Kindesmisshandlung

Vernachlässigt, geschlagen, verhungert, getötet

Auch die kleine Karolina wurde bis zu ihrem Tod grausam mißhandelt

Auch die kleine Karolina wurde bis zu ihrem Tod grausam mißhandelt

12. Oktober 2006 Mit dem Tod des kleinen Kevin in Bremen macht abermals ein Fall von tödlich ausgegangener Kindesvernachlässigung und -mißhandlung Schlagzeilen. Immer wieder sorgen derartige Fälle in Deutschland für Entsetzen. Im folgenden eine Chronik von Ereignissen der vergangenen Jahre:

5. Januar 2004: Die dreijährige Karolina wird vom Liebhaber ihrer Mutter tagelang ausgepeitscht, verbrannt, verbrüht, in den eiskalten Keller gesperrt und so brutal misshandelt, dass das Mädchen am Ende eine Hirnblutung erleidet. Das kahl geschorene sterbende Kind wird in einer Tasche auf der Toilette im Krankenhaus Weißenhorn von der Mutter abgestellt. Das Paar wird auf der Flucht in Italien verhaftet. Beide werden im Mai 2006 vom Landgericht München zu einer lebenslangen Haft verurteilt. (Siehe auch: Lebenslange Haft für Karolinas Peiniger)

Beerdiung der kleinen Jessica in Hamburg

Beerdiung der kleinen Jessica in Hamburg

Juni 2004: Bei einer Hausdurchsuchung in einer Cottbuser Wohnung entdeckt die Polizei in der Kühltruhe die Leiche des auf Haut und Knochen abgemagerten Dennis. Der sechsjährige war zweieinhalb Jahre zuvor völlig entkräftet gestorben. Die Eltern werden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. (Sehe auch: Lebenslange Haft für Eltern von Dennis)

Juli 2004: Die zweijährige Michelle stirbt in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg an einem Hirnödem als Folge einer Mandelentzündung. Trotz des lebensbedrohlichen Zustandes ihres Kindes hatten die Eltern keine ärztliche Hilfe geholt. Das Landgericht Hamburg verurteilt sie im Februar 2006 wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu je drei Jahren Haft.

3. März 2005: Die völlig abgemagerte und entkräftete siebenjährige Jessica erstickt an Erbrochenem in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg. Jessicas Eltern werden im November 2005 vom Hamburger Landgericht wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, weil sie ihr Kind auf qualvolle Weise verhungern ließen. Frühjahr 2005: In Sachsen-Anhalt stirbt der zweijährige Benjamin. Seine skelettierte Leiche wird ein Jahr später auf dem Grundstück seiner Eltern in Schlagenthin in einer Mülltonne gefunden. Die Staatsanwaltschaft geht von Verhungern als Todesursache aus. Zurzeit läuft vor dem Landgericht Stendal der Totschlagsprozess gegen die Eltern. (Siehe auch: Urteil im Jessica-Prozeß: „Schleichender Prozeß grober Vernachlässigung“

10. November 2005: Eine 21jährige Frau meldet ihren zweijährigen Sohn Tim bei der Polizei in Elmshorn als vermisst. Sechs Tage später entdeckt die Polizei die Leiche des Jungen in einer Sporttasche, die dem 38jährigen Freund von Tims Mutter gehört. Tim ist an einer Hirnschwellung nach „roher und heftiger Misshandlung“ durch den 38jährigen gestorben. Das Landgericht Itzehoe verurteilt ihn zu 13 Jahren Haft. (Siehe auch: Fall Tim: Tödliche „Erziehung“)

25. Dezember 2005: Der 17 Monate alte Justin wird von seiner Mutter ins Krankenhaus gebracht. Der Junge ist mit Rotkohl vollgestopft. Am 4. Januar stirbt das Kleinkind, das Spuren einer „fortgesetzten Folterung“ trägt, an einem durch Sauerstoffmangel ausgelösten Hirnversagen. Die 24jährige Mutter und ihr 23jähriger Lebensgefährte werden wegen einer ganzen Reihe schwerer Kindesmisshandlungen sowie Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Landgericht Kaiserslautern angeklagt.

10. Oktober 2006: Vom Jugendamt um Amtshilfe gebetene Polizeibeamte finden in Bremen die Leiche des zweijährigen Kevin im Kühlschrank des Vaters. Der Körper des toten Kindes weist zahlreiche Knochenbrüche auf. Der drogenabhängige und mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Vater behauptet zunächst, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Das Amtsgericht Bremen erlässt Haftbefehl wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener und des Totschlags.

11. Oktober 2006: In München sticht eine alkoholisierte 46jährige auf ihren zweijährigen Sohn ein und verletzt ihn lebensgefährlich. Das Kleinkind wird mit einer Notoperation gerettet.

Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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