22. Dezember 2006 Gerhard Haszprunar, der Direktor der Zoologischen Staatssammlung München, weiß auch nicht, wo der Problembär des Sommers steckt. Aber er weiß, was mit ihm zu tun wäre. Was Haszprunar nicht mit Bruno tun würde: Ausstellen.
Bruno, der Bär, der im Sommer in Bayern sein Unwesen trieb, bis er getötet wurde, liegt auf Eis. Wäre er nicht ein schönes Ausstellungsstück für die Zoologische Staatssammlung München, deren Direktor Sie sind?
Die Frage ist, in welchem Zustand die Überreste sind. Als Jäger ihn erlegt hatten, wurde er noch im Sommer seziert. Es ist unklar, ob das Fell noch als Stopfpräparat geeignet ist. Zudem bin ich dagegen, das Tier als reine Trophäe auszustellen. Wenn uns die Staatsregierung aber zur Übernahme auffordert, würden wir dem nachkommen.
Hat sich der bayerische Umweltminister schon bei Ihnen gemeldet?
Nein. Herr Schnappauf ist auch nicht mein zuständiger Minister, das ist Herr Goppel, der Wissenschaftsminister.
Warum ist der Umweltminister für Bruno zuständig und nicht der Minister für Landwirtschaft und Forsten?
Das kann ich nicht mal ansatzweise beantworten. Ich bin kein Jurist und will auch keiner werden. Der Bär ist von Jägern erlegt worden, und die Jägerei fällt offensichtlich ins Umweltressort; getötet wurde er in einem Forst, das betrifft das Forstministerium; und für die Überreste, sollten sie wissenschaftlich verwertet werden, wäre das Wissenschaftsministerium zuständig.
Haben Sie Bruno schon mal gesehen?
Nein. Wir wissen auch nicht, wo sich die Überreste befinden. Darum kann ich nicht sagen, in welchem Zustand sich das tote Tier befindet.
Im Umweltministerium rechnet man damit, daß die Organe und Knochen Zoologiestudenten zum Präparieren zur Verfügung gestellt werden. Über das Fell, so heißt es, sei noch nicht entschieden. Was sollte Ihrer Meinung nach mit Bruno geschehen?
Er wäre von großem Interesse für die Wissenschaft. Man könnte zum Beispiel sein Fell nach Parasiten absuchen. Bei uns käme er zu den fast 60.000 Säugerpräparaten. Wir jedenfalls würden Organe, Knochen und Fell Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zugänglich machen.
Als ausgestopfte Attraktion Ihrer Sammlung käme er nicht in Frage?
Wenn, dann nur mit den entsprechenden Informationen. Die Emotionen kochten ja sehr hoch. Es gab sogar Morddrohungen gegen Personen, die vermeintlich für den Tod Brunos verantwortlich waren. Man müßte klarstellen, inwieweit man Großwildtiere in einer Zivilisationslandschaft ansiedeln kann.
Sollte man denn?
Man wird eher von einem Auto überfahren als von einem Bären gefressen. Ich bin sehr dafür, Großtiere wie Bären, Luchse und Wölfe wieder in Deutschland anzusiedeln, allerdings nur in einer möglichst natürlichen Umgebung. Von einem wilden Bären geht natürlich eine Gefahr aus. Aber in Österreich, Polen und Italien gibt es freilebende Großsäuger. Und größere Probleme scheint es nicht zu geben.
Bruno allerdings war ein Problembär.
Normalerweise flieht ein Bär vor den Menschen. Und er nähert sich auch nicht Siedlungen. In diesem Fall lag offenbar eine Störung vor. Ich bin aber kein Fachmann: Mein Spezialgebiet sind Land- und Meeresschnecken – und die sind meist ungefährlich.
Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, privat