Von Sven Astheimer
19. Mai 2008 Die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland ist im vergangenen Jahr um mehr als 20.000 Menschen auf rund 683.000 gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl der Auswanderer leicht auf 635.000. Daraus ergibt sich ein Bevölkerungszuwachs von fast 50.000 Personen. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Jahr 2006, als der Überschuss mit knapp 23.000 auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken war. Dies geht aus einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes am Montag hervor.
Ausschlaggebend für diese Entwicklung war das Wanderungsverhalten von Ausländern. Erstmals seit sieben Jahren wanderten mehr Leute aus dieser Personengruppe ein als im entsprechenden Vorjahr. Der Anstieg betrug 2 Prozent auf 572.000. Gleichzeitig sank die Abwanderung von Ausländern um 3 Prozent, so dass der Überschuss um 36 Prozent auf mehr als 100.000 Personen zulegte. Dies ist im historischen Vergleich jedoch noch immer relativ niedrig. Der Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte lag ungefähr bei 200.000. Diese Zahl liegt auch den meisten Projektionen zugrunde, welche den künftigen Arbeitskräftebedarf zu ermitteln versuchen.
Vermutlich bei vielen beruflich motiviert
Leicht vergrößert hat sich dagegen der Wanderungsverlust von deutschen Bürgern, nämlich um 2000 auf 54.000. Dies lag vor allem daran, dass 165.000 Deutsche ihrer Heimat den Rücken kehrten, 10.000 mehr als im Jahr 2006. Allerdings stieg auch die Zahl der deutschen Zuwanderer um 8000. Zwar betont das Statistikamt, dass die Daten keine Rückschlüsse über die Motive der Ein- und Auswanderer zuließen. Ebenso wenig gehe daraus hervor, ob jemand sich auf Dauer oder nur vorrübergehend in seiner Heimat abmelde.
Als Indiz für die Gründe kann nach Meinung von Migrationsexperten jedoch die Auswahl des Ziellandes herangezogen werden. Dort stehen die deutschsprachigen Nachbarländer Schweiz (20.000) und Österreich (10.000) hoch im Kurs, in denen Spezialisten aus Deutschland ebenso gefragt sind wie etwa Saisonkräfte in Gastronomie und Tourismus. Die Vereinigten Staaten (14.000) als klassisches Einwanderungsland und der direkte Nachbar Polen (10.000) sind ebenfalls beliebte Destinationen. Es liege die Vermutung nahe, dass die Abwanderung vieler Deutscher beruflich motiviert war, heißt es aus dem Bundesamt für Migration.
Chance in einer globalisierten Welt
Ökonomen betrachten diese Entwicklung durchaus als Chance. In einer globalisierten Welt sei es wichtig, dass Manager wie Facharbeiter im Ausland Erfahrungen sammeln, um sie nach ihrer Rückkehr in Deutschland einzubringen. Ein Substanzverlust drohe der heimischen Volkswirtschaft erst, wenn die Abwanderer ihre Zelte dauerhaft in der Fremde aufschlagen. Eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu Beginn des Jahres hatte ergeben, dass die große Mehrheit der Abwanderer eine Rückkehr plant.
Die Bevölkerung in Ostdeutschland schrumpft weiter. Obwohl einige der neuen Bundesländer mittlerweile erhebliche Anstrengungen unternehmen, diesen Trend umzukehren, zog es 2007 etwa 138.000 Menschen gen Westdeutschland. Aus den alten Ländern wanderten dagegen nur 83.000 in die fünf Flächenstaaten. Betrachtet man alle Wanderungsströme zusammen, ergibt sich für den Westen ein um 30.000 höherer Wanderungszuschuss von 103.000 Personen, während sich für den Osten die Verluste um 5000 auf 55.000 ausweiteten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Anna Mutter - F.A.Z., dpa, F.A.Z.
Neues Buch: Die Eltern haben die tote Maddie ![]()
Katapultartiger Anstieg: Immer mehr hessische Väter beantragen Elterngeld
Nanga Parbat: Rettung in dünner Luft
Fast jeder vierte Betrieb bei Lebensmittelüberwachung beanstandet
Leiter der JVA Rottenburg: "Mehr als Arbeit, Tristesse und dünne Suppe"
