06. Mai 2008 Mindestens eines der am Wochenende in einer Tiefkühltruhe in Wenden gefundenen Babys hat nach seiner Geburt gelebt. Dies ergab eine am Dienstag in Dortmund durchgeführte Obduktion der Leiche. Nach ersten Erkenntnissen der Gerichtsmediziner wurde das Mädchen lebend geboren und war lebensfähig, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.
Die Mediziner fanden keine Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung und keine Missbildungen. Toxikologische und feingewebliche Untersuchungen zur weiteren Bestimmung der Todesursache stehen noch aus. Die beiden anderen aufgefundenen Kinderleichen werden voraussichtlich am Mittwoch obduziert.
Die drei Neugeborenen waren Mädchen
Die drei Neugeborenen waren demzufolge Mädchen. Die 44 Jahre alte Frau, die in einem Teilgeständnis eingeräumt hatte, die Kinder vor vielen Jahren in der Truhe abgelegt zu haben, befindet sich weiter in einem Justizkrankenhaus. Sie ist derzeit vernehmungsunfähig. Die Ärzte entscheiden, wann sie von der Mordkommission befragt werden könne, erklärte die Staatsanwaltschaft.
Ob sich die Vermutung, dass die Neugeborenen seit Ende der 80er Jahre in ihrem eisigen Versteck gelegen haben könnten, durch die Untersuchungen bestätigen lässt, war zunächst unklar. Eine Lokalzeitung, in die einer der Leichname eingewickelt war, lässt darauf schließen, dass das Mädchen im Dezember 1988 zur Welt kam und in der Kühltruhe versteckt wurde.
Suche nach einer Tiefkühl-Pizza
Entdeckt wurde das kaum vorstellbare Geschehen am Samstag durch Zufall. Bei der Suche nach einer Tiefkühl-Pizza fand der 18 Jahre alte Sohn der 44-Jährigen auf dem Boden der elterlichen Kühltruhe drei Pakete. Als er eins davon öffnete, stieß er auf den Arm und den Kopf einer seiner Schwestern. Einen Tag später meldete sich die Familie bei der Polizei.
Die Familie aus dem Dörfchen Möllmicke bei Wenden war bisher völlig unauffällig. Es gibt bei uns keinerlei Akten, sagte der Fachdienstleiter des Olper Jugendamtes, Thomas Droste. Der nordrhein- westfälische Familienminister Armin Laschet (CDU) geht davon aus, dass der Staat solche Fälle nicht verhindern kann. Da es keine Akten über die Familie gebe, griffen auch soziale Frühwarnsysteme nicht, sagte er der Westfalenpost (Dienstagausgabe). Man könne nicht hinter jedes Kinderbett einen Sozialarbeiter stellen. Laschet betonte aber, dass die Zahl der Babymorde in den vergangenen Jahren nicht zugenommen habe: Offenbar schaue die Gesellschaft aufmerksamer hin.
Text: ddp/dpa
Bildmaterial: AP
