Herzblatt-Geschichten

Von Schmerz fast zerrissen

Von Peter Lückemeier

13. Mai 2007 Ach, manchmal verzweifeln wir doch an uns selbst. Ein einziges Mal nur möchten wir in uns vereinigt sehen die Sprachmacht und die analytische Stärke von Hans-Ulrich Jörges im stern, wenn er zum Beispiel Charakter und Größe so wunderbar in Beziehung setzt, etwa so: „Die deutsche Kanzlerin ist drei Zentimeter größer als der französische Präsident - und das wird Folgen haben. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy passen charakterlich überhaupt nicht zueinander.“ Und wir? Würde uns ein solch luzider Satz einfallen? Nie im Leben. Wir stammeln lediglich: „Unsere bulgarische Redaktionsassistentin Snejanka ist obenrum dreißig Zentimeter weiter als Marija aus Kroatien. Und deshalb passen wir wunderbar zueinander.“

Aber jetzt etwas noch Ernsteres. Beinahe hätten wir ja Bunte wegen Verletzung der Aufsichtspflichten angezeigt, aber gottlob hat das Blatt jetzt endlich doch den überfälligen Seehofer-Baby-Beitrag veröffentlicht, vielen Dank. Also, seine Geliebte heißt Anette F., ist gerade 33 geworden, und „Bekannte aus Anette F.s Umfeld erzählen“, ihre Eltern seien von Anfang an in die Beziehung ihrer Tochter eingeweiht gewesen. Anette F. wird als „bodenständig, ausgesprochen charmant und sympathisch, aber auch sehr taff und willensstark“ geschildert. Und vor allem: „Mit ihrem nicht mehr zu übersehenden Babybauch sieht sie wunderschön aus.“ Auch mit den Nachbarn von Seehofers Berliner Appartement hat Bunte in unser aller Auftrag gesprochen, sie kennen Anette F. gut. Nachmittags komme sie in Seehofers Wohnung, am Morgen fahre sie wieder mit dem Rad ins Büro.

FC Bayschlaf München

Auch einer anderen Frage von Weltwichtigkeit ist das Blatt nachgegangen: Wie sieht es im Inneren von Jasmin Molnar aus, der ehemaligen Miss Tirol und jetzigen Ex-Kurzfreundin des Torhüters Oliver Kahn vom FC Bayschlaf München? Sie berichtet, der Olli habe sie ganz schlimm belogen, denn er habe so getan, als sei er Single, während er in Wahrheit noch mit der Verena zusammen war, und jetzt sagt die Ex-Miss-Tirol-Ex-Kahn-Flamme einen so wunderbaren Satz, wie ihn ein Mann nie aussprechen, ja ersinnen könnte: „Der Schmerz hat mich fast zerrissen.“ Ist eigentlich ja auch ein herrliches Kompliment für den Olli, denn wenn eine Frau vom Schmerz fast zerrissen wird, dann muss der Mann doch ein toller Hecht sein, sonst litte sie nicht so. Oder aber die Frau neigt zur Übertreibung, was uns jetzt wahrscheinlicher scheint.

Einen nach wie vor sehr vernünftigen Eindruck macht Steffi Graf, weshalb das Interview, das sie dem stern gab, auch sterbenslangweilig ist. Sie sagt darin allerdings etwas Schönes: „Glück bedeutet für mich exakt das Leben, das ich gerade führe.“ Das kann man von Paris Hilton nicht behaupten, sie wird für 45 Tage eingebuchtet, was Bunte mitleidig kommentiert: „Handys sind im Gefängnis selbstverständlich nicht erlaubt - vermutlich das Schlimmste, was man Hilton antun kann.“

Klugen und langweiligen Mann abkriegt

Gut scheint es Victoria von Schweden zu gehen, ihr Freund Daniel, der attraktive, aber nicht so intelligente Fitnesstrainer, durfte zu ihr ins Schloss ziehen, was ja wohl auf eine Hochzeit hindeutet. Du, König Carl Gustaf, solltest deinem Herzen einen Ruck geben, denn es ist doch sicherlich wichtiger, dass die Thronfolgerin einen lieben und attraktiven als einen klugen und langweiligen Mann abkriegt. Und dass du zu Gesten der Menschenfreundlichkeit fähig bist, hast du laut Bunte ja neulich im Gespräch mit Ikea-Chef Ingvar Kamprad gezeigt. Du aßest mit ihm, aber solange du saßest, durfte dein Untertan natürlich nicht aufstehen. Als Kamprad dir zuflüsterte, er müsse zu einem Termin, hast du dich sofort erhoben, das war nett. Und auch von deiner Frau, unserer deutschen Silvia, ist ja bekannt, dass sie aus Rücksicht auf ihrem Tellerchen die Böhnchen von links nach rechts verschiebt, denn würde sie ihr Besteck hinlegen, so müssten alle anderen sofort das Essen einstellen.

Wir wissen nicht, ob es auch bei Susanne Klatten so zugeht, denn eine Art Königin ist die zigfache Milliardärin ebenfalls. Sicherlich wissen Sie alle, dass die geborene Susanne Quandt einst ein Praktikum bei BMW machte, sich dort aber Susanne Kant nannte und in der Mittagspause mit einem Ingenieur ins Gespräch kam. Die beiden verliebten sich ineinander. Was Sie aber vielleicht nicht wussten und was Revue jetzt nur am Rande erwähnt: „Erst sieben Monate später erfuhr Jan Klatten, wer seine Freundin wirklich ist.“ Ach, da wären wir ja schrecklich gern dabei gewesen, als Susanne Quandt es ihrem Jan gebeichtet hat. Vielleicht hat sie gesagt: „Du, Jan, ich muss dir mal was sagen, in Wirklichkeit bin ich gar nicht die Praktikantin Kant, sondern die Milliardärin Quandt.“ Schlau gemacht. Aber auch der mittellose spätere Gatte der Flick-Tochter Alexandra handelte klug, als er seiner schwerstreichen Freundin einen Ehering aus Stanniol drehte: „Ja, du liebst mich!“, soll Alexandra gejubelt haben. „Jeder Idiot hätte mir einen Bulgari-Ring geschenkt. Du aber einen von Marlboro.“

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.05.2007, Nr. 19 / Seite 60

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