Präsidenten-Tochter Jenna Bush

Vom Partygirl zur Ehefrau

Von Katja Gelinsky, Washington

07. Mai 2008 Drei Monate waren sie zusammen, da sprach er kühn: „Ich liebe dich.“ Daraufhin Jenna Bush: „Oh, ich liebe dich auch, willst du nicht heiraten?“ Aber so eilig wie sein künftiger Schwiegervater, George W. Bush, der seine Laura 1977 schon nach einem Vierteljahr zum Traualtar führte, hatte Henry Hager es nicht.

„Dabei habe ich ihm die Hölle heiß gemacht“, erzählte die 26 Jahre alte amerikanische Präsidententochter im Interview mit „Vogue“. Wie sehr sie das Thema Hochzeit beschäftigte, gab Jenna auch im feinen Restaurant „Asia Nora“ zum Besten, wo der blonde Bush-Zwilling im Frühjahr 2006 mit ihrem Liebsten tafelte.

Inzwischen waren zwei Jahre ins Land gegangen, seit die Präsidententochter den drei Jahre älteren Wirtschaftsstudenten aus republikanischem Elternhaus während der Kampagne zur Wiederwahl ihres Vaters kennengelernt hatte.

Das Brautpaar: Jenna Bush und Henry Hager Ähnlichkeiten? Tochter Jenna und Mutter Laura Bush Die Präsidententochter empfängt Papst Benedikt XVI. Die Bush Twins: Jenna und ihre Zwillingsschwester Barbara Werbung für die Hochzeit oder den Vater?

„Habt ihr auch zwei Zelte?“

Zum Dessert ließ Hager Champagner kommen - mit einem Zettel, der an Jennas Glas klebte. Was drauf stand, weiß man bis heute nicht. Jedenfalls waren es nicht die erwarteten Worte. Das ließ die Präsidententochter jeden im Lokal wissen. „Ich dachte, du würdest mir einen Antrag machen“, rief Jenna laut lachend. „Ich hätte mir beinah in die Hosen gemacht.“

Als Hager dann im August 2007 endlich zur Tat schritt, war sie völlig ahnungslos. Die beiden machten Wanderurlaub - was Präsident Bush alarmierend fand. „Habt ihr auch zwei Zelte?“, hatte der besorgte Vater seine Tochter vor der Tour gefragt.

Jennas Schilderungen klingen nicht so, als sei das der Fall gewesen. „Wir wollten den Berg Cadillac besteigen, den höchsten Berg im Nordosten. Dort geht die Sonne angeblich zuerst in den Vereinigten Staaten auf. Henry weckte mich um vier Uhr in der Früh. Er war ganz aufgeregt, aber ich wollte nicht um vier Uhr morgens wandern

„Kein ernsthafter Freund“

Es war eiskalt. Wir sind dann für eineinhalb Stunden im Dunkeln gewandert. Und als wir uns dem Gipfel näherten und die Sonne aufging, da hat er mich gefragt . . . „Von wegen bloß ein „netter junger Mann“ und „kein ernsthafter Freund“, wie First Lady Laura Bush anfangs im Fernsehen versichert hatte. So viel Sinn für Romantik hatte ihr George vor fast 31 Jahren nicht bewiesen. Laura Bush kann sich nur noch erinnern, dass der Präsident sie irgendwann gefragt habe: „Willst du mich heiraten?“

Nun soll also Jennas Hochzeit gefeiert werden. Am nächsten Samstag ist es so weit. Ein glanzvolles Fest im Weißen Haus werden die Amerikaner allerdings nicht erleben. Während andere Paare um die halbe Welt fliegen, um sich an spektakulären Schauplätzen das Jawort zu geben, flieht Jenna Bush vor der pompös-präsidialen Kulisse in Washington.

Zwanglose Familienfeier auf der Ranch

In Texas will das Mädel heiraten, auf der Ranch der Eltern im verschlafenen Crawford. Eine „zwanglose, natürliche Familienfeier“ hat die Braut sich gewünscht, ohne Empfang für Honoratioren, ohne Ball und vor allem ohne Medienrummel. Ein, zwei offizielle Bilder vom Brautpaar will man veröffentlichen, mehr soll die Welt von der Hochzeit der Präsidententochter nicht mitbekommen.

„Washington ist nicht mein Zuhause“, erzählte Jenna Bush im amerikanischen Fernsehen. „Ich bin in Texas aufgewachsen. Dies ist ein spezieller Tag für mich, den ich mit Henry und meiner Familie feiern möchte.“ Das Weiße Haus sei ihr zu glamourös, „ich bin eher ein rustikaler Typ“.

Von 16 amerikanischen Präsidentenkindern, die während der Amtszeit ihres Vaters geheiratet haben, gaben sich neun im Weißen Haus das Jawort. Die vorläufig letzte Hochzeit an der Pennsylvania Avenue erlebte Amerika Anfang der siebziger Jahre.

Nur Ergreifung Bin Ladins verschafft mehr Popularität

Am Fernsehbildschirm konnte die Bevölkerung mitverfolgen, wie Präsident Nixons Tochter Tricia und Bräutigam Edward Cox Ringe im Rosengarten tauschten. Mit einer königlichen Zeremonie hatte das Magazin „Life“ die Hochzeit damals verglichen. Doch die häuslichen und bodenständigen Bushs hatten ohnehin nie das Bedürfnis, in Washington gesellschaftliche Glanzlichter zu setzen.

Im Übrigen hätte es gewiss Stimmen gegeben, die bei einer opulenten Hochzeit im Weißen Haus empört auf den Krieg im Irak, die Hypothekenkrise und auf die Wirtschaftsflaute verwiesen hätten. Andererseits behauptet sogar mancher Demokrat, eine prachtvolle Hochzeit könne die Stimmung heben.

Doug Wead, ein früherer Berater von Präsident Bush und Autor eines Buchs über die Sprösslinge amerikanischer Präsidenten, geht sogar so weit zu behaupten, dass sich nichts besser eigne, um Bushs Popularitätswerte in die Höhe zu treiben - „es sei denn, es gelingt, Usama Bin Ladin zu finden“.

Kaffeebecher mit Brautpaar-Konterfei

Da verwundert es nicht, dass Jenna einen „gewissen Druck“ verspürt hat, in Washington zu heiraten. Umso geschmeichelter fühlen sich die Texaner, dass die Hochzeit, zu der zweihundert Gäste geladen sind, nun bei ihnen stattfindet.

Die Andenkenläden in Crawford haben ihr Angebot an Bush-Souvenirs schon um Kaffeebecher mit dem Konterfei der Verlobten ergänzt. Vom Hochzeitsfest auf der abgelegenen Präsidentenranch werden allerdings auch die Bewohner des Siebenhundert-Seelen-Dorfes kaum etwas mitbekommen. „Sehr natürlich“ solle alles wirken, verriet Laura Bush immerhin.

Dominierende Farben würden die der texanischen Frühlingsgräser sowie Wildblumen sein, die die First Lady auf der Ranch hat säen lassen. In Grün, Blau, Lavendel und Fuchsia sind denn auch die kurzen, leichten Chiffonkleider gehalten, die die aus Texas stammende Designerin Lela Rose für 14 Begleiterinnen der Braut entworfen hat.

Kleid von Oscar de la Renta

Etwas opulenter durfte Roses Entwurf für die Brautjungfer sein. Jennas Zwillingsschwester Barbara wird ein langes, schimmerndes Kleid mit tiefem Rückenausschnitt in „Mondsteinblau“ tragen. Die Braut selbst hat sich für ein „sehr strukturiertes“ Organzakleid mit Stickerei entschieden. Das Design stammt von Oscar de la Renta, dem New Yorker Designer, der First Lady Laura Bush schon für verschiedene Anlässe eingekleidet hat.

Der Bräutigam hat das Kleid natürlich noch nicht gesehen, „denn Henry ist der größte Traditionalist“, wie seine künftige Frau behauptet. Tatsächlich verfügt der Schwiegersohn über eine durch und durch republikanische Vita. Sein Vater, John Hager, war einst der stellvertretende Gouverneur von Virginia und arbeitete unter Bush als Ministerialdirektor im Bildungsministerium.

Derzeit ist er Vorsitzender der Republikanischen Partei von Virginia. Hager jr., der demnächst bei einem Energieunternehmen in Baltimore arbeiten wird, war 2003 Praktikant bei Bushs Chefstrategen Karl Rove, bevor er dann in der Kampagne zur Wiederwahl des Präsidenten mitarbeitete.

Boyfried-test bestanden

Aber diese Meriten reichten noch nicht ganz aus. Zusätzlich musste Hager den boyfriend-test bestehen, das heißt, mit Bush auf dem Mountainbike mithalten. Die Prüfung hat der künftige Schwiegersohn offenbar zufriedenstellend absolviert. Denn als er später beim Präsidenten um Jennas Hand anhielt, erwiderte Bush auf der Stelle: „abgemacht.“

Auch die First Lady reagiert längst nicht mehr abwehrend. „Jenna und Henry sind Seelenverwandte“, schwärmt sie. Beim besagten Wanderurlaub haben Braut und Bräutigam angeblich abends im Zelt ihre Lieblingsbücher aus der Schulzeit gelesen.

Jenna ist ja mittlerweile selbst erfolgreiche Autorin. Nach einem Unicef-Praktikum in Südamerika 2006 schrieb sie für Teenager ein Buch über das Schicksal einer siebzehnjährigen alleinerziehenden aidskranken Mutter aus Panama.

Zur Vorzeigetochter gemausert

„Ana's Story“ verbinde „Nächstenliebe, mitfühlenden Feminismus und Psychologie zu einem bewegenden und effektiven Weckruf“, lobte die renommierte Politikzeitschrift „Foreign Affairs“. Soeben frisch in den Buchläden erschienen ist Jenna Bushs zweites Buch, das sie zusammen mit ihrer Mutter verfasst hat. „Read All About It“ ist ein Kinderbuch für Lesemuffel, wie sie die Präsidententochter und First Lady als Lehrerinnen erlebt haben.

Kein Zweifel: Jenna Bush hat sich zu einer Vorzeigetochter gemausert. Dabei hatte die Laura-Bush-Biographin Ann Gerhart vor einigen Jahren noch so über die Zwillinge geschimpft: Mit allem gesegnet, zeigten die ungezogenen Gören weder Interesse für die gewaltigen Herausforderungen ihrer Generation, noch nähmen sie Rücksicht auf ihre bedauernswerten Eltern. Stattdessen amüsierten sich die Studentinnen auf Partys und in Kneipen.

George W. Bushs wilde Tochter

Insbesondere Jenna hatte keine Lust, die brave Präsidententochter zu geben. „Mach dich bereit, Amerika, hier kommt George W.s wilde Tochter!“, titelte die Klatschzeitschrift „Enquirer“. Zweimal innerhalb weniger Wochen geriet die damals Neunzehnjährige mit dem Gesetz in Konflikt, weil sie - wie etliche ihrer Kommilitonen auch - nicht bis zum 21. Geburtstag warten wollte, um in der Kneipe ein Bier zu bestellen.

Unvergessen ist ebenfalls, wie Jenna während der Kampagne ihres Vaters zur Wiederwahl 2004 Journalisten und Fotografen die Zunge herausstreckte. Die Trotzphase ist längst überwunden, aber die Rolle der Präsidententochter betrachtet Jenna Bush weiterhin als Bürde. „Noch bis zum 20. Januar 2009, dann können wir zuschauen, wie über die Kinder von jemand anderem Unwahrheiten verbreitet werden.“



Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP, ASSOCIATED PRESS, REUTERS

Designer ABC

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche