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Internetseiten wie am Fließband

Mit ihrer Online-Agentur Euroweb legen Christoph Preuß und Daniel Fratzscher ein hohes Tempo vor



Die normalen Jalousien an den Fenstern reichen den Webdesignern nicht aus. Über ihren Arbeitsplätzen in dem gläsernen Großraumbüro haben sie weiße Sonnenschirme aufgebaut, damit sich auf den Computerbildschirmen bloß nichts spiegelt. Am Düsseldorfer Firmensitz von Euroweb produzieren 65 junge Frauen und Männer Internet-Auftritte fast wie am Fließband - genauso wie ihre 40 Kollegen in Berlin. Jeden Tag werden bei Euroweb 13 Webseiten fertiggestellt; im vergangenen Jahr waren es insgesamt 3350 Homepages, 43 Prozent mehr als 2007.

Zu den Kunden der Online-Agentur zählen nur wenige bekannte Namen. Die beiden Gründer Christoph Preuß (37 Jahre) und Daniel Fratzscher (40) haben sich von Anfang an auf den Mittelstand konzentriert. Ob eine Glaserei in Erlangen, ein Hotel in Jena oder eine Kartbahn in Laatzen - für 14 000 kleinere Betriebe hat Euroweb schon den Internet-Auftritt gestaltet.

Diese Zielgruppe zu bedienen bedeutet viel Arbeit für den Vertrieb. Knapp die Hälfte der rund 400 Mitarbeiter versucht an den 38 Standorten Handwerksbetriebe, Rechtsanwälte, Ärzte, Küchenstudios oder Privatschulen als Kunden zu gewinnen. Dafür ist viel Überzeugungsarbeit nötig. "Machen Sie einem 50 Jahre alten Schreinermeister mal deutlich, wie wichtig das Internet für ihn ist", sagt Preuß. Ein virtuelles Produkt sei schwer zu erklären. Und jeder Kunde wolle individuell beraten werden. "Da den Nagel auf den Kopf zu treffen ist nicht einfach."

In einer 80-Quadratmeter-Wohnung mit fünf Mitarbeitern hat Euroweb 2001 seinen Anfang genommen. Der Diplom-Ingenieur Preuß, zunächst Assistent der Geschäftsführung bei einem Hersteller von Feuerwehrautos, wollte am Internet-Hype teilnehmen. "Sonst hätte ich mir später Vorwürfe gemacht." Er wechselte zum Internet-Start-up Proximedia, wo Diplom-Kaufmann Fratzscher die Geschäfte führte. Beide reizte der Gedanke, "ein neues Produkt aufzusetzen".

Sie kauften die Reste einer insolventen Nürnberger Internetfirma auf und gründeten nur mit eigenen Finanzmitteln ihr Unternehmen, das inzwischen auf Rang sieben unter den deutschen Newmedia-Agenturen rangiert, hinter Branchengrößen wie T-Systems, Pixelpark und Sinner Schrader. Für diesen Aufstieg erhielten sie 2008 den Düsseldorfer Unternehmerpreis. Nach vier Umzügen innerhalb der Landeshauptstadt residiert Euroweb jetzt in einem modernen Bürogebäude im Stadtteil Heerdt samt einer mit Lounge-Möbeln ausgestatteten Dachterrasse. Gerade wurde eine weitere Etage angemietet, weil der Platz mal wieder nicht ausreicht.

Rund 100 Mitarbeiter will Euroweb in diesem Jahr neu einstellen, vor allem für das Design der Internetseiten. Der Beruf des Mediengestalters - so nennt sich die Ausbildung - sei "sehr hip bei jungen Leuten", sagt Preuß. Seiner Belegschaft mit einem Durchschnittsalter unter 30 Jahren bescheinigt er eine hohe Motivation. Für viele sei das Internet schließlich ihr Hobby. Die besten Designer dürfen auch schon mal zu Fortbildungen in die Vereinigten Staaten fliegen.

Für die derzeit 33 Azubis bestehen laut Fratzscher und Preuß gute Chancen, übernommen zu werden. "Von der Wirtschaftskrise merken wir nichts", stellt Fratzscher fest. "Unser Marktsegment läuft besser als die Großkunden." Im ersten Quartal seien 63 Prozent mehr neue Kunden angeworben worden. Die kleineren Betriebe verlagerten ihr Marketing-Budget von Zeitungsanzeigen ins Internet. Wie in den Vorjahren soll der Umsatz (zuletzt 23 Millionen Euro) auch in diesem Jahr wieder um 30 Prozent zulegen. Und das Potential für die Zukunft sei mit drei Millionen Firmen in Deutschland riesig.

Ihre Kunden bindet die Euroweb Internet GmbH langfristig an sich. Im Gegensatz zur Konkurrenz wird die Internetseite nicht verkauft, sondern für rund 130 Euro je Monat "vermietet". Vier Jahre beträgt die Mindestlaufzeit des Vertrags. "95 Prozent unserer Kunden hatten vorher schon eine Homepage", berichtet Fratzscher. "Aber das Design war überholt und die Inhalte nicht mehr aktuell." Auch Unternehmens-Videos für die Homepage bietet Euroweb an. Zudem helfen die Düsseldorfer den Unternehmen dabei, mit ihrer Internetadresse bei der Suchmaschine Google weit oben zu erscheinen. Mittels einer eigenen 0800er-Nummer lässt sich genau nachvollziehen, wie viele Kunden über die Google-Anzeige gewonnen wurden. "Den Nutzen können wir hier transparent messen", verspricht Fratzscher. Mehr als 1000 Firmen nutzen derzeit diesen Service.

Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter sehen im Online-Marketing "ein starkes Wachstumsfeld". Expandieren wollen sie zudem im Ausland. In Österreich und Frankreich befindet sich das Geschäft im Aufbau, von 2010 an sollen Italien, Großbritannien, Spanien und die Schweiz dazukommen. In Bulgarien unterhält die Agentur ein Softwareentwicklungszentrum mit 40 Mitarbeitern.

Seit 2008 sponsert die Sport-Stiftung von Euroweb den Kunstturner Fabian Hambüchen. Für seinen Internetauftritt heimsten die Designer schon mehrere Auszeichnungen ein, darunter den Interactive Media Award 2008. Aber die Verbindung zu Hambüchen ist nicht nur virtuell: Kürzlich hat er bei einer großen Party von Euroweb im Düsseldorfer Theater der Träume bis in die Nacht mitgefeiert. CHRISTINE SCHARRENBROCH

Text: F.A.Z.