Von Christoph Ruhkamp und Thomas Holl
23. Juni 2009 Der einstige Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will nach Möglichkeit eine Rückkaufoption für Opel erhalten. Das hat der amerikanische Autohersteller als Vorgabe für den Verkauf von Opel durch die staatlich kontrollierte Treuhandgesellschaft gemacht, wie aus gut informierten Kreisen berichtet wird.
Für Magna würde dies die angestrebte Übernahme von Opel deutlich unattraktiver machen, weil GM sich dann eines Tages die Früchte einer erfolgreichen Sanierung von Opel sichern könnte. Magna wird sich deshalb auf eine solche Rückkaufoption keinesfalls einlassen, berichteten die Kreise weiter. Es handele sich aber voraussichtlich um kein unüberwindliches Hindernis für einen Abschluss der geplanten Transaktion.
Noch drei weitere Interessenten
Opel gehört seit kurzem zu 65 Prozent der Treuhandgesellschaft. Diese arbeitet auf Basis eines Vertrages mit Vorgaben der Bundesregierung und von GM. Der amerikanische Konzern selbst, der nach der Insolvenz gerade neu geordnet wird, hält noch 35 Prozent der Anteile. Bis Mitte Juli soll ein verbindlicher Kaufvertrag in Höhe von 55 Prozent mit dem favorisierten Bieter, dem Autozulieferkonzern Magna, unterzeichnet werden. Weitere 10 Prozent wollen die Beschäftigten von Opel im Gegenzug für Lohnverzicht erwerben.
Neben Magna gibt es aber noch drei weitere Interessenten, die jeder Zeit wieder als ernsthafte Rivalen in den Bieterprozess eintreten können. Es handelt sich um den chinesischen Autohersteller BAIC, der in dieser Woche mit einer Delegation Rüsselsheim besucht und parallel dazu die Bücher von Opel prüft, sowie um den italienischen Hersteller Fiat und die Brüsseler Beteiligungsgesellschaft RHJ International. Alle drei hatten Ende Mai Offerten für Opel vorgelegt, wurden aber zunächst von Magna ausgestochen - unter anderem, weil der kanadisch-österreichische Konzern den geringsten Personalabbau plante.
Koch: Ich sehe im Augenblick keine wirklichen Stolpersteine
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat sich unterdessen am Montagabend in Detroit mit der Führung von General Motors getroffen, um die Übernahme von Opel durch einen Bieter zu beschleunigen. Bei dem Gespräch mit GM-Vorstandschef Fritz Henderson, seinem für die Opel-Verhandlungen zuständigen Stellvertreter John Smith und dem Chef von GM Europe, Carl-Peter Forster erhielt Koch die Zusage, dass die Verhandlungen spätestens bis zum Ende des Sommers abgeschlossen seien. Es wird mit Hochdruck verhandelt, sagte Koch.
Es bleibe auch dabei, dass das kanadisch-russische Konsortium um Magna wie im Memorandum of understanding vereinbart, der privilegierte Bieter sei, der derzeit die besten Chancen habe, das Geschäft zu machen. Magna sei mit 40 bis 50 Mitarbeitern im Opel-Stammsitz in Rüsselsheim präsent und habe Einblick in alle Bücher des Unternehmens. Nach seinem Eindruck gebe es keine wirklichen Stolpersteine mehr, die einem positiven Vertragsabschluss mit Magna im Wege stünden. GM hat ein großes Interesse an einem Abschluss mit Magna. Es gehe allerdings noch um viele Detailfragen, die geklärt werden müssten. So stehe noch nicht genau fest , welche Forschungsergebnisse aus dem Opel-Entwicklungszentrum der neue Besitzer verwenden dürfe.
Verluste von drei Millionen Dollar am Tag
Fest verabredet worden sei schon bei den Verhandlungen Ende Mai im Kanzleramt, dass der zum Zuge kommende Investor 2011 das umweltfreundliche und mit Strom angetriebene Automodell Ampera bauen werde. Die Kontakte zu dem chinesischen Autokonzern BAIC und dem amerikanischen Finanzinvestor Ripplewood würden aber weiter von GM gepflegt. Der italienische Autokonzern Fiat sei hingegen nicht mehr an den Gesprächen zur Übernahme von Opel beteiligt.
GM-Europachef Forster habe ihm glaubhaft und detailliert dargelegt, dass der Geldbedarf von Opel zu der vom Bund gewährten Brückenfinanzierung bis zum Vertragsabschluss von 1,5 Milliarden Euro exakt eingehalten werde. Dieses Geld werde aber nicht ausgegeben, um Investitionen zu tätigen, sondern um das laufende Geschäft von Opel in elf europäischen Ländern aufrecht zu erhalten, Nach Auskunft von Koch fährt Opel jeden Tag Verluste von drei Millionen Dollar ein. Ein schneller Vertragsabschluss spare somit 100 Millionen Euro Steuergelder im Monat. Kommt es zu einem Vertrag, hat die Bundesregierung zugesagt, dem neuen Besitzer weitere drei Milliarden Euro zu Restrukturierung von Opel als Bürgschaft zur Verfügung zu stellen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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