer Gesellschaft vor, die das Alter als Last und finanzielle Belastung sieht."- Ja zum Teufel, so ist es aber doch? Warum darf also auch mit einem Suizidwilligen nicht noch schnell ein Geschäft zu machen sein? Ehe dieser sich der Geschäftemacherei mit seinem defekten Körper (oder seiner defekten Seele) entzieht? Geschäft ist Geschäft, unser ökonomisches Modell sieht moralische und ethische Erwägungen ausdrücklich nicht vor.
Vielen Kommentaren hier ist zu entnehmen, dass sie auf das Recht jedes einzelnen pochen sein Leben zu beenden. Darum geht es hier aber nicht, eine Selbsttoetung ist nicht strafbar und soll auch nicht strafbar gemacht werden, es steht jedem frei aus dem Leben zu scheiden wann er will. Es geht darum, dass andere Menschen das Recht haben wollen sich an einem solchen Akt zu beteiligen, sei es durch die Besorgung der Hilfsmittel (Hilfe zur Selbsttoetung) oder (etwas weiter gedacht) durch aktive Sterbehilfe (Toetung auf Verlangen). Aber dies ist ein zweischneidiges Schwert ... im Einzelfall mag ein solcher Akt ethisch und moralisch vertretbar sein, aber wie gross ist die Gefahr dass die Grenzen verschwimmen, oder Druck auf schwaechere Individuen der Gesellschaft ausgeloest wird? Glauben sie nicht dass es das Leben eines Rollstuhlfahrers degradiert, wenn man ihm sagt, dass man sich lieber umbringen wuerde als dieses Schicksal zu teilen? Desweiteren gibt es Patientenverfuegungen mit denen man den Rahmen der lebenserhaltende Massnamen festlegen kann, man muss sich einfach nur frueh genug darum kuemmern.
Die Diskussion wird ständig von den falschen Leuten geführt: Kirchenleuten, Politikern, Feuilletonisten usw. Maßgebend scheint mir allein die Meinung Betroffener, also etwa Sterbewilliger. Wenn ich sterben wollte von meiner Hand, würde mich bestimmt nicht interessieren können die Meinung eines der Vorgenannten.
Jeder Mensch - jeder, hat das Recht über sein Leben und seinen Tod frei zu entscheiden. Darüber mögen die Medien polemisieren, soviel sie wollen (bringt Einschaltquoten). Alles andere ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit und somit ein Verstoß gegen das Grundgesetz. Das Staat und Kirche hier opponieren, ist klar. Letztendlich verdienen sie an den Lebenden. Für einen Millionär sollte es kein Problem sein, sich den wünschenswert humanen Tod zu erkaufen. Die arme Sau von Hartz 4-Empfänger steht dagegen im Regen. Im Übrigen hat Sterben nichts mit "süß" oder "ehrenvoll" zu tun - es ist lediglich ein mehr oder weniger unangenehmer physischer Vorgang!
"... der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland." Paul Celan
All das trotzige Pochen auf ein selbstbestimmtes Leben und Sterben klingt mir viel zu sehr nach Angst - der nagenden Angst, sich selbst und sein Ende nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Die Option auf Selbstmord suggeriert, dass wir die Kontrolle behalten könnten, selbst über unseren Tod. Sind wir wirklich unsere eigenen Herren? Es ist ein Wesensmerkmal des Lebens und Sterbens, dass beides gerade nicht verfügbar ist. Frei ist, wer das annehmen und sich hingeben kann, weil er sich von einer Liebe getragen und gehalten weiß, die größer ist als Tod und Leben.
Wenn ich merke, dass mein Leben nicht mehr lebenswert ist, will ich selbst entscheiden, ob ich den Freitod wähle! Hierbei hat der Staat nicht zu suchen. Warum ist der Staat denn gegen Sterbehilfe? Sicherlich nicht aus Mitleid. Nein, es geht doch wie im ganzen Leben nur um Geld. Mit den Steuern der Pflege, Medikamente, Krankenhäuser, Ärzte etc. ist doch gut Geld zu machen. Je länger jemand am Tropf hängt, je mehr Kohle kommt in die Taschen des Staates. Sicherlich sollte der Freitod ärztlich/medizinisch begleitet werden. Doch Behörden und Ämter, die meist als Blockaden auftreten und meistens nicht zuständig sind, sollten in den letzten Tagen eines Menschen, der diesen Weg einschlagen will, sich in ihre verstaubten Amtsstuben verkrümeln!
Ich denke die meisten Befuerworter von Kusch, haben als Argument immer einen Menschen im Kopf, der mit Magensonde ernaert, seines aktiven Lebens beraubt im Bett vor sich hinwegitiert. Doch dabei wird gerne vergessen, dass gerade diesen wirklich bedauernswerten Menschen Kusch's Appel rein garnichts bringt, der ja nur Hilfe zur Selbsttoetung leistet. Ein Schlaganfall ... wohl eine der Hauptursachen fuer solche Faelle ... kommt aber ploetzlich: ein lebensfroher, gesunder und aktiver Mensch kann von jetzt auf gleich hilflos werden. Dem hilft es dann auch nichts, wenn er den Todesdrink nebenan stehen hat. Und es ist naiv ist, zu glauben, dass die Dealer die Todespille umsonst aus reinster Naechstenliebe in den Altersheimen verteilt, Ich denke wie der Autor des Artikels, dass eine Legalisierung und somit Endproblematisierung weitreichende Konsequenzen haben koennte. Und man sieht es schon in anderen Laendern, wie den USA, was passiert, wenn man Waffen legalisiert ... der Missbrauch mit ihnen steigt. Der Zugang zu toetlichen Mitteln darf nicht jedermann jederzeit so einfach gemacht werden. Und man stelle sich erst die Probleme vor Gericht vor: Wie, Ihre Frau wollte nicht mehr leben, damit sie und ihre Neue ihr Geld kriegen?
Kompliment an Herrn Schirrmacher. Es gibt also noch Artikel in der FAZ, die sich zu lesen lohnen, weil sie eine intellektuelle Leistung enthalten. Ich teile die Auffassung des Autors weitgehend, insbesondere die Sorge um einen möglicherweise aufkommenden Konformitätsdruck zum Suizid, der in derTat insbesondere diejenigen träfe, die in ihren Entscheidungen schon heute nicht frei sind. Die Unterstellung, dass Herr Kusch dies wissentlich in Kauf nähme, vielleicht sogar darauf abzielte, würde ich zumindest in Frage stellen wollen. Schade finde ich, dass keine konzeptionelle Alternative vorgestellt wird. Wie kann man den konformistisch motivierten Exodus der Unfreien verhindern, ohne das Recht auf Selbstbestimmung unnötig zu beschneiden? Doch nur dadurch, dass es zu keinem Massenphänomen werden darf, um Konformitätsdruck zu verhindern, aber genügend Spielraum bleibt, um in mehr Fällen als bisher einen selbstbestimmten Tod zu ermöglichen. Das Wichtigste ist m.E., dass die Motivation für das eigene Handeln intrinsisch bleibt. Ist das sichergestellt, sollte man m.M. jedoch alle Wünsche eines Menschen akzeptieren, unabhängig davon, ob seine Argumentation einem selbst behagt oder nicht.
Der Tod ist unzuverlässig, er kommt, wenn wir es nicht erwarten! Deshalb ist diese verbissene Debatte eigentlich für Viele ein kompletter Unsinn. Etwas anderes ist es, wenn die Menschen aus lauter Liebe so unmenschlich sind, dem Menschen, der sterben will, die Freiheit der Entscheidung nicht zu zubilligen. Ich für meine Person lehne System-Religionen ab, weil ich mich als Sklave einer Ideologie empfinden würde und auf meine Freiheit zu denken, zu fühlen und zu handeln verzichten müsste. Wenn ich entscheide mich zu töten, bin ich kein schwachsinniger I-d-i-o-t, sondern ich habe eine freie Entscheidung getroffen. Gut, ich wüsste auch wie, aber was wäre, wenn naserümpfende selbsternannte Moralisten mir diesen Weg versperren würden und ich hilflos wäre? Deshalb bewundere ich diese Frau für ihren Mut rechtzeitig sterben zu wollen und den Herrn K. Ob ich 2,5 Jahre mit dem Tod vor Augen leben könnte wie mein Bruder, auch das ist Mut und menschliche Größe, weiß ich nicht. Wenn ich sterbe, gehe ich wie durch einen Spiegel ohne Furcht in eine andere Welt, aber: Ich werde nicht in die Hölle kommen und nicht in den Himmel. Weil ich nicht daran glaube!... Ich werde glücklich sein und voll Frieden...
(In der Überschrift und dem Inhalt des ersten Schreibers dieser Kommentarserie möchte ich mich voll und ganz anschließen!!!) Was erlaubt sich Herr Schirrmacher hier nur für einen zusammengeschusterten Verbalerguss. Einseitig, ja stark tendentiös und voller egozentrischer Rechthaberei. Dogmatische Weltansichten helfen in einem Diskurs wie diesem, keiner Seite- sie verhärten die Fronten. Die generelle Ablehnung der persönlichen Autonomie, die Herr Schirrmacher zeigt, macht mir deutlich mehr Angst, als der Versuch ein düsteres Zukunftsweltbild, mit zum Suizid getriebenen Senioren, in mir aufzubauen. Gerade die Autonomie (+ wie -) verhindert solch eine Zukunft. Und die Argumentation, dass hier Geld verdient werden soll, ist schon äußerst verlogen. Der 'Topf voll Geld' wird von ver Pharma- und Gesundheits-Industrie mit den immer älter werdenden Menschen gemacht! (kleiner Treppenwitz der Gesundheitsindustrie am Rande: Ein früh sterbender Raucher kostet, laut Aukunft der Krankenkassen, tatsächlich weniger als ein durchschnittlicher Versicherter, der 80 Jahre alt mit den üblichen Erkrankungen wird. Eventuelle Intensivmedizin nicht miteingerechnet:-) Es bleibt die Frage: Wem gehört mein Leben? Denn mein Tod gehört untrennbar dazu!
Wie sagte Michael Friedmann so richtig zu Herrn Kusch? "Wenn ich Sie im falschen Moment treffe, dann habe ich - auf Deutsch - die Arschkarte gezogen!" Dem ist nichts hinzuzufügen.
Man sollte wirklich prüfen ob Herr Kusch nicht doch noch wegen unterlassener Hilfeleistung (i.d.F. mit Todesfolge) angezeigt werden kann. Hat er nicht mit der lebensmüden Frau am Bett gesessen und geredet ? Er hatte als einziger noch Zugang zu ihr. Anstatt die Chance zu nutzen und sie im Gespräch über den Tiefpunkt zu begleiten hat er sie bestärkt. Er hat dem Tod der Rentnerin Vorschub geleistet anstatt zu helfen. Er scheint dem Tode mehr verpflichtet als dem Leben. Vielleicht braucht er (!) Hilfe ?