Sauna-Meisterschaft

„Es ist wie im Kochtopf“

Saunameister: Frank Böhm

Saunameister: Frank Böhm

07. Juli 2009 Frank Böhm wurde der beste deutsche Teilnehmer bei der „Internationalen Deutschen Sauna-Meisterschaft“ in Stralsund. Es geht beim Wettkampf-Saunieren darum, am längsten die Hitze auszuhalten zu ertragen.

Im FAZ.NET-Interview spricht des beste deutsche Saunierer über Hautirritationen und Trainingsmethoden.

Die Saunaritter aus Maintal

Die Saunaritter aus Maintal

Herr Böhm, am Wochenende waren Sie der beste deutsche Teilnehmer bei der „Internationalen Deutschen Sauna-Meisterschaft“ in Stralsund. Brennt die Haut noch?

Nein, mir geht es gut, ich habe nur noch eine leichte Blessur auf der Nase.

Eine Brandblase?

Nö, ist nur etwas gerötet, eine leichte Hautirritation. Mein Rücken ist okay, auch an den Beinen habe ich nichts, oder sagen wir: wenig.

Es geht beim Wettkampf-Saunieren darum, am längsten in der Hitze auszuhalten - bei 110 Grad, halbminütigen Aufgüssen und der unbequemen Regel, dass die Teilnehmer ihren Kopf nicht senken dürfen. Wie viele solcher Saunagänge haben Sie am Wochenende machen müssen?

Es waren zunächst zwei Gänge in der Vorrunde, da waren die Gegner aber noch schwach. Auch im Viertelfinale wurde ich Erster, mit 7:36 Minuten - nicht die Rede wert. Im Halbfinale saßen schon drei Finnen mit mir in der Sauna, und da habe ich mit 16 Minuten den deutschen Rekord aufgestellt. Im Finale um die Deutsche Meisterschaft wurde es mir nach zehn Minuten zu heiß, ich ging raus und wurde Zweiter. Doch dann ließ mir der Erste, der schon etwas älter ist und total erschöpft war, den Vortritt im wichtigsten Wettbewerb: dem internationalen Finale. Ich hatte einen guten Tag und wusste, dass da noch was geht.

Schwitzen für den Erfolg: Deutsche Saunameisterschaft in Stralsund

Schwitzen für den Erfolg: Deutsche Saunameisterschaft in Stralsund

Es folgte ein heißer Wettkampf. Sie blieben 20 Minuten und 21 Sekunden im Schwitzkasten. Bronzemedaille! Sie waren bester Deutscher, aber zwei Finnen waren noch vor Ihnen.

Wir deutschen Saunisten haben uns damit den Respekt der finnischen Saunawelt erkämpft! Das hat denen natürlich Angst gemacht, denn die Finnen werden sonst nie geschlagen. Jetzt waren drei Finnen hinter mir; fast hätte ich gewonnen. Man muss sogar sagen: Zum Glück haben zwei von ihnen noch gewonnen, sonst hätte sie das ernsthaft in ihrer Ehre verletzt. Hätte ich gewonnen, wäre die Stimmung bei der anschließenden Party außerdem auf dem Nullpunkt gewesen.

Na, ein Glück. Wie haben Sie es dann geschafft, so lange durchzuhalten?

Ich bin ein Saunaextremist und habe mir gedacht: Die kochen doch auch nur mit Wasser. 80 Zuschauer haben mich angefeuert, meine Vereinskollegen von den Saunarittern aus Maintal, aber auch die Polen und Esten, weil ich krasser Außenseiter war. Und dann kam nach 14 Minuten meine Wunschmusik: „Engel“ und „Sonne“ von Rammstein. Das motivierte! Sofort nach mir ist Timo Kaukonen, der mehrfache Weltmeister, rausgelaufen. Ich habe eigentlich noch immer nicht begriffen, was ich da getan habe.

Musste man Sie nicht heraustragen?

Ich habe nicht einmal gewankt, die Leute haben mich alle abgeklatscht und mir gesagt: „Du siehst ja noch ganz frisch aus.“ Es waren ja bei den Wettkämpfen sowieso immer Ärzte da, die einen Blick auf uns geworfen haben. Fairerweise muss man auch sagen, dass es irgendwann nicht mehr heißer wurde. Im Finale wurden 700 Milliliter aufgegossen, mehr als in den Vorrunden, und der Ofen hat das irgendwann nicht mehr geschafft. Es ist, wie im Kochtopf zu sitzen - und es wird irgendwann nicht mehr heißer.

Mussten Sie sehr hart für diesen Erfolg trainieren?

Wir Saunaritter haben alle zwei Tage in unserem Leistungszentrum in Maintal trainiert. Das hat sich auch für unsere Frauen rentiert: Beate Kopsick und Silvia Pfuhl sind Deutsche Meisterin und Internationale Meisterin geworden.

Anfang August finden die Weltmeisterschaften in Finnland statt. Sie werden doch wohl dahinfahren?

Das Problem ist, dass ich dann mit meiner Familie im Urlaub bin. Moment . . . zufällig sind wir in Dänemark, das ist doch gar nicht weit! Das muss ich jetzt nur noch meiner Familie verklickern.

Die Fragen stellte Jan Grossarth.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernhard Strohmeier

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