Verkauf abgesagt

GM plant für Opel drei Fabrikschließungen

Von Christoph Ruhkamp und Roland Lindner

05. November 2009  Wenn Opel tatsächlich beim amerikanischen Mutterkonzern General Motors bleibt, dann drohen vor allem den 25 000 Beschäftigten in Deutschland schärfere Einschnitte. Nach dem Sanierungsplan der Europaeinheit von GM, der der F.A.Z. in einer Version von Juni 2009 vorliegt, ist die Schließung von drei Fabriken geplant. Dazu zählen neben dem Standort im belgischen Antwerpen auch die beiden Werke in Bochum und Eisenach. Die Fabrik in Antwerpen solle im April 2010 geschlossen werden, heißt es im „Viability Plan 2 Plus“ , kurz: „VP2+“. In Bochum, wo knapp 5000 Beschäftigte arbeiten, solle die Produktion im Jahr 2011 auslaufen. Und das Werk in Eisenach mit 1400 Arbeitern werde 2010 dichtgemacht und erst 2013 für ein neues Modell des Corsa wieder eröffnet.

Mittlerweile prüft GM einen neuen Vorschlag für das Opel-Werk in Bochum. „Insgesamt erwägen wir aber immer noch die Schließung von drei Werken“, sagte GM-Chefunterhändler John Smith am Mittwochabend. Es gebe auch einen „Plan B“ für die Finanzierung der Opel-Sanierung, falls keine Staatshilfen gezahlt würden. In jedem Fall werde GM etwa 10.000 der 46.000 Opel-Stellen abbauen.

Entsprechend scharf fällt der Widerstand des Opel-Betriebsrats aus, der zu rechtlich umstrittenen Warnstreiks aufrief. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz bezeichnete die Opel-Standorte in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen als „akut gefährdet“ und nannte die Wende von GM einen „schwarzen Tag für Opel“. Den Plan von GM, Opel zu behalten und aus eigener Kraft zu sanieren, hält er für unrealistisch. Werkschließungen und Massenentlassungen würden die Folge sein. „General Motors hat durch die Geschäftspolitik der letzten Jahre sich selbst in den Bankrott und Opel/Vauxhall an den Rand der Insolvenz gebracht. Nun will das alte Management - verkleidet als New GM - mit einem Restrukturierungs- und Geschäftsplan weitermachen, mit dem Opel/Vauxhall keine Zukunft hat. Dafür sollen die europäischen Regierungen auch noch Gelder geben“, heißt es in einem Aufruf zu einer Protestkundgebung an diesem Donnerstag am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim sowie den drei anderen deutschen Standorten.

GM rechnet mit der Unterstützung der deutschen Regierung

Franz lehnte Forderungen von GM nach einem Lohnverzicht der Beschäftigten ab. GM drohte umgekehrt mit einer Insolvenz von Opel, sollte es zu keiner Einigung kommen. Der Betriebsrat hatte am Montag mit dem bisher als Käufer für Opel vorgesehenen Investor Magna bereits Lohnzugeständnisse von mehr als einer halben Milliarde Euro ausgehandelt. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall sollen diese Zugeständnisse an das Unternehmen aber wieder rückgängig gemacht werden, falls GM Opel behält.

Der amerikanische Konzern rechnet derweil fest mit der Unterstützung der deutschen Regierung für Opel. Nach der überraschenden Absage des Verkaufs von Opel und seiner britischen Schwestergesellschaft Vauxhall an ein Konsortium um den Zulieferer Magna bezifferte GM den notwendigen Restrukturierungsaufwand für den deutschen Hersteller auf 3 Milliarden Euro. GM setzt nach Angaben eines Sprechers darauf, dass diese Summe komplett von den Regierungen in Deutschland und in anderen Ländern mit Opel/Vauxhall-Standorten wie Spanien und Großbritannien übernommen wird.

Über diesen Betrag hinaus will GM in Europa durch Einschnitte in der Belegschaft weitere Einsparungen erzielen. Dagegen sollen keine zusätzlichen Staatskredite aus Amerika kommen. Auch das im Zuge der Insolvenz von GM im Juni von der amerikanischen Regierung eingerichtete Treuhandkonto, auf dem sich noch 13,6 Milliarden Dollar befinden, soll nicht für Opel in Anspruch genommen werden. Nach den Worten des Sprechers sei GM dazu bereit, den von Bund und Ländern bereitgestellten Brückenkredit von 1,5 Milliarden Euro zurückzuzahlen, der Ende November fällig wird. GM hat nach seiner Entscheidung darauf hingewiesen, dass der veranschlagte Restrukturierungsbedarf von 3 Milliarden Euro niedriger sei als in anderen Alternativen - und meinte damit vor allem den Verkauf an Magna, der an einen Staatskredit von 4,5 Milliarden Euro geknüpft gewesen wäre.

Die Kehrtwende wurde maßgeblich durch die harte Haltung der EU-Kommission ermöglicht, heißt es im Umfeld von GM. Die EU-Kommission hatte Bedenken geäußert, dass die Transaktion mit Magna durch politischen Druck zustande kam, weil die Bundesregierung allein diese Option mit Staatskrediten unterstützen wollte (siehe Die diskrete Intervention der Neelie Kroes ). Die Bundesregierung habe auf die Einwände der EU-Kommission geantwortet, dass sie auch andere Angebote unterstützt hätte - somit auch den Verbleib von Opel bei GM. Diese Aussage sei der Türöffner gewesen, um Opel doch selbst zu behalten, und GM wolle die Bundesregierung beim Wort nehmen, heißt es im Konzern. Offiziell weist GM außerdem auf eine in den vergangenen Monaten verbesserte Finanzlage sowie ein aufgehelltes Geschäftsumfeld hin, ohne aber Details zu nennen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: DDP, F.A.Z.

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