04. Februar 2008 Mit viel nackter Haut, farbenprächtigen Kostümen und Samba-Musik hat in Rio de Janeiro die weltberühmte zweitägige Karnevalsparade begonnen. Die sogenannte größte Party der Welt startete mit einem Schreck, als der Motor eines Allegoriewagens Feuer fing und viel Rauch sichtbar wurde. Danach gab es für die 90.000 Zuschauer im ausverkauften Sambodromo-Stadion nur Freude: Das ist einmalig, schrie eine 75-jährige Touristin aus Italien vor laufenden Kameras.
An dem Umzug, der am Montag und am Dienstag jeweils erst nach Sonnenaufgang zu Ende gehen soll, beteiligen sich insgesamt 14 Samba-Organisationen. Für die 800-Meter-Strecke benötigt jede der Escolas, der zumeist aus den Favelaslums stammenden Samba-Schulen, mit ihren Allegoriewagen und etwa 4000 Tänzern rund 80 Minuten. Die Parade wird von Millionen von Zuschauern in ganz Brasilien an den Fernsehern daheim, in Kneipen oder auf Partys verfolgt. Ein heftiger Regen, der den gesamten Sonntag über Rio niedergegangen war, hörte zur Freude der Narren kurz vor Paradebeginn auf.
Von Kriminalität überschattet
Der Karneval wird in diesem Jahr in Brasilien von der zunehmenden Kriminalität überschattet. Kurz vor Beginn der Parade der Sambaschulen in Rio teilte die Bundespolizei am Samstag mit, sie werde die Karnevalsorganisationen wegen illegaler Finanzierung durch Verbrechergruppen unter die Lupe nehmen. Seit Jahren wird vermutet, dass die Chefs des illegalen Wettspiels, die Bicheiros, die finanzielle Stütze der Samba-Schulen sind.
Rio de Janeiro erwartete zum diesjährigen Karneval die Rekordzahl von 750.000 Touristen aus dem In- und Ausland. Prominente wie Topmodel Naomi Campbell und der amerikanische Musiker Quincy Jones waren bereits vor mehreren Tagen in Brasilien eingetroffen. Tausende Beamte werden in Rio zwischen Sonntag und Mittwoch auf Sonderpatrouille geschickt.
Überraschung angekündigt
Überschattet wurde der Karneval in diesem Jahr auch von einem Streit um den Holocaust. Ein Motivwagen mit aufeinandergestapelten Pappmaché-Leichnamen samt Tänzern in Nazi-Uniformen dürfen nach dem Urteil einer Richterin nicht an der Parade in Rio teilnehmen. Die jüdische Gemeinde hatte den Wagen als unpassend kritisiert. Der Sprecher der Liga der Sambaschulen in Rio (Liesa), Hiram Araujo, prangerte das Urteil als Zensur an, mehrere Medien schlossen sich dem an. Der Chef der betroffenen Sambagruppe Viradouro, Marco Lira, kündigte als Protest eine große Überraschung an.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa-afx
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS