Sternenhimmel im Dezember

Wiederaufstieg des Himmelswagens

Von Harald Marx

01. Dezember 2006 Am 22. Dezember um 1.22 Uhr steht die Sonne im südlichsten Punkt ihrer scheinbaren jährlichen Bahn, dem Winterpunkt. Da sich in den Zeiten um die Sonnenwende die Mittagshöhe der Sonne nur geringfügig ändert, werden die Sonnenwendpunkte auch Solstitialpunkte genannt. Die Höhe unseres Tagesgestirns zur Mittagszeit nimmt vom Monatsersten bis zum Sonnenwendtag um 1 ½ Grad auf 16 ½ Grad ab und steigt danach bis zum Jahresende nur unwesentlich wieder auf 17 Grad an. Entsprechend bleiben Tageslänge sowie die Auf- und Untergänge der Sonne im Dezember nahezu unverändert.

Der Herbst stellt sich auf den Wintersternhimmel um. Zu unseren Beobachtungszeiten haben bereits alle Herbststernbilder mit Ausnahme des Perseus den Südmeridian überschritten und sind auf die westliche Hemisphäre des Firmaments übergewechselt. Die Sternenreihe der Andromeda behauptet zwar noch eine zenitnahe Position, das vorausgehende Sternenviereck des Pegasus ist jedoch schon deutlich in die horizontnahe Himmelsregion im Westen abgesunken. Während das kleine, aber markante Tierkreisbild Widder hoch im Süden zu erkennen ist, können die Konturen der Fische, die sich südwestlich davon befinden und nur aus lichtschwachen Sternen bestehen, nur bei guten Sichtbedingungen erfaßt werden. Das gilt ebenso für den südlich der Fische stehenden Walfisch. Das den Fischen vorausgehende Tierkreisbild Wassermann ist dagegen schon zur Hälfte unter dem Westhorizont verschwunden.

Stern Algol unterliegt Helligkeitsschwankungen

Im Scheitelpunkt des Himmels ist nun der Perseus zu finden, der als Verbindung der Herbst- zu den Wintersternbildern anzusehen ist. In seinen Umrissen ist leicht die Gestalt eines dahineilenden Menschen zu erkennen. So wurde Perseus auch auf antiken Vasen und Bildnissen dargestellt: Mit Flügelschuhen fliegt er über den Sternhimmel, in einer Hand ein Sichelschwert und in der anderen das abgeschlagene, bluttriefende Haupt der Gorgone Medusa. Perseus zählt zu den großen Helden der alten Griechen und gilt als Überwinder finsterer Mächte. Er war ein Sohn des Göttervaters Zeus und der Königstochter Danae und wurde vom König der Insel Seriphos, Polydektes, in dessen Diensten er stand, ausgesandt, um den Kopf der Medusa, eines schlangenhaarigen Ungeheuers, zu holen. Symbolisiert wird das Medusenhaupt durch den Stern Algol. Der Name ist aus den arabischen Wörtern Ras al Guhl abgeleitet - Kopf des Dämons.

Der Italiener Montanari berichtete im Jahre 1667 zum erstenmal, daß die Helligkeit von Algol Schwankungen unterliegt. Wahrscheinlich ist die Veränderlichkeit von Algol aber schon viel früher aufgefallen und hat zu der Bezeichnung Teufelsstern geführt. Der englische Amateurastronom John Goodricke fand 1783 heraus, daß die Helligkeit von Algol regelmäßig alle 69 Stunden von der 2. Größe innerhalb von fünf Stunden um mehr als eine Größenklasse absinkt, um nach der gleichen Zeitspanne wieder die Normalhelligkeit zu erreichen. Er deutete diesen Lichtabfall richtig als eine Sternfinsternis. Im Algolsystem umkreisen sich zwei Sonnen so, daß sie sich für einen irdischen Beobachter gegenseitig bedecken. Algol wurde daher zum Prototypen einer ganzen Klasse von Veränderlichen, der Bedeckungsveränderlichen. Die Helligkeitseinbrüche von Algol können leicht mit bloßem Auge verfolgt werden. Am 1., 4., 24. und 27. Dezember erreicht der Bedeckungsveränderliche während unserer Standardbeobachtungszeit sein Helligkeitsminimum.

Der Große Hund verharrt noch unter dem Horizont

Den Wintersternbildern geht der Stier voran. Er ist bereits bis an die Südlinie herangerückt. Das einzige Winterbild, das noch größtenteils unter dem Horizont verharrt, ist der Große Hund. Allerdings ist sein Hauptstern Sirius jetzt bereits aufgegangen. Er komplettiert das große Wintersechseck, das aus den hellsten Sternen der Sternbilder Stier, Fuhrmann, Zwillinge, Kleiner und Großer Hund sowie Orion, nämlich Aldebaran, Capella, Pollux, Prokyon, Sirius und Rigel, besteht. Tief im Norden hat der große Himmelswagen seine tiefste Stellung überwunden und beginnt nun mit seinem Wiederaufstieg in eine zenitnahe Position.

Der Untergangshimmel im Nordwesten wird von einigen Bildern des Sommers besetzt. Noch steht das große Sommerdreieck Wega, Daneb und Atair vollständig über der Horizontlinie, allerdings ist sein südlichster Eckstern Atair nur noch bei ausgezeichneter Horizontsicht zu erspähen. Die übrigen Sterne des dazugehörenden Sternbilds Adler sind dagegen schon verschwunden. Während das Sternen-W der Kassiopeia sich noch in Zenitnähe aufhält, sinkt der Kepheus schon langsam Richtung Nordwesten in tiefere Regionen ab.

Mars bleibt unseren Blicken verborgen

Im Laufe des Monats belebt der Ringplanet Saturn den Himmel der ersten Nachthälfte. Anfang Dezember geht er kurz nach 22 Uhr, am Monatsletzten bereits um 20.15 Uhr auf. Am Abend des 10. Dezember erhält der beringte Wandelstern Besuch vom abnehmenden Halbmond. Von den teleskopischen Planeten Uranus und Neptun steht letzterer jetzt so sonnennah, daß er als Beobachtungsobjekt ausfällt. Uranus hingegen kann noch am frühen Abend im Tierkreisbild Wassermann aufgespürt werden. Voraussetzung ist allerdings Beobachtungserfahrung, ein gutes Fernglas und eine genaue Sternkarte.

Die Venus beginnt im letzten Monatsdrittel ihre Vorstellung als Abendstern. In der Abenddämmerung am 21. Dezember kann die etwa 4 Grad südlich von ihr stehende Mondsichel als Aufsuchungshilfe dienen. Am Monatsbeginn findet man den Merkur in der Morgendämmerung tief im Südosten. Er zieht in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember in geringem Abstand an Jupiter vorbei. In den Morgenstunden des 11. hält er sich dann in weniger als einem Grad Abstand östlich des Riesenplaneten auf. Allerdings kann der lichtschwächere Merkur nur mit Hilfe eines Fernglases erfaßt werden. Ab dem ersten Monatsdrittel erscheint wieder Jupiter am Morgenhimmel, in der Nähe des Südosthorizonts. Der Riesenplanet dehnt seine Sichtbarkeitsdauer bis zum Monatsende auf etwa eine Stunde aus. Mars bleibt auch im Dezember sonnennah und dadurch unseren Blicken verborgen. Der zum Zwergplaneten degradierte Pluto steht am 18. Dezember in Konjunktion mit der Sonne, von der Erde aus gesehen, also weit hinter ihr.

Sonne: 1. Dezember Sonnenaufgang 8.02 Uhr, Sonnenuntergang 16.26 Uhr; 22. Dezember Sonnenaufgang 8.21 Uhr, Sonnenuntergang 16.24 Uhr; 31. Dezember Sonnenaufgang 8.25 Uhr, Sonnenuntergang: 16.31 Uhr.

Mond: 5. Dezember, 1.25 Uhr: Vollmond; 12. Dezember, 15.32 Uhr: Letztes Viertel; 20. Dezember, 15.01 Uhr: Neumond; 27. Dezember, 15.48 Uhr: Erstes Viertel.



Text: F.A.Z., 30.11.2006, Nr. 279 / Seite 10
Bildmaterial: dpa

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