Nacktscanner in Deutschland

„Man erkennt alles, aber man sieht nichts“

Von Jochen Stahnke

Durchleuchtet: Ein weiblicher Fluggast steht am Amsterdamer Flughafen in einem Ganzkörper-Scanner

Durchleuchtet: Ein weiblicher Fluggast steht am Amsterdamer Flughafen in einem Ganzkörper-Scanner

23. Oktober 2008 Nacktscanner, Ganzkörperscanner, Bodyscanner: Schon die Terminologie ist umstritten. Die Technik auch. Die Bundespolizei, die in Deutschland für die Sicherheit der Fluggäste am Boden zuständig ist, wird erst am Ende des Jahres mit den Tests des Ganzkörperscanners beginnen. Die Testreihen sollen dabei unter Laborbedingungen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern ausgeführt werden.

Dabei werden neben Sicherheitsaspekten sowohl technische als auch gesundheitliche und ethische Fragen berücksichtigt werden, so ein Sprecher der Bundespolizei in Berlin. Anschließend erst solle über einen Praxistest entschieden werden. Über die Dauer der Tests machte der Sprecher keine Angaben. Einen Einsatz an deutschen Flughäfen werde es bis dahin jedenfalls nicht geben. Auf einigen amerikanischen Flughäfen ist ein Ganzkörperscanner schon im Einsatz.

Über Reflexion von Millimeterwellen werden die Konturen des Körpers sichtbar

Über Reflexion von Millimeterwellen werden die Konturen des Körpers sichtbar

Derzeit erprobte Scanner lassen sich in zwei Techniken unterscheiden. Eine Methode soll mit schwachen, im Gegensatz zum herkömmlich angewandten Röntgenverfahren möglichst breit gestreuten Röntgenstrahlen die Konturen des Körpers sichtbar machen. Diese sogenannte Backscatter-Methode funktioniert auch mit Terahertzwellen-Bestrahlung.

In Amerika bereits im Einsatz

Auf anderen amerikanischen Flughäfen wird mit der Millimeterwellen-Technik gearbeitet. Millimeterwellen sind elektromagnetische Wellen, die zu den Mikrowellen gehören. Diese Art Ganzkörperscanner wird auch in Europa auf Flughäfen in Amsterdam, Zürich und London getestet und in Deutschland diskutiert.

Die Methode ist eine andere: Mit Hilfe elektromagnetischer Strahlung soll auch hier ein dreidimensionales Bild des Fluggastes entstehen. In der Sicherheitsschleuse werden Millimeterwellen von zwei gegenüberliegenden Antennen, die um den Körper rotieren, auf den Flugpassagier geworfen. Die Wellen werden vom Körper und von anderen Gegenständen reflektiert. Über die Reflexion werden so die Konturen des Körpers und aller am Körper befestigter Gegenstände sichtbar, ungeachtet ihrer materiellen Beschaffenheit: Waffen, allerdings auch Prothesen, Implantate und Konturen der Genitalien.

Nicht stärker als Handystrahlung

Ein tatsächliches Bild wird dabei nicht erzeugt. „Man erkennt alles, aber man sieht nichts“, sagt Holger Kraft von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen. „Augenfarbe, Hautfarbe oder etwaige Pigmentstörungen werden nicht erfasst.“ Gefahren für die Gesundheit erwartet Kraft nicht. Die Millimeterwellen sollen weniger stark als etwa bei einem Handy strahlen. „Nach unserer Kenntnis ist das Verfahren nicht gesundheitsschädlich“, sagt Kraft.

Dieser Ansicht ist man auch bei Smiths-Heimann, einem in der Welt führenden Unternehmen für Sicherheitstechnik. Smiths-Heimann mit Sitz in Wiesbaden stellt schon die herkömmlichen Sicherheitsschleusen an deutschen Flughäfen her. Am Montag wird das Unternehmen nun seinen etwa 150.000 Euro teuren Ganzkörperscanner der Öffentlichkeit vorstellen. Dann wird bald auch die Bundespolizei in den Besitz eines solchen Gerätes kommen. Der Produktionsstandort für den Scanner in Wiesbaden werde gerade aufgebaut, so ein Sprecher.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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