Von Michael Hanfeld
24. September 2007 Drama, Drama, Drama - diesen Spruch hört man von Bruce Darnell im ersten Programm zurzeit nur, wenn dort der Werbespot eines Bekleidungsherstellers läuft, in dem Darnell auftritt. Demnächst aber könnte man Darnell im Ersten häufiger hören und sehen. Nach Informationen dieser Zeitung verhandelt die ARD - und zwar der Programmdirektor Günter Struve höchstselbst - mit Darnell nämlich im Augenblick über eine Sendung für ihr werbefinanziertes Vorabendprogramm.
Es geht dabei um ein vielteiliges, sogenanntes Coaching-Format, das im nächsten Jahr laufen soll und das wohl eher im weitesten Sinn zum öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrag zu zählen ist. Auf Anfrage hieß es dazu bei der ARD, dass man keine Stellungnahme abgeben wolle.
Fürs doppelte Salär nur halb so viel arbeiten
Bruce Darnell hat im deutschen Fernsehen eine rasante Karriere hingelegt. Die meisten kennen ihn aus der Pro-Sieben-Show Germany's next Top Model. Diese wurde zwar von Heidi Klum angeführt, doch stahl ihr Bruce Darnell ganz locker die Show. Er geht in die Fernsehgeschichte ein als der Mann, der sich nicht scheut, Tränen zu vergießen, die vielleicht sogar echt waren. Drama, Drama, Drama eben.
Bei Pro Sieben tauchte Darnell auf, nachdem er in MTV Designerama sein Unterhaltungstalent bewiesen hatte. Jetzt kommt die ARD, die einmal mehr von der Talentsuche der privaten Konkurrenz profitiert. Bei Pro Sieben hatte sie zuletzt Oliver Pocher abgeworben für eine gemeinsame Show mit Harald Schmidt, der vor drei Jahren bekanntlich von Sat.1 kam. In der Branche munkelt man, dass die Argumente fürs Erste unter Umständen darin bestehen, dass man dort fürs doppelte Salär nur halb so viel arbeiten muss.
Fallschirmspringer bei der amerikanischen Armee
Bruce Darnell aber weiß - als Mode-Juror und demnächst bei der ARD als Coach -, wovon er spricht. Er war selbst Model und lief in allen großen Schauen über den Catwalk, unter anderem für Kenzo, Issey Miyake, Hermes und Calvin Klein. Seit rund fünfzehn Jahren arbeitet Darnell als Choreograph und trainiert Models.
Seine eigene Karriere auf dem Modelaufsteg hat der Fünfzigjährige - der in Colorado aufwuchs und dem man sein Alter nicht einmal in Spurenelementen ansieht - vor knapp 25 Jahren begonnen. Zuvor studierte er Soziologie und war sechs Jahre lang Fallschirmspringer bei der amerikanischen Armee, unter anderem stationiert in Deutschland. Den Absprung in die Modewelt und ins Fernsehen hat er längst geschafft.
Text: F.A.Z., 24.09.2007, Nr. 222 / Seite 42
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Michael Kretzer
