05. März 2004 Die Signale sind weniger versteckt als man es bei Computer-Viren erwarten würde: Hey, NetSky, fuck off you bitch, don't ruine our business, wanna start a war?, heißt es im Code des Beagle-Virus. Innerhalb weniger Stunden, so entdeckte Kaspersky Labs, Hersteller von Antivirensoftware, tauchten jüngst fünf Modifikationen der derzeit gängigen virtuellen Plagegeister Bagle/Mydoom auf - stets versehen mit einer neuen Botschaft an den Feind aus dem NetSky-Lager. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entsteht dadurch die bisher größte Gefahr durch digitale Viren und Würmer.
Experten glauben, daß sich die Viren-Programmierer seit Ende Februar einen regelrechten Machtkampf und Bandenkrieg im Internet liefern, berichtet die Computerzeitschrift PC Professionell. Wer da die Oberhand gewinnt, könnte den gemeinen Internet-User kalt lassen, hätte die Auseinandersetzung nicht Auswirkungen, die jeden betreffen. Durch den Konkurrenzkampf treiben sich die beiden Lager gegenseitig zu Höchstleistungen. Die Folge: Eine Flut von sich rasend schnell per E-Mail ausbreitenden Viren. Eine so außergewöhnliche Anhäufung erfolgreicher Wurmattacken wie in der vergangenen Woche habe es zuvor niemals gegeben, stellte BSI-Sprecher Michael Dickopf am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP fest.
Virus contra Virus
Die aktuelle Generation der PC-Krankmacher ist dabei besonders perfide. Ein Beispiel: Eine Beagle-Variante verschlüsselt sich beim Versenden via elektronischer Post selbst. Durch zufällig erzeugte Verschlüsselungs-Passwörter sieht der Virus jedes Mal anders aus und ist dadurch nur von wenigen, aktuellen Virenscannern erfaßbar. Ein Gros der Schutz-Software tappt sogar im dunkeln, läßt sich doch durch den Verschlüsselungsmechanismus kein Muster erkennen.
Ausgelöst wurde der Bandenkrieg von den Programmierern des NetSky-Internetwurms. Dieser Virus plagt nämlich nicht nur die User, sondern ärgert auch die Konkurrenz, indem er Beagles und Mydooms einfach deaktiviert. Die hat sich das natürlich nicht gefallen lassen. Einige Experten glauben, daß der Bandenkrieg der Programmierer ein Ablenkungsmanöver für einen bevorstehenden Großangriff auf die weltweiten Netze sein könnte. Richard Clarke, amerikanischer Sicherheitsexperte und früherer Regierungsberater, gehört dazu. Er befürchtet, daß wir vor einem gut koordinierten und groß angelegten Virenangriff mit weltweitem Schadenspotential stehen. Auch das BSI befürchtet einen bisher nie dagewesenen Angriff. Schon jetzt verursache der Viren-Krieg hohe Kosten für alle Nutzer des gefährdeten Betriebssystems Windows. Denn nur wer praktisch täglich neue Virenscanner erwirbt, könne mit dem Tempo der Attacken halbwegs mithalten.
Text: @dho, mit Material von AFP
Bildmaterial: dpa/dpaweb