Von Thomas Veser
02. August 2005 Nie mehr Afrika, gelobte die Agaringenieurin Gabi Zink, als sie Ende der neunziger Jahre nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Tansania nach Deutschland zurückkehrte. In dem ostafrikanischen Land arbeitete sie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Ressourcenschutz und in der Wiederaufforstung.
Ernüchtert von ihren Begegnungen mit Armut und Aids, hatte die 46 Jahre alte Frau aus Schwäbisch Gmünd keine Visionen mehr für den Kontinent. Sie wollte von nun an in Deutschland bleiben und fand bald eine Stelle als Marketingverantwortliche in einer Naturkost-Zeitschrift.Daß es dennoch nur eine Rückkehr auf Zeit war, erkannte Gabi Zink, als eine tansanische Bekannte in Bonn einen Preis für ihre Verbesserung von Kochherden bekam. Ihr Auftritt und ihre Rede haben meinen Enthusiasmus wieder entfacht, erinnert sich Gabi Zink. So bewarb sie sich wieder um eine Stelle als Agrarexpertin, diesmal beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Bonn.
Der 1963 gegründete Verband, der sich als gemeinnützige Gesellschaft durch Mittel aus dem Bundeshaushalt finanziert, schickte sie in das westafrikanische Land Benin. Dort übernahm sie im Auftrag der Bonner Welthungerhilfe (DWHH) die Stelle einer Projektleiterin im Norden des Landes. Die Welthungerhilfe ist ein vor allem auf Nothilfe und landwirtschaftliche Entwicklung ausgerichtetes Hilfswerk. Bis zum Jahr 2007 koordiniert Gabi Zink nun den Ressourcenschutz in einer Region, die bislang vor allem vom Baumwollanbau lebte und wegen des anhaltenden Sinkens der Rohstoffpreise andere landwirtschaftliche Sektoren sucht.
Die ersten Wochen waren ein Kulturschock
Gabi Zink gehört zu den rund 1.000 Fachkräften, die gegenwärtig im DED-Auftrag in 40 Ländern tätig sind. Wer sich dort bewirbt, benötigt einen passenden Berufsabschluß. Darunter versteht der DED einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluß, eine mindestens zweijährige Berufserfahrung und darüber hinaus Fremdsprachenkenntnisse, vorzugsweise Englisch, Französisch, Spanisch oder Portugiesisch. Eigene Projekte unterhält der DED nicht, er vermittelt lediglich qualifiziertes Personal, das bereit sein soll, sich im Kampf gegen die Armut einzusetzen. Und das, laut Homepage, mit Toleranz, sozialer Kompetenz und Flexibilität für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Schaffung demokratischer Strukturen und die zivile Konfliktbereinigung.
Trotz Afrika- und Asien-Erfahrung erlebte Gabi Zink die ersten Wochen an ihrer neuen Wirkungsstätte als Kulturschock. Langsam habe sie sich wieder an die Lebensbedingungen gewöhnt, doch mit den Menschen konnte sie noch nicht richtig ins Gespräch kommen. Es fehlt die Rationalität, an die wir in Europa gewöhnt sind. Es gelang mir einfach nicht, mich richtig verständlich zu machen. Bisweilen vermißt sie im ländlichen Norden Benins auch Kinos und Theater sowie den Freundeskreis in Deutschland.
Dafür traf und trifft sich die Agraringenieurin regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen anderer DED-Projekte zu Fortbildungskursen und zum Erfahrungsaustausch. Da lernt man andere Ansätze und Ideen für die tägliche Arbeit kennen, sagt sie. Eine angemessene Wohnung hat ihr der DED zur Verfügung gestellt, er übernimmt auch Reisekosten und überweist nach dem Entwicklungshelfergesetz einen monatlichen Unterhalt von knapp 900 Euro. Für mitreisende Ehepartner und Kinder gäbe es eine zusätzliche Unterstützung. Hinzu kommen Urlaubsgeld, eine feste Summe von 3.300 Euro im Jahr und nach der Rückkehr eine finanzielle Wiedereingliederungshilfe. Während des Auslandsaufenthalts begleicht der DED weiterhin die vollen Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung.
Fähigkeit, sich in die lokalen Partner hineinzuversetzen
Für Gabi Zink, die nach dem Agrarstudium an der Universität Zürich den einjährigen Nachdiplomstudiengang für Entwicklungsländer absolvierte, gehört die Fähigkeit, sich in die lokalen Partner hineinzuversetzen, zu den Schlüsselkompetenzen ihrer Tätigkeit. Wer sich blind an die bei uns vorherrschenden Lehrbuchmeinungen hält, kommt oft nicht weit, berichtet sie.
In ihrem Projekt hatte sie etwa festgestellt, daß die Bauern bei der Wiederaufforstung Baumsetzlinge nach Belieben anordneten. Unser Hinweis, die Jungbäume müßten für die mechanische Bearbeitung der Flächen in einer Reihe gepflanzt werden, ist auf Ablehnung gestoßen, sagt Gabi Zink. Schließlich könne sich keiner der Bauern, die von der Hand in den Mund lebten, vorstellen, jemals über landwirtschaftliche Maschinen zu verfügen. Ändert man in solchen Situationen nicht flexibel den Kurs, dann fühlen sich die Menschen vor den Kopf gestoßen und lehnen womöglich das ganze Projekt ab, gibt sie zu bedenken,
Nicht das eigentliche Fachwissen ist gefragt, sondern Allround-Talent, bekräftigt Peter Hofmann. Der DED-Mitarbeiter hat in Bonn zunächst Agrarwissenschaft studiert und danach an der Berliner TU sein Examen in internationaler Agrarentwicklung gemacht. Schon lange vor dem Studium hatte ich diese Laufbahn im Kopf, erinnert sich der 39 Jahre alte Hofmann, der Afrika erstmals 1994 kennenlernte. Wegen des Völkermordes in Ruanda mußte er seinen Aufenthalt nach drei Monaten vorzeitig abbrechen; anschließend verbrachte er im Auftrag des DED dreieinhalb Jahre im Tschad.
Man muß lernen, mit Frustrationen umzugehen
Dort kümmerte sich Hofmann vorrangig um Ressourcenschutz, Ernährungssicherung und landwirtschaftliche Entwicklung. Damals konnte ich sehen, wie sich die Situation allmählich verbesserte und die lokalen Partner begeistert mitzogen. Offensichtlich hatten wir den Lebensnerv getroffen, sagt er. Dann aber hätten Rebellionen und Plündertouren durch das staatliche Militär, gefolgt von Hungersnöten, alle Bemühungen wieder zunichte gemacht. Man muß lernen, mit diesen Frustrationen umzugehen. Um für diese Situationen gewappnet zu sein, bedarf es eines besonderen Gespürs für sich entwickelnde Konflikte, lautet sein Resümee.
Mehr denn je müsse eine Fachkraft als Manager heute in der Lage sein, ihr Projekt und die zugeteilten Geldmittel professionell zu verwalten. Hofmann, dessen aktuelles DWHH-Projekt die Zivilgesellschaft von Benin stärken soll, merkt an, daß die Erwartungen der Partner oft von den Vorstellungen der Fachkräfte beträchtlich abweichen. So scheiterten viele Versuche, den unternehmerischen Geist in Afrika zu fördern, schlicht daran, daß Erfolgreiche die Mißgunst der Neider auf sich ziehen. Deshalb bleibt oft alles beim alten.
Besonderes Gespür für aufkeimende Konflikte
Peter Hofmann hat seinen Aufenthalt in Benin für fünf Jahre geplant, nach den DED-Regeln kann er dann um zwei Jahre verlängern. Auch nach seiner Rückkehr will er weiter in der Entwicklungshilfe arbeiten. Wer als Fachkraft einige Jahre im Ausland lebt, könne von dort aus nur schwer seine berufliche Zukunft im Heimatland vorbereiten. Man sollte auf jeden Fall dauerhaften Kontakt zu seiner Universität halten, und sei es nur über den elektronischen Newsletter, in dem über die neuesten Entwicklungen berichtet wird.
Daß Rückkehrer bei ihren Versuchen, sich beruflich wiedereinzugliedern, nicht unbedingt auf Rosen gebettet werden, bestätigt Ulrich Lottmann. Er ist Geschäftsführer des Förderungswerks für rückkehrende Fachkräfte der Entwicklungsdienste. Meist geben Personalchefs unumwunden zu, sie könnten mit den besonderen Fähigkeiten von Rückkehrern - also Belastbarkeit, Organisationstalent oder der vielbeschworenen interkulturellen Kompetenz - nicht besonders viel anfangen. Zudem werfe man den Rückkehrern häufig vor, sie hätten durch ihre jahrelange Abwesenheit den Anschluß an die neuesten Entwicklungen in ihrer Heimat verpaßt. Diese Erfahrungen, sagt Lottmann, veranlaßten viele Rückkehrer, sich nach erfolgloser Stellensuche erneut bei einer Einrichtung der Entwicklungszusammenarbeit zu bewerben.
Nähere Informationen gibt es unter:
www.ded.de und www.foerderungswerk.de
Text: F.A.Z., 30.07.2005, Nr. 175 / Seite 53
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