Herr Schirmacher,
Sie schreiben von „marodierenden, orientierungslosen Freikorps“ der Weimarer Republik“
Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie meinen, dass jene Schlägertruppen, die die WR unsicher machten und sich später zu SA und SS formierten, "orientierungslos" gewesen sein sollen? Wenn ja, müssen Sie das näher erläutern.
Mir scheint es doch historisch gesichert, dass jene Schlägertruppen sehr wohl wussten, weshalb sie Juden verprügelten, jüdische Geschäfte zerstörten und in Brand setzten und weshalb sie Juden aus dem Land werfen wollten. Oder täusche ich mich da?
Sind Sie etwa auch der Meinung wie der Papst, der in seiner Auschwitz-Rede sagte, das Deutsche Volk sei "von einer Schar Verbrechern missbraucht" worden?
(Zitat: Es war und ist eine Pflicht der Wahrheit, .. als Sohn des Volkes, über das eine Schar von Verbrechern mit lügnerischen Versprechungen, .. Macht gewonnen hatte, so dass unser Volk ... missbraucht werden konnte. (http://www.tageschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5572118_REF3_NAV_BAB,00.html )
Es täte mir dieses sehr leid und ich denke, Sie sollten darüber nochmal nachdenken.
Mit freundlichen Grüßen,
Lebeding
Noch interessanter wie der Artikel sind die Meinungen mancher Beiträge zu diesem Artikel. Ich kann da bei einigen nur den Kopf schütteln. Und Angst bekommen.
Eine Anmerkung an Herrn Schirrmacher: Auch wenn das eine "Analyse" sein soll, scheint das für mich auch nur eine weitere, aus engem bürgerlich-konservativen Blickwinkel heraus betriebene Symptombeschreibung. Keine Arbeit, keine Frauen und Heirat, ohne diese Faktoren sind Männer offenbar nur gewaltbereite emotionale "Wracks", Folge: NPD?
Lassen sie doch diese bürgerlichen Maßeinheiten der "Arbeitslosigkeit", "alternden Gesellschaft" und der "Frau und Heirat" weg! Das sind auf ihre Weise auch nur engstirnige und kurzsichtige Betrachtungsweisen, die allen, die anders leben oder leben wollen, ausgrenzen.
Was diese Leute nicht haben, ist eine Heimat, ein Zuhause, auf das sie Stolz sein können, in dem Sinne, dass andere ("der Westen"?) sie darum bewundern oder was zumindest als Erfolg für Akzeptanz sorgt. Folglich erschaffen sie sich eine eigene Welt. Aus dem was zur Verfügung steht. Einfach, logisch, nachvollziehbar. NPD bietet das, leider aber nur verknüpft mit falschen Wertvorstellungen und Versprechungen.
Interessanter Beitrag. Die hohen Quoten für die NPD auf den geringen Frauenanteil zurückzuführen halte ich für gewagt, aber es ist eine gute Möglichkeit. Sind Männer unter Männern lautet die erste Regel immer: "Ich kann mehr!" Männer müssen unter Geschlechtsgenossen stets beweisen, dass sie die stärksten, besten und genetisch vorteilhaftesten sind. Männerbündnisse, wie die NPD im Wesentlichen eins ist, beflügeln solche Ränkeleien und geben Männern die Chance, ihrem Testosteronüberschuss freien Lauf zu lassen. Macho-Gehabe, Aggressivität und Gewalt sind die Folge. Erst recht in einer Gesellschaft, in der Männer sehr stark darum kämpfen müssen, eine Frau zu "erobern", weil es nur sehr wenige gibt, fördert das dringende Darstellungsbedürfnis der Männer. Genau dafür sind die NPD und ihre maskulinen Kameradschaften das perfekte Auffangbecken. In der Tat schreibt Frank Schirrmacher, dass es sich nicht um Protestwähler handelt. Denn Aggressivität und Gewalt und die daraus resultierende hohe Zustimmung zur NPD basieren nicht auf dem Protest gegenüber den "etablierten" Parteien. Dies würde Protestwähler ausmachen. Die NPD-Wähler, zumindest in diesen Gegenden, wählen NPD aus Überzeugung und dem muss Einhalt geboten werden!
Es wird Zeit, den Wahlerfolg der NPD nicht immer nur als "Protest" abzutun. Das mag zwar bequem sein, trifft aber nicht den Kern. Schirrmachers Analyse mag ebenso unbequem sein, aber es heißt ja nicht umsonst "unbequeme Wahrheit".
Wo breitgefächert die Bindung über eine Partnerschaft fehlt, da gibt es langfristig auch keine Bindung an die Gesellschaft und erst recht nicht an das politische System. Dementsprechend ziehen auch die "Aufklärungen" der Gutmenschenkaste nicht, in die Unsummen gesteckt werden.
Es wäre wohl eher an der Zeit zu analysieren, das die NPD wirklich so attraktiv für diese Wählergruppe macht - denn die Antwort auf diese Frage bleibt auch Herr Schirrmacher schudig - und sich daraus ableitenend zu überlegen, was die Menschen und die Regionen wirklich brauchen.
Es ist viel Wahres an der These dran, dass ein Männerüberschuss soziale Probleme schafft und natürlich selbst eins ist.
Der Zusammenhang zwischen Männerüberschuss und Frust bei den Männern ist leicht nachzuvollziehen. Die frauenidealisierende Gesellschaft mit entsprechender Männerbenachteiligung verschärfen das Problem. (Der Artikel selbst ist übrigens auch Frauenverherrlichend geschrieben - aber das nur am Rande). Wenn die Frauen permanent bevorzugt werden (v.a. beim Arbeitsamt) braucht man sich nicht zu wundern, wenn z.B. die Jugendarbeitslosigkeit der jungen Männer über 40% höher ist, als die der jungen Frauen! Wenn vom Mann noch die (Haupt-)Versorgerolle verlangt wird - dann ist die Katastrophe für die jungen Männer perfekt. Das wird natürlich weder in der Politik noch in den Medien thematisiert, weil es nicht feministisch - sorry - politisch korrekt ist.
Kehren wir zum Frust der jungen Männer zurück. Frust kann sich in Agression entladen und zu Protest führen. Es wurde aber geschrieben, dass die NPD-Wähler keine Protestwähler seien. Interessanter Widerspruch.
Aus diesen Gründen halte ich die These eines Zusammenhangs zwischen NPD-Wähler und frustierten, weil hoffnungslosen, chancenlosen, (frauenlosen) für gewagt.
Es ist schon faszinierend mit zu erleben, wie langsam aber stetig die Saat der Globalisation aufzugehen beginnt.
Immer größeren Teilen der europäischen Bevölkerungen die Existenzgrundlage entziehen oder massiv zu beschädigen und den nachwachsenden Generationen keine Zukunftsperspektiven mehr zu erarbeiten; dass mögen ja saturierte und degenerierte Vertreter der sogen. Führungselite als unvermeidliches Nebenprodukt der sogen. Globalisation ansehen.
Die Menschen, die derart in ihrer Existenz gefährdet werden, werden darauf mit dem antworten, was schon immer die Antwort auf solche Bedrohung war. Mit der Liquidation eben dieser sogen. Führungselite. Egal ob sie Feudalisten, Funktionäre oder Manager genannt werden.
Es bleibt dabei: Es ist Leben unter Leben, dass leben will - um jeden Preis, notfalls sogar um den Preis der Tötung eben dessen, was diesem Lebenswillen im Wege steht oder zu stehen scheint.
Bitter und schon fast resignierend erinnere ich mich an die Geschichte von Fallada "Kleiner Mann, was nun?"
Bleibt mir denn nun unvermeidlich nur noch der Gruß
"Na dann noch einen fröhlichen Tod"?
J. Klinger
Es gibt wohl kein geschichtliches Beispiel fuer eine Nation, in der der eine Teil so brutal an einem anderen fuer eigenes Versagen und Provinzialitaet Rache nimmt wie in den vergangenen 15 Jahren Westdeutschland an Ostdeutschland.
Die Motive unterscheiden sich: Verhinderung eines unliebsamen Wettbewerbers im eigenen Land (Gewerkschaften/Unternehmer), allgemeiner Wiedervereinigungshass bei den 68ern, katholische Ablehnung alles Nordoestlichen. Das Ergebnis bleibt das gleiche: von einer Akzeptanz der Wiedervereinigung kann keine Rede sein, und die Zweiklassengesellschaft ist bittere Realitaet. Waeren die Ostdeutschen schwarz, wuerde man es Rassismus nennen.
Frauen haben in der DDR nicht nur groessere Unabhaengigkeit gelernt, sie sind auch insgesamt sensibler gegenueber Stigmatisierungen. Viele wollen unter dem vom Westen aufgebauten Druck nicht leben, sondern sich lieber im Westen - als Deutsche erster Klasse - anpassen.
Der einzige Trost bei dieser Sache ist: der Westen wird fuer seine Stigmatisierungen finanziell zahlen, bis er schwarz wird.
sie haben ja soooooooooo recht Herr Volkmar.
als ich diesen artikel gelesen habe,fragte ich mich ,welche begründungen zur wahl der NPD als nächstes dran glauben müssen.vielleicht weil 80% der NPD wähler unter kreisrunden haarausfall leiden und deshalb ihre leidensgenossen unterstützen wollten?
naja wie dem auch sei ,vor der wende gab es dort jedenfals kein rechtsextremismus...............
Der wilde Westen der USA ist durch Männer ohne Frauen aufgebaut worden, ebenso durch den Goldrausch. Es ist immens schwierig ( EU-Bestimmungen) heute so lange nach der Wende den wilden Osten genau so aufzubauen. Aber es ist die Chance mit Steuerfreiheit und Freihandelszone auch normale Bürger dahin zu locken, wo die Wilden beinahe alleine hausen...
Es ist bewundernswert wie Frank Schirrmacher es mit der Schärfe seines Intellekts unter Einsatz seiner umfassenden Bildung schafft jede Frage unter sein Lieblingsthema demografische Bedrohung zu subsumieren. Dass es sich dabei noch gut liest, spricht für den Autor, was er fraglos weiß.
Umso mehr erstaunt es mich, wie hörig er der Demographie wurde, jener kleinen Dienerin der großen Hure Statistik. Ist solche Erbsenzählerei nicht unter seinem Niveau, etwas das er besser Unternehmensberatern in ihrer gut bezahlten Überflüssigkeit überließe?
Die mecklenburgische Landbevölkerung vermehrt sich unterdurchschnittlich, in Anbetracht ihrer Lage und ihrer Perspektiven vernünftig, auch wenn sie Raum genug hätten. Wir werden überall weniger, weil es der Entwicklung einer spezialisierten Gesellschaft entspricht. Wenn unsere Sozialsysteme diese Tatsache nicht verkraften, müssen wir sie ändern. Wer Untergang und Überfremdung fürchtet, muß sich um Integration bemühen statt demografisch sterilisierte Fruchtbarkeitsriten zu predigen. Vielleicht können wir nach dem deutschen Sommer von unserer Nationalmannschaft lernen wie bunt unser Land erfolgreich ist.
Nur wer die richtigen Fragen stellt kann auch richtige Antworten erhalten. Längst findet man die jungen Mädchen aus Mecklenburg als Kellnerinnen, Friseusinnen und in anderen Berufen tätig in Schleswig Holstein sowei an anderen Orten jobben. Ist es eine Frage der Normen, der Erziehung, daß junge Männer das nicht tun? Was kann da Politik leisten? In unseren Märchen jedenfalls ziehen die jungen Männer aus, um den Drachen zu besiegen. Und kehren wieder als Helden, die das Königreich erhalten, um Frieden zu bringen. Fehlt es uns an den Märchen, an unserer Fantasie, die wir uns und unseren Kindern nicht gewähren, beziehungsweise nicht gewährten. Sartre hat uns gesagt, dass wir zur Freiheit verurteilt sind. Deshalb gibt es kein Jammern sondern nur beherztes anpacken.