Oettingers Äußerungen

Missverständnis ausgeschlossen

Günther Oettinger hat den Eindruck bedauert, den seine Trauerrede auf Filbinger erweckt hat, und damit alles nur noch schlimmer gemacht. Das Anstößige an seiner Entgrenzung des Begriffs der NS-Gegnerschaft ist, dass keine innere Haltung die tatsächliche Handlung ersetzen kann. Von Frank Schirrmacher.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. April 2007 11:03

Stasi-Filbinger

Burghard Schmanck (Schmanck)

Im Bundestagsprotokoll vom 15.05.1997 steht auf Seite 15833:
" Wer heute noch den absolut rehabilitierten Dr. Filbinger angreift, entlarvt sich als Mittäter der Stasi."

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20. April 2007 00:18

Excellente und differenzierte Analyse, Herr Schirrmacher!

klaus maerlaender (makeda)

Hervorragend analysiert und glaenzend formuliert, der Beitrag arbeitet die Aeusserungen Oettingers hoechst zutreffend auf!
Widerstand kann aktiv und passiv erfolgen, in beiden Faellen hat dies zu erheblichen Repressalien gefuehrt und oft auch fuer die ganze Familie zu Entbehrungen, bedauerlicherweise zum Teil mit weit ueber die Kriegszeit hinausreichenden Folgen.
Vermutete Gewissensbisse eines eingetragenen Mitglieds der NSDAP kann man nun wirklich nicht als Widerstand bezeichnen.

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19. April 2007 11:36

Oliver Stein

Marco Vogt (MarcoVogt)

Sie haben mich nicht verstanden.

Es ging um die Selbstgerechtigkeit heutiger ANkläger!

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18. April 2007 21:26

An Alle & Herrn Vogt

Oliver Stein (oliverstein)

Ich halte zwei Dinge für notwendig klarzustellen:

Erstens diese Auseinandersetzung zu ideologisieren - wie es in der Diskussion passiert ist - ist absolut unangebracht. Aber in Deutschland scheint es nur links und rechts zu geben, aber nicht falsch oder richtig. Es spielt doch keine Rolle in welcher Partei Oettinger ist oder Filbinger war...

Zweites wird immer wieder vorgebracht - wie von Herrn Vogt - dass jeder kleinste Widerstand im Dritten Reich mit dem Tod verfolgt wäre. So ein (historischer) Quatsch ! Mein Gross-Onkel Prof.Dr. Erwin Stein wurde wegen Verweigerung 1933 als Richter aus dem Staatsdienst entlassen, aber nicht erschossen. Die Berliner Synagoge wurde von einem deutschen Polizisten in der Progromnacht gerettet, der 1943 in den Ruhestand geschickt wurde. So, gibt es viele, sehr viele Beispiele.

Ich verstehe auch die Argumentations-Logik bzw. Entschuldigung nicht: Wenn man vom Tod bedroht ist, schickt man ja auch eher andere in den Tod ? Na, dann...

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17. April 2007 10:48

Ein Hoch auf alle Widerstandskämpfer...

Marco Vogt (MarcoVogt)

die heute wissen, dass sie gegen das Naziregime gewesen wären.

Soviel Einsatz verdient ein ehrliches: Bravo!

Ich bin stolz auf Euch und Eure Bereitschaft in den Tod zu gehen!

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16. April 2007 22:51

Diese Debatte nervt

Jürgen Schnurr (JuergenSchnurr)

Hans Filbinger war sicher kein Widerstandskämpfer. War er der Nazi-Richter als der ihn Hochhut gebrandmarkt hat? Ich habe da meine Zweifel.

Ich habe ein ganz großes Problem mit dem "Gegner der Nazi". Seine Gegnerschaft zum 3. Reich hat Hans Filbinger nicht offen gezeigt. Sie im nachhinein zu behaupten ist billig.

Aber ich habe ein noch viel größeres Problem mit Leuten die damals nicht gelebt haben und zu behaupten sie hätten die Nazis bekämpft wenn sie dabei gewesen wären. Deshalb ärgert mich so manches moralinsaures Geschwätz was viele der Nachkriegsgenerationen von sich geben.

Warum musste Hans Filbinger damals zurücktreten? Weil er in seinen ersten Stellungsnahmen zu den Vorwürfen nicht die Wahrheit gesagt hat.

Das was sich Günther Oettinger vorwerfen lassen muss ist durch eine schlechte Rede dem Ansehen eines verstorbenen geschadet zu haben.

Aber es gibt deutlich wichtigere Themen als schlechte Reden, schlechte Politik. Und davon haben wir mehr als genug, in Deutschland und in der Welt.

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16. April 2007 21:23

Oettinger zeigte Zivilcourage, Schirrmacher nur Political Correctness!

HANS Georg von Heydebreck (von.heydebreck)

Der Entrüstungssturm in allen deutschen Medien, den nun auch Schirrmacher noch ordentlich anfacht, zeigt, dass kaum jemand den ganzen Redetext sorgfältig gelesen hat. Oettinger hat den Lebenslauf Filbingers nämlich sorgfältig recherchiert und ist zu einer ausgewogenen Bewertung gekommen. Besonders ist seine Zivilcourage hervorzuheben, abweichend von der üblichen Political Correctness, einen verdienten Mann auch vor lange zurückliegenden und bis heute nie überzeugend bewiesenen Vorwürfen in Schutz zu nehmen, er habe sich als Marinerichter nationalsozialistische Verbrechen zuschulden kommen lassen. Sicher hätte Oettinger statt seines Hinweises, daß auch Filbinger "sich den Zwängen des (Nazi-)Regimes ebenso wenig entziehen konnte wie Millionen andere" eine etwas deutlichere Kritik einfließen lassen können. Diese Unterlassung rechtfertigt aber nicht die jetzige völlig überzogene Kampagne gegen ihn.

Wer wie der Unterzeichner einer nachgeborenen Generation angehört und sich im Internet über die historischen Hintergründe informiert, kommt nämlich mit Oettinger zu dem Schluss, dass Filbinger wirklich kein Nazi war, sondern seine Position als Marinerichter nutzte, vielen Menschen das Leben zu retten.


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16. April 2007 21:06

Oje, Herr Schirrmacher,

Armin Quentmeier (thiotrix)

da haben Sie aber einen Text abgeliefert, der eher in ein pseudointelektuelles linksliberales Laberblatt wie die „Zeit“ gepaßt hätte. Der FAZ-Autor Gillessen hatte in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.9.2003 eine weitaus bessere Arbeit geleistet, als er zu Filbingers 90. Geburtstag dessen sechs Urteile analysiert hatte, bei denen es um Leben und Tod ging. Sein Fazit: Filbinger - ein grausamer Militärrichter, ein "furchtbarer Jurist"? Nichts davon hält genauer Betrachtung stand.“ Dieser Artikel sollte Pflichtlektüre sein für alle, die sich hier im Forum auf unsachliche, polemische und z.T. richtig bösartige und haßerfüllte Weise über Oettingers Gedenkrede echauffieren. Leider ist die CDU mal wieder vor der linken Medienhysterie eingeknickt- viele CDU-Granden werden wohl nie begreifen, daß eine permanente Anbiederung an den Zeitgeist und eine völlige Rückratlosigkeit bei Kampagnen wie der gegen Filbinger 1978, gegen Hohmann 2003 und jetzt gegen Oettinger nur zu einer Erosion des Wählerpotentials führt. So mancher Stammwähler dürfte sich bei einem solchen Mangel an Zivilcourage enttäuscht abwenden und zu der größten „Fraktion“ gehen, den Nichtwählern.
PS. Was ist „mimetische Nibelungentreue“?!?

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16. April 2007 20:30

Schirrmacher spricht mir aus der Seele

Itzhak Levinski (mohel)

Selbstverständlich auch der Zentralrat der Juden

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16. April 2007 19:15

Blanker Unfug,Herr ROssmann

Markus Teuber (arathorn)

Was Sie da sagen und offenbar auch glauben,ist nicht mehr zu überbieten.
Sie verwechseln offenbar absichtlich Roß und Reiter.

Milosevic und seine ANhänger - und nur sie - haben den Kosovo-Krieg verursacht! Ohne ihr Vorgehen im Kosovo,das nicht von ungefähr und so unglaublich dem deutschen Handeln zwischen 33 - 45 ähnelte (!) ,hätte es diese Auseinandersetzung nie gegeben.

Filbinger,der eben schon mit seinem Handeln den Nationalsozialismus gestützt hat ,mit Schröder zu vergleichen, ist infam!

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16. April 2007 18:16

Verhalten vs. Einstellung

ralph s. seidel (arsenalfan)

Auch ich fühle mich durch diesen in seinen treffenden Urteilen und Differenzierungen sehr gelungenen Artikel zu einem Kommentar hingerissen und schließe mich den Glückwünschen vieler Leser hier an. Das Prinzip 'tatsächliches Verhalten vor innerer Einstellung' werte auch ich als entscheidende Errungenschaft der juristischen und sonstigen Bewertung menschlichen Handelns.
Ich empfehle der F.A.Z., diesen Grundsatz auch beim Thema des Kopftuchstreits und ähnlicher Fragen zu verfolgen, wo eine innere Einstellung (mittels einer vermeintlich gültigen Symbol-Interpretation) zum Kriterium einer Eignungs-Bewertung für öffentliche Ämter in unserem Staat gemacht wird. Wer bei Fragen des NS-Regimes hier (zu Recht) nein sagt, sollte dies auch bei ähnlich gelagerten Themen tun.
Was im Übrigen die Problematik des Handelns in problematischen sozialen Kontexten anbetrifft, empfehle ich die Lektüre der sehr interessanten Arbeiten Harald Welzers.

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16. April 2007 17:03

Kritik an Oettinger ist zwingend

Andreas Korth (juni0r)

Wenn ich die zahlreichen Kommentare hier lese, die darauf abzielen, die unmöglichen Aussagen Oettingers zu relativieren, wird mir schlecht.

Auch ich winke oft ab, wenn z.B. Funktionäre des Zentralrats der Juden meinen, jede öffentliche Aussage kritisieren zu müssen, die auch nur im Entferntesten als Relativierung der Nazi-Verbrechen ausgelegt werden könnte. Hier aber verhält es sich eindeutig und die Kritik an Oettinger samt Rücktrittsforderungen ist zweifelsfrei berechtigt. Mehr noch: sie ist zwingend.

Wie kann man einen astreinen Nazi, der nachweislich Todesurteile gegen Deserteure verhängt hat, als Gegner des Regimes ausmachen? Der Hohn aus einer derart perfiden Dialektik spricht muss doch jedem vernünftigen Menschen zumindest auffallen! Wie kann man dies hinnehmen, angesichts derer, die Ihre Überzeugung lieber mit in den Tod nahmen, als dem Treiben der Nazis noch länger zuzusehen?

Der Beitrag Frank Schirrmachers trifft haargenau den Kern dieser Debatte. Man kann Oettingers Verfehlungen kaum unaufgeregter, rationeller und zutreffender auf den Punkt bringen. Wer diese Kritik nicht versteht oder gar meint, die Sache werde künstlich aufgebauscht, hat sich leider in der Freiheit unserer Gesellschaft verirrt.

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16. April 2007 17:01

RE:RE: Es ist leicht andere zu verurteilen!

Daniel Rossmann (Danielrossmann)

Herr Klemme so wie Sie es sagen akzeptiere ich es. So wurde es aber von dem meisten Kritikern nicht gesagt.

Was ich schockierend finde ist, daß die Kritik in keinem Verhältnis zu dem steht was Oettinger wirklich getan hat, insbesondere auf Grund der Tatsache, daß führende Mitglieder des Widerstandes Filbinger als einen, der von der Gesinnung her auf ihrer Seite steht, zählten. Kritik ist i. O. aber nicht so und nicht von der Seite von der sie kam. Von einer Seite die heute noch einen Mann verehrt, der mutmaßliche Kriegsverbrechen ganz anderen Ausmaßes begangen hat. Angriffskrieg, Bombardieren der serbischen Zivilbevölkerung mit über 30.000 uranhaltigen Granaten, dadurch Tötung mehrere tausend Zivilisten (!), Zerstörung von mehreren hundert Schulen und Krankenhäusern, fast 400.000 Flüchtlinge und Schaffung eines weitgehend ethnisch gesäuberten Kosovo, und die Gründe für dieses Vorgehen waren erlogen.

Das alles sich schwerste Verbrechen, der Mann der sie mutmaßlich begangen hat heißt Gerhard Schröder. Kritisiert wurde er dafür bisher von niemandem. Diejenigen die hierzu schweigen wähnen hingegen durch das was Oettinger gesagt hat den Anbruch des 4. Reiches. Hier stimmt etwas nicht mehr.

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16. April 2007 16:59

Patrioten

Franz Altmann (elviejo_136)

Nicht nur die Schreibtischtäter sondern
auch wer als Mörder direkt Hand angelegt
hatte, sie alle konnten in der BRD der
50er und 60er Jahre ihre Karrieren im
Staatsdienst (!) ungestört fortsetzen
bzw. sich üppiger Pensionen erfreuen.

Ihre Opfer dagegen hatten sie meistens
irgendwo verscharrt. Die konnten nicht
mehr protestieren.

Nur linke Gutmenschen beschmutzen mal
wieder das eigene Nest und verletzen
das Andenken der Patrioten.

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16. April 2007 16:42

Gestrigkeit als christlich-konservstives Prinzip

Frank Wohlgemuth (fwohlgemuth)

Hallo Herr Schirrmacher,

Ihre Analyse verdient eine Ergänzung: Brennhuber führt mit seiner Bemerkung zur Wirkung der Nachrede auf die christlich-konservative Seele dahin:

Christentum hat nur sehr bedingt etwas humanistischen Wertevorstellungen zu tun, die primäre speziell christliche Tugend ist der Gehorsam: Paulus: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat."

Leicht überspitzt ließe sich der Christlich-Konservative einfach als Konformist charakterisieren, als bedingungsloser Opportunist. Und genau in dieser Eigenschaft wird er getroffen, wenn ein Opportunismus in der Vorgängergesellschaft heute vorgeworfen werden kann, denn Gehorsam ist nicht relativierbar. Oder mit Filbinger: "Was früher Recht war, kann heute nicht Unrecht sein."
Das heißt, man heult auch mit den Wölfen, die man nicht mag, und so gut, dass man sogar Leitwolf wird. Die Tat ist nachher unwichtig, gebeichtet und abgeschrieben. Diese grundsätzliche Tugend, der Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, darf nie verurteilt werden, sonst wird das Christentum in der Diktatur nur noch als Märtyrertum möglich.
Also: Die waren so und sind so und verteidigen einfach ihr Recht auf Ausübung ihrer Religion.

mit freundlichem Gruß Frank Wohlgemuth

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