Zugverkehr normalisiert sich

Künftig häufigere Sicherheitschecks für den ICE

13. Juli 2008 Die Bahn hat bei ihrem großangelegten ICE-Sicherheitscheck zunächst keine weiteren Mängel festgestellt. Alle per Ultraschall überprüften ICE-3-Züge hätten ohne Beanstandung die Werkstätten verlassen und gleich wiedereingesetztwerden können, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. An diesem Montag sollen 36 der insgesamt 67 ICE-3-Züge wieder im Einsatz sein. Damit könnten fast alle Verbindungen angeboten werden.

Grund der bislang größten Wartungsaktion seit dem Unglück von Eschede vor zehn Jahren ist ein am Mittwoch wegen eines Achsendefekts in Köln entgleister ICE. Deshalb war es am Freitag zu massiven Störungen im Bahnverkehr gekommen. Die Lage besserte sich laut Bahn über das Wochenende nach und nach, am Montag sollen 95 Prozent der ICE-3-Verbindungen wieder zur Verfügung stehen.Wegen des Einsatzes verkürzter Züge könne es aber zu Einschränkungen kommen.

Alle 90.000 Kilometer

Von Zugausfällen stark betroffen war nach Angaben der Bahn am Wochenende noch der Verkehr aus dem Ruhrgebiet über Köln und Frankfurt nach München beziehungsweise Stuttgart und Basel sowie die ICE-Verbindung von Frankfurt nach Paris. Die Bahn versuchte, die Ausfälle mit anderen Zügen zu ersetzen.

Am Sonntag konnten wieder mehr als 80 Prozent der Verbindungen angeboten werden, wie die Bahn mitteilte. Als Konsequenz aus dem Unfall sollen die ICE künftig alle 90.000 und nicht alle 300.000 Kilometer routinemäßig in den Werkstätten überprüft werden, wie der Sprecher sagte. Dies sei noch nicht generell entschieden, vorerst aber so geplant.

Wer zog wirklich die Notbremse?

Der am Mittwoch entgleiste ICE war offenbar mit einer extrem schadhaften Achse unterwegs: Das Zugpersonal zog nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft die Notbremse, weil im Hauptbahnhof schon Metallteile der kaputten Achse herausstanden und über Gleise und deren Verschraubungen schleiften, wie der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld am Wochenende bestätigte. Ob dies der Grund für die Entgleisung gewesen sei oder die Notbremse, sei aber noch unklar. Ebenso unbestätigt sind angebliche Aussagen von Mitreisenden, nicht das Personal, sondern ein Reisender habe letztlich beherzt die Notbremse betätigt und so eine Katastrophe verhindert.

Zuvor war der ICE mit 300 Stundenkilometern über die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurter Flughafen und Köln gerast. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob schon hier Schäden an der Achse vorhanden waren. Die Ermittler gehen auch der Frage nach, ob das Zugpersonal nicht ausreichend auf Warnungen von Reisenden reagiert hat, die schon kurz hinter Frankfurt auf verdächtige Geräusche hingewiesen haben sollen. Dennoch hatte der Zugbegleiter angeblich erst in Köln die Notbremse gezogen.

Kostenloser Fahrkarten-Umtausch möglich

Von den Zugausfällen oder Verspätungen betroffene Fahrgästekönnenihre Fahrkarten kostenfrei umtauschen oder sich erstattenerlassen.Außerdem können Tickets mit Zugbindung für die nächstgelegeneReiseverbindung gültig geschrieben werden. Reisende mitICE-Fahrkarten, die aufgrund des geänderten Fahrplans lediglich InterCity- oder EuroCity-Züge nutzen können, erhalten den Differenzbetrag erstattet.

Aktuelle Reiseinformationen gibt es im Internet auf der Seite bahn.de oder bei der Service-Hotline 08000-996633. Kunden aus dem Ausland können sich bei der Service-Hotline +49-1805-334444informieren.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

 

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