Manieren

„Majestät“ und „Ma'm“

02. November 2004 Frauen machen eine Knicks, Männer senken den Kopf: Wenn man als Normalsterblicher der Queen begegnet, gelten strenge Regeln.

In Deutschland hat man wenig Erfahrung im Umgang mit gekrönten Häuptern, wie überhaupt frühere Selbstverständlichkeiten des Benehmens in Vergessenheit geraten sind. Auch deshalb wurde Prinz Asfa-Wossen Asserates Buch über die „Manieren“ im vergangenen Jahr ein so großer Erfolg. Wir baten den Autor, der 1948 in Addis Abeba als Großneffe des Kaisers Haile Selassie geboren wurde und sich 1974 nach der Revolution im deutschen Exil niederließ, um einige Handreichungen für die Begegnung mit der Queen.

Prinz Asfa-Wossen, wie würde man sich korrekt verhalten, wenn man als Normalsterblicher plötzlich der Queen gegenüberstünde?

Als Frau müßte man sofort in die Knie gehen - auch wenn man eine Hose anhat - und einen Hofknicks machen. Früher ging dieser bis auf den Boden. Das sieht natürlich sehr elegant aus, vor allem, wenn man selbst dabei entsprechend bekleidet ist. Heutzutage jedoch genügt es, den Knicks bloß anzudeuten.

Und als Mann?

Als Herr verhält man sich, als ob man einen Besen verschluckt hätte. Man hält seinen Kopf zunächst ganz nach oben und bewegt ihn dann ganz nach unten. Den Körper bewegt man dabei überhaupt nicht, man senkt allein den Kopf.

In welcher Situation würde man der Queen die Hand reichen?

Nur, wenn man ihr bei einem offiziellen Anlaß vorgestellt wird. Oder wenn sie ein Bad in der Menge nimmt, wie sie es neuerdings gerne tut, und einem von sich aus die Hand entgegenstreckt.

Wie redet man sie korrekt an?

Man redet sie entweder mit „Your Majesty“, also „Majestät“, oder mit „Ma'm“ an.

Spricht die Queen Deutsch?

Sie müßte es eigentlich ein wenig können. Ihr Mann spricht es bestimmt fließend.

Wäre es unhöflich, wenn man mit ihr deutsch spricht?

Man müßte eigentlich zunächst englisch sprechen, bis sie dann anbietet, ins Deutsche zu wechseln. Aber abgesehen davon, hat man mit der Königin sowieso nicht zu sprechen - es sei denn, man wird von ihr angesprochen. Sie muß schon den Anfang machen, eine Frage stellen oder wenigstens „Guten Tag“ sagen. Dann kann man antworten. Wenn sie aber nichts sagt, darf man eigentlich nicht von sich aus das Gespräch eröffnen oder ein neues Thema anschneiden.

Sind Sie der Queen schon einmal persönlich begegnet?

Ja, ich bin ihr 1965 bei ihrem Staatsbesuch in Äthiopien begegnet. Ich habe sie auch noch 1977 anläßlich der Feier ihres fünfundzwanzigjährigen Thronjubiläums getroffen. Damals war ich in den Buckingham Palace eingeladen, weil mein Vater damals Äthiopien repräsentierte. Da wurde ich ihr vorgestellt.

Was war Ihr persönlicher Eindruck von ihr?

Sie hat mich außerordentlich mit ihrem Detailwissen beeindruckt. Selbstverständlich hat sie viele Berater, die ihr gesagt haben werden, woher ich komme. Aber daß sie alles über meine Familienmitglieder wußte, die damals in Äthiopien im Gefängnis waren, hat mir ungeheuer imponiert. Sie hat sich danach erkundigt, wie sie ihnen helfen könne. Überhaupt war sie über die politische Lage in meinem Heimatland bestens informiert. Das war nicht lediglich Small talk, sondern ging wirklich ans Eingemachte.

Das Gespräch führten Felicitas von Lovenberg und Richard Kämmerlings



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: F.A.Z.-Greser&Lenz

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