General Motors' Pläne

Opel-Betriebsrat kündigt Widerstand an

Von Christoph Ruhkamp

Auch der Standort Eisenach bleibt erhalten: GM-Europachef Nick Reilly

Auch der Standort Eisenach bleibt erhalten: GM-Europachef Nick Reilly

25. November 2009 Der Betriebsrat von Opel hat Widerstand gegen den Sanierungsplan des amerikanischen Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) angekündigt. GM-Europachef Nick Reilly sicherte am Mittwoch in Rüsselsheim zwar den Erhalt aller vier Werke in Deutschland zu; in Europa sollen aber rund 9000 von 50.000 Stellen bei Opel gestrichen werden. Von den Kürzungen würden etwa „50 bis 60 Prozent“ auf Deutschland entfallen. Der Betriebsrat und die IG Metall würden es nicht akzeptieren, dass die Sanierung von Opel zu Lasten von Deutschland und Belgien ginge, sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz dazu in Rüsselsheim. Die Gespräche mit den Opel-Betriebsräten über die Verteilung des Stellenabbaus auf die Werke sollen binnen zwei bis drei Wochen abgeschlossen werden. „Wir erwarten, dass die Mitarbeiter und die Regierung ihren Beitrag zur Sanierung leisten“, sagte Reilly. Benötigt werde für die Sanierung ein Geldbetrag in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.

Nach Angaben von Franz fällt der in Deutschland geplante Stellenabbau drastischer aus als erwartet. In Belgien und Deutschland sollten 7230 Arbeitsplätze abgebaut werden. Davon entfielen etwa 2330 auf das Werk in Antwerpen, das geschlossen werden solle. Franz sagte, der Betriebsrat sei bei dem Treffen am Mittwoch über alle wichtigen Details im Unklaren gelassen worden. „Unser Informationsrecht und die Konsultationspflicht wurden nicht eingehalten. Wir werden uns künftig in den Gesprächen mit GM anwaltlich vertreten lassen müssen“, sagte Franz.

Laut Franz hat GM-Europa-Chef Reilly das Produktionsvolumen in Rüsselsheim gekürzt, um der britischen Regierung entgegenzukommen. 50.000 Autos des Modells Astra Caravan sollten künftig in Ellesmere Port statt in Rüsselsheim gefertigt werden. Franz kommentierte dies ironisch: „Wir werten das als Dankeschön von GM an die Bundesregierung, die Opel mit dem Brückenkredit gerettet hatte.“ Auch habe GM den Wunsch der Belegschaft nach einer Gewinn- und Unternehmensbeteiligung zurückgewiesen.

Nick Reilly kündigte in Rüsselsheim auch an, dass das Werk Eisenach in Thüringen mit 1700 Beschäftigten erhalten bleiben solle. Die Nachricht wurde in Thüringen mit Erleichterung aufgenommen. Zugleich gab es aber Kritik an GM. Klar sei, „dass sehr harte Verhandlungen bevorstehen und es nicht ohne Einschnitte gehen wird“, äußerte Eisenachs Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD). Zuvor hatte Reilly in Rüsselsheim nach einem Gespräch mit der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) auch eine Zusage für das lange als gefährdet geltende Werk in Eisenach abgegeben.

Opel beschäftigt in Deutschland insgesamt knapp 25.000 Mitarbeiter, davon knapp 15.000 im Stammwerk Rüsselsheim in Hessen, wo seit kurzem auch die GM-Europazentrale angesiedelt ist. Mit der Zusage zum Erhalt der vier deutschen Standorte - inklusive Bochum und Kaiserslautern - schwenkte GM-Europachef Reilly auf einen weicheren Sanierungskurs ein. Noch im Juni hatte GM ein Sanierungskonzept geprüft, das die Schließung der Opel-Fabriken in Antwerpen, Bochum und Eisenach vorsah. Da der Konzern jedoch auf staatliche Kredite von bis zu 3,3 Milliarden Euro hofft, müssen auch Zugeständnisse an die Politik gemacht werden.

Die 50 000 Opel-Beschäftigten sollen künftig auf jährlich 265 Millionen Euro Lohn verzichten, damit das Unternehmen nach dem Milliardenverlust in diesem Jahr bis 2011 wieder in die Gewinnzone zurückkehren kann. Reilly kündigte an, er werde Opel und die neue GM-Europazentrale in Rüsselsheim künftig straffer organisieren. Im Zuge des Umbaus würden auch die Arbeitsplätze im Management verringert.

Der GM-Konzern, der erst im Juli als mehrheitlich verstaatlichtes Unternehmen neu geordnet aus der Insolvenz hervorging, trifft bei der Sanierung des Europageschäfts allerorten auf neue Probleme. So hofft der GM-Konzern, seine schwedische Tochtergesellschaft Saab doch noch verkaufen zu können, nachdem eine Übernahme durch die Sportwagenmanufaktur Koenigsegg vorerst gescheitert war. „Ich habe gestern Abend mit GM gesprochen, und mein Eindruck ist, dass sie die Hoffnung nicht aufgegeben haben“, sagte Jöran Hagglund, Staatssekretär im schwedischen Industrieministerium am Mittwoch. Gelingt der Verkauf nicht, dann dürfte der GM-Verwaltungsrat am Dienstag die Abwicklung von Saab beschließen. Am Dienstagabend waren monatelange Übernahmeverhandlungen mit Koenigsegg kurz vor dem Abschluss noch gescheitert.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS

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