Brand im Eurotunnel

Eine Röhre schwer beschädigt

Bei der Rettung der eingeschlossenen Lastwagenfahrer soll es schwere Probleme gegeben haben

Bei der Rettung der eingeschlossenen Lastwagenfahrer soll es schwere Probleme gegeben haben

12. September 2008 Mehr als 16 Stunden nach dem Ausbruch eines Brandes im Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien haben Feuerwehrleute beider Länder die Flammen gelöscht. Eine der beiden Haupttunnelröhren unter dem Ärmelkanal wurde bei dem Brand mit Temperaturen bis 1000 Grad auf etwa 300 Metern schwer beschädigt, sagte der Unterpräfekt von Calais, Gerard Gavory.

Der Einsatz der 300 Feuerwehrleute - 200 aus Frankreich und 100 aus Großbritannien, war in der Nacht zum Freitag durch die hohen Temperaturen erschwert worden. Die Einsatzkräfte, die von beiden Seiten heranrückten, konnten sich nur mit Mühe vorankämpfen. Die Ladung einer Chemikalie auf einem der Lastwagen habe bei dem Brand keine Rolle gespielt, sagte der Unterpräfekt. Es habe sich lediglich um ein Kilogramm Phenol gehandelt, das für die pharmazeutische Industrie benötigt werde.

Tausende Zugreisende betroffen

Die Züge stehen: Auch am Freitag wird der Eurotunnel für den Bahnverkehr noch gesperrt sein

Die Züge stehen: Auch am Freitag wird der Eurotunnel für den Bahnverkehr noch gesperrt sein

Zunächst war völlig unklar, wann der gesperrte Tunnel wieder für den Personen- und Frachtverkehr freigegeben werden kann. Der Betreiber des Hochgeschwindigkeitszuges Eurostar rechnete für Freitag nicht mehr mit einer Wiederaufnahme des Verkehrs. Insgesamt hatten allein für diesen Tag rund 30.000 Menschen eine Reise auf einer der 50 Eurostar-Verbindungen gebucht.

Bahnreisende, die mit dem Eurostar fahren wollten, wurden aufgerufen, ihre Tickets umzubuchen oder sich den Fahrpreis erstatten zu lassen. Nachdem bereits am Donnerstag tausende Zugreisende vom Ausfall der Bahnverbindung betroffen waren, bildeten sich auch am Freitag an den Bahnhöfen lange Schlangen von Reisenden, die die Information der Tunnelsperrung nicht erreicht hatte.

„Ich habe kein Vertrauen mehr, ich habe jetzt Angst“

Am Donnerstag war ein Lastwagen aus zunächst ungeklärter Ursache auf einem Frachtzug im Tunnel wenige Kilometer von der französischen Seite entfernt in Brand geraten. 32 Menschen, darunter vor allem Lastwagenfahrer, mussten durch einen Zwischentunnel in Sicherheit gebracht werden. Fünf Eurostarzüge mit rund 2000 Passagieren brachen ihre Fahrt ab und kehrten zu ihren Startbahnhöfen zurück.

Bei der Rettung der Lkw-Fahrer aus dem brennenden Zug gab es laut einem Zeugen schwere Probleme. Nachdem der Lastwagen auf dem Frachtzug angefangen habe zu brennen, sei der Rauch in den Passagierbereich für die Lkw-Fahrer eingedrungen, sagte ein Lastwagenfahrer. „Die Türen sind nicht aufgegangen, alles war blockiert.“ Der Zugchef habe Panik bekommen, die Passagiere hätten verzweifelt gegen die Scheiben geklopft. Einer der Lkw-Fahrer habe dann einen Hammer gefunden und eine Scheibe eingeschlagen.

Nur so seien die Passagiere aus dem Wagen gelangt. „Das war das letzte Mal, dass ich das Shuttle genommen habe“, sagte der Mann, der nach eigenen Angaben seit 1994 mit seinem Lkw die Zugverbindung unter dem Ärmelkanal benutzt. „Jetzt ist Schluss. Ich habe kein Vertrauen mehr, ich habe jetzt Angst.“ In dem Zug hatten sich insgesamt 32 Menschen befunden. Sechs von ihnen erlitten laut den Behörden leichte Rauchvergiftigungen, acht weitere wurden teilweise durch zersplitterndes Glas leicht verletzt.

Zweite Röhre so schnell wie möglich wieder in Betrieb

Die von dem Brand nicht betroffene zweite Tunnelröhre soll nach einer technischen Kontrolle nach dem Willen der Eurotunnel-Gesellschaft so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden. Allerdings lag bis Freitagmittag noch gar keine Genehmigung vor, diese Röhre für die Untersuchung zu betreten. Die vom Brand betroffene Röhre müsse zunächst abkühlen, bevor der zerstörte Zug geborgen werden könne, sagte ein Sprecher der Eurotunnel-Betreiber in Paris.

Der Eurostar verbindet die Städte Paris, London und Brüssel und gilt als Prestigeprojekt der Länder. Neben dem Eurostar wird der längste Unterwassertunnel der Welt auf einer getrennten Trasse für den Frachtverkehr und für Autozüge genutzt. Ein dritter Tunnel ist als Servicetunnel auch für Evakuierungen vorgesehen.

Text: DPA/AFP
Bildmaterial: AP, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Die perfekte Wohnung oder das ideale Haus zum Kaufen oder Mieten: Jetzt über 960.000 Angebote bei Immowelt.de und FAZ.NET!

Anzeige

Kredit Vergleich - ab 3,45% eff. p.a.!
Vergleichen Sie hier kostenlos die aktuellen Konditionen der Banken und sehen Sie auf einen Blick die besten Kredite. Schnelle Antwort der Banken!
Kreditbetrag in €
Laufzeit

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche