16. Februar 2004 Kalt ist es in Venedig, mitunter liegt Nebel über der Lagune, die Masken müssen sich warm anziehen dieses Jahr. Doch seit dem Auftakt vor acht Tagen kam der Mummenschanz in der Wasserstadt richtig auf Touren. Konzerte indischer Popmusiker auf dem Markusplatz, Einlagen von Theatergruppen aus Fernost - das Spektakel steht diesmal unter dem Motto Orient Express. 60.000 Touristen, darunter viele Deutsche, Japaner und Amerikaner, waren angereist, um die das große Spektakel am Wochenende mitzuerleben. Böse Zungen behaupten ohnehin, echte Venezianer wagten sich in diesen Tagen kaum noch auf die Straße - und schon gar nicht verkleidet.
Offizieller Auftakt zum großen Remmidemmi ist der traditionelle Volo dell'Angelo, der Flug des Engels. Diesmal nahm sich die junge Carlotta Mantova aus Venedig ein Herz und ließ sich eingehüllt in einer riesigen Konfettiwolke unter dem Jubel des Faschingsvolkes vom Campanile auf den Markusplatz abseilen. Ich bin so stolz, meinte die junge Schöne. Und Gott sei Dank bin ich schwindelfrei. Das uralte Ritual hatten übrigens erst vor ein paar Jahren findige Stadtväter wieder aus der Mottenkiste geholt - wie überhaupt den ganzen Karneval, die Fortsetzung der venezianischen Touristensaison in der kalten Jahreszeit.
Elegant und mit Geschmack, so soll es zugehen bei der Maskerade alla veneziana. Mit klassischen Masken - schon ihre Namen sind wunderschön: Da ist Brighella, der verschlagene Schurke mit der grünlichen Gesichtsfarbe, da ist der schwarzgewandte dottore mit der Schnabelnase - und immer wieder der bunt-gescheckte Arlecchino. Fremde begreifen da mitunter erst langsam, daß nicht das Laute und Direkte Essenz des Spiels sind, sondern die Pose, die zweideutige, die undurchsichtige, auch die verführerische. Ein Hauch von Dekadenz und Erotik gehört an der Lagune dazu - trotz Kälte. Bis zum martedi grasso, dem Faschingsdienstag, dauert das Spektakel.
Text: @mg, mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb, REUTERS