Die Verwendung eines 'antiken' deutschsprachigen Ortsnamens aus dem osteuropäischen Raum statt des slawischen oder slawisierten neuen Namens wird von den heutigen Bewohnern durchaus nicht als negativ empfunden. Die kennen meistens die Geschichte besser als diejenigen, die sich vor lauter politischer Korrektheit stündlich einnässen.
Entgegen den Vorstellungen der Nationalisten aller Nationen ist Geschichte etwas Gemeinsames - auch östlich von Oder und Neisse.
Ich war einmal ins Deutchland, aber my Deutsch ist nicht gut. Ich moechte mit der Bahn zum Karlsruhe gehen und habe jemand nach der Bahn gefragt. Der Mann arbeitete dort fuer den Bahn aber er machte es als ob er hat mir nicht verstanden.
Als ich junge war, kam ich zum Amerika und wusste kein English. Der Lehrer fragte wo war Marco Polo gegangen. Ich habe gesagt 'China' aber er sagte nein und spater sagte er der Wort wie man sagt es auf English - "chai - nah". Verdammt Lehrer.
... denen ich noch eine Variante hinzufügen möchte, die mich seit frühester Jugend verfolgt: Ich bestelle mir gerne ein Roastbeef und versuche, dieses auch halbewegs korrekt auszusprechen. Dabei ernte ich, zumindest in meiner norddeutschen Heimat, häufig völliges Unverständnis. Dann klären der Schlacher oder die Kellnerin mich auf: "Ach, Sie meinen wohl Rossbeef?"
Oft bin ich versucht, mich kleinlich zu geben: "Nein, ich bestehe darauf, dass das Fleisch vom Rind kommt, nicht vom Pferd! Meist aber beschränke ich mich darauf, innerlich zu seufzen...
Es ist ein im deutschen Sprachraum offenbar noch immer fest zementiertes Vorurteil, Sprecher mit einer oberdeutschen Sprachfaerbung oder gar von oberdeutschen Dialekten spraechen " schlechter " und seien daher eo ipso " baeuerischer " und ungebildeter als Sprecher etwa von norddeutscher Umgangssprache, Slangs oder auch Dialekten. Besonders deutlich wird dies am etablierten Sprachgebrauch in Rundfunk und Fernsehen. Die allgemeine Umgangssprache ist dort jedenfalls kein Hochdeutsch, sondern wie selbstverstaendlich eine Art norddeutscher Umgangssprache. Bezeichnenderweise gibt es zumindest in ueberregionalen Medien keine berufsmaessigen Sprecher oder Moderatoren, die eine oberdeutsche Sprachfaerbung erkennen liessen. Sie werden offenbar erst gar nicht eingestellt oder ihr " Mangel " wird ihnen abtrainiert ( diskriminiert ? ). Viele Sueddeutsche wechseln daher in der Oeffentlichkeit nahezu automatisch auf das ueber, was derart definiert als " Hochdeutsch " angesehen wird, um ihren sozialen Status nicht ohne Not abzuwerten. In den Schulen wird diese Tendenz unter Inkaufnahme des Verlustes an kultureller und historischer Identitaet nach wie vor gefoerdert. Bayerisch gilt an Muenchner Schulen mittlerweile als so gut wie ausgestorben.
Die uns angeborene deutsche Mentalität zwingt uns, alles korrekt und ordentlich eben in der Originalphonetik auszusprechen, sonst könnte der Gegenüber ja denken, dass man dumm und ungebildet sei. Die Strömungen und deren Einfluss auf unsere Sprachgewohnheiten sind deshalb in unserer Geschichte seit langem deutlich sichtbar. Beim alten Fritz war es das Französische, und seit dem 20. Jahrhundert ist es vorwiegend das Englische, das nun Einfluss gewonnen hat und immer mehr gewinnt. Das ist auch in Ordnung, sofern die originalen Wörter meistens im technischen oder vielleicht auch im modischen Bereich unverändert übernommen werden, wie beispielsweise Computer oder Deospray. Aber völlig unverständlich ist die Wortschöpfung „Handy“ für das mobile Telefon. Den englischen Begriff als Bezeichnung für ein mobiles Telefon gibt es nur im Deutschen. In der Originalsprache ist er etwas was völlig anderes und das, obwohl wir alles korrekt und richtig aussprechen wollen und uns oft dabei die Zunge verknoten. Kein Mensch der englisch sprechenden Bevölkerung benutzt unser Wort. Ist das nicht schlimm?
In Schleswig Holstein (das ist für Engländer schon ein lustiger Zungenbrecher) gibt es eine Stadt namens Bad Oldesloe:
Ganz klare englische Aussprache: bad old 'n slow !
Very nice...
Auch die verträumte Stadt Ratzeburg (Ruder-Achter!) muss mit einem "Binde-N" gesprochen werden: Ratze-n-burg...
Und kein Engländer (vermutlich auch kein Amerikaner) würde auf FrÄnkfört, HÄmbörg oder Niürembörg verzichten wollen...
Und irgendwie geht das auch...
Auch wenn ich es für billigen Opportunismus - und nicht für politische Korrektheit - halte wenn ich Peking jetzt (nach vielen Hundert Jahren der Gewöhnung) Beijing ausspreche!
Grüße
aus bad old'n slow
Interessanterweise ist es eine Deutsche (Un-)art Namen - von Städten und auch von Personen - in der jeweiligen Landessprache auszusprechen.
Andersherum ist das undenkbar (Paradebeispiel: F). Nun mag das bei Personen des öffentlichen Lebens und Leuten, mit denen man sich gerade unterhält noch eine Höflichkeit darstellen, aber wenn ich die Geburtsstadt meiner Großmutter nicht mehr Königsberg nennen darf, ist das bereits elendigliche Selbsverleugnung!
Wie schon zuvor erwähnt, werde ich nicht "Parih" zur französischen Hauptstadt sagen und die polnischen und russischen Zungenbrecher erspare ich mir schon deshalb, weil ich mich nicht lächerlich machen will. Etwa so wie verschiedene Journalisten, die Herrn Wallessa auf "echt polnisch" aussprechen möchten [etwa: waù_e~nsa].
Belustigend ist es noch in Erinnerung wie ein recht gut deutschsprechender französischer Gastkommentator während der Tour de France von "Schòh Ü^riq" sprach... er meinte Jan Ulrich! Der deutsche Reporter retournierte lächelnd mit [deutsch ausgesprochen] "Richard Virenk", was auf absolutes Unverständnis stieß.
Ist schon einmal jemand in Frankreich (oder den USA) auf dem Flughafen ausgerufen worden???? Derjenige kann das nachvollziehen...
;)
Was soll denn das mit politischer Korrektheit zu tun haben? Menschen haben es gerne bequem und so sprechen wir auch unsere Sprachen. Das Wort "Mailand" geht mir halt leichter von den Lippen als das Wort "Milano". Letztens musste ich mich belehren lassen dass es nicht "Barcelona" (das "c" gesprochen im Deutschen wie "z") sondern ausgesprochen "Barss(!)elona" heißt. Meine Entgegnung, dann müssten wir auch statt Rom auch Roma sagen und Paris wie "Pari" aussprechen stieß dann nur auf Kopfschütteln. Dass wir heute Köln Köln nennen und nicht "Colonia Agrippina" hat auch nichts mit politischer Korrektheit zu tun sondern ganz einfach damit, dass Deutsch unsere offizielle Verkehrsprache ist. Ich nehm es auch keinem Amerikaner übel, wenn er "Cologne" statt Köln sagt. Das ist einfach eine Sache der Höflichkeit (und außerdem wäre es eine Zumutung: Haben Sie mal einen Amerikaner gehört der versucht das Wort Köln auszusprechen? Ähnlich wird es Ausländern gehen, die zuhören müssen wie wir fremde Wörter versuchen auszusprechen). Das wir dann aber häufig trotzdem noch fremde Sprachen lernen und versuchen richtig auszusprechen, tut der Sache ja keinen Abbruch. Aber ich kann von der Aussprache her nicht ein paar hundert Fremdsprachen beherrschen.
Einen weiteren Gesichtspunkt haben Sie vergessen: die politische Korrektheit.
Viele osteuropäischen Städte tragen seit vielen Jahrhunderten auch deutsche Namen wie Reval, Preßburg, Agram oder Laibach, aber die politische Korrektheit erfordert, die Namen Tallinn, Bratislava, Zagreb oder das für deutsche Zungen fast unaussprechliche Ljubljana zu verwenden. Auch die deutsche Wikipedia benutzt hier immer die nichtdeutschen Namen.
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