Nachspiel der Bärenjagd

Anzeigen und Rücktrittsforderungen nach „Brunos“ Tod

27. Juni 2006 Nach dem Tod von Braunbär „Bruno“ sind bei der Staatsanwaltschaft München II mehrere Strafanzeigen unter anderem gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) sowie angeblich beteiligte Jäger eingegangen. Das hat der stellvertretende Behördenleiter, Oberstaatsanwalt Eduard Mayer, bestätigt. Das Raubtier war am Montag im Rotwandgebiet in den bayerischen Alpen von einem „staatlich beauftragten Sicherheitsteam des Landratsamtes Miesbach“ erlegt worden.

Nach den Worten von Oberstaatsanwalt Mayer gibt es bislang keinen ausreichenden Anfangsverdacht für eine Straftat. Er habe deshalb bisher kein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet. In den Strafanzeigen würden unter anderem Verstöße gegen die Jagdschutzgesetze und das Tierschutzgesetz genannt.

Schnappauf ein „Problemminister“

Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag bereitet nach eigenen Angaben ebenfalls eine Strafanzeige vor und fordert den Rücktritt des Ministers. Schnappauf lehnt dies ab. „Es handelt sich um ein durchsichtiges Oppositionsgehabe“, sagte der CSU-Politiker. Nach erfolglosen Bemühungen, den Bären lebend zu fangen, habe es im Interesse der Sicherheit des Menschen keine andere Wahl gegeben. Rückendeckung bekam Schnappauf vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Die Rücktrittsforderungen der SPD seien politisch unseriös und nicht gerechtfertigt, erklärte Stoiber.

Im Landtag wächst dennoch der Druck auf Schnappauf. Er werde zum „Problemminister“, hieß es. Bei der SPD seien nach „Brunos“ Tod mehr als 600 E-Mails eingegangen. „Der Volkszorn kocht hoch“, sagte die Sprecherin der SPD-Fraktion. Die SPD sieht in dem Abschuß auch eine Verletzung der Bayerischen Verfassung, in der die Achtung der Tiere als Mitgeschöpfe ausdrücklich verankert sei.

„Fragwürdiger“ Abschuß

Der bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl verlangte von Schnappauf „zum schnellstmöglichen Zeitpunkt“ Rechenschaft vor dem Landtag und Aufklärung über die „fragwürdigen juristischen Hintergründe des Bärenabschusses“. Nicht nachvollziehbar bleibe auch, warum sich Wanderer und Radfahrer noch am Sonntag dem Bären auf Fotodistanz nähern konnten, von Seiten der Behörden aber keine Versuche mehr unternommen wurden, den Bären zu betäuben.

Schnappauf sprach von einer der schwersten Entscheidungen, die er je zu treffen gehabt habe. „Ich hätte in dieser Situation tun können, was ich will, ich wäre immer dafür kritisiert worden.“ Wenn der Bär ein Kind angefallen hätte, wäre die Landtags-Opposition sofort zur Stelle gewesen und hätte auf die Experten verwiesen, die das Tier als gefährlich einstuften, betonte der Minister.

Ist es wirklich „Bruno“?

Nach Meinung österreichischer Experten hat die Jagd auf „Bruno“ „eine ganze Serie von kleinen Fehlern“ offenbart, die fast zwangsläufig zum Abschuß führen mußten. „Eines der Probleme war, daß Bayern und das Land Tirol überhaupt nicht auf den Bären vorbereitet waren“, sagte der Kärntner Bärenanwalt Bernhard Gutleb. Auch die frühe Veröffentlichung des Abschußbefehls sei ein Fehler gewesen: „Dadurch hatte das Tier praktisch keine wirkliche Chance mehr.“ Der Wildtier-Verhaltensforscher Hans-Peter Sorger sagte, man müsse sich in Österreich und Deutschland in den kommenden Jahren auf ähnliche „Ausflüge“ junger Bären einstellen.

Tiermediziner versuchen jetzt herauszufinden, ob es sich bei dem erlegten Bären auch wirklich um „JJ 1“ handelt, wie das aus Norditalien stammende Raubtier offiziell heißt. Der Bären-Kadaver werde untersucht und eine DNA-Analyse erstellt, sagte der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn. Das Tier soll später ausgestopft ins Museum kommen.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, dpa

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