06. November 2009 Mitten in der größten Krise der Unternehmensgeschichte verliert Opel nun auch seinen nominell wichtigsten Manager. Carl-Peter Forster, der Europachef von General Motors (GM) und Opel-Aufsichtsratschef, nimmt schon in den nächsten Tagen seinen Abschied von Opel. Das wird aus Kreisen des Unternehmens berichtet. Der 55 Jahre alte Manager, der früher auch für BMW gearbeitet hatte, wechselt dem Vernehmen nach zu einem anderen, nicht namentlich genannten Unternehmen in der Autoindustrie.
Grund für den nicht ganz freiwilligen Weggang ist der Konflikt mit der Konzernspitze in Detroit. Forster hatte sich stets für den Verkauf von Opel an den Autozulieferer Magna eingesetzt. Selbst als der GM-Verwaltungsrat sich explizit dafür entschied, Opel zu behalten, kritisierte Forster diesen Beschluss noch. Zudem war Forster bei der Sanierung von Opel über Jahre glück- und erfolglos. Deshalb bleibt GM-Chef Frederick Henderson eigentlich gar nichts anderes übrig, als Forster möglichst bald von seinem Posten abzulösen. Offiziell bestätigt wird dies aber noch nicht.

Die Opel-Treuhänder Dirk Pfeil (l) und Manfred Wennemer haben sich mit ihrer öffentlichen Kritik an Magna bei den Ländern mit Opel-Standorten nicht beliebt gemacht
Wer Nachfolger von Forster wird, ist bislang unklar: Mehrere Personen sind im Gespräch. Da ist zum einen Nick Reilly, der Chef des Asiengeschäfts von GM, der den brisanten Posten in Deutschland zumindest vorübergehend übernehmen könnte und als harter Sanierer gilt. Als weitere Alternative gilt auch John Smith, der schon seit einem halben Jahr als Chefunterhändler von GM in Sachen Opel agiert. Für den Posten des Opel-Aufsichtsratschefs wird auch der Name Bob Lutz genannt. Der 77-jährige Manager war bis zum Sommer Chef der globalen Produktentwicklung bei GM. Als haltlose Spekulation einzuordnen ist jedoch, dass Herbert Demel - der Autoproduktionschef von Magna - jetzt noch zu Opel wechselt.
Länder berufen kritischen Kopf aus Treuhand ab
Unterdessen ändern auch die vier Bundesländer mit Opel-Standorten eine wichtige Personalie im Fall Opel. Nach Informationen aus verschiedenen Quellen berufen sie ihren Verteter in der Opel-Treuhand ab. Dirk Pfeil muss das Gremium verlassen. Sein Nachfolger soll der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU) werden.
Pfeil hatte in der Treuhand dem Opel-Verkauf an Magna International und die Sberbank die Stimme verweigert und damit die Bundesländer brüskiert.
Pfeil hatte gemeinsam mit seinem Amtskollegen im Treuhandbeirat - dem ehemalige Conti-Chef Manfred Wennemer - die Tragfähigkeit des Magna-Übernahmekonzeptes für Opel scharf kritisiert (siehe Regierungsvertreter stimmt gegen Opel-Verkauf an Magna). Sie befürchteten, dass Opel Fachwissen an Russlands Autoindustrie verliert und Magna selbst bald in wirtschaftliche Nöte gerät (siehe Opel-Treuhänder Dirk Pfeil: Der Staatskredit für Opel dient der russischen Autoindustrie“).
Offen blieb zunächst, wie Wenemer auf die Abberufung seines Kollegen reagieren würde. Dem Vernehmen nach erwog Wennemer, aus Protest und als Zeichen der Solidarität mit Pfeil ebenfalls zurückzutreten. Die Treuhand hält 65 Prozent der Anteile an Opel als Pfand für einen Staatskredit. Der fünfköpfige Beirat der Opel-Treuhand spielt bei der Rettung des Autoherstellers eine Schlüsselrolle.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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