
Das Bildungssystem zum einen und andere Faktoren zum anderen erzeugen die Selbstmorde -
das alles am Bildungssystem abzuladen ist für mich zumindest viel zu einfach.
Interessant wäre doch ein Vergleich der Schülerselbstmorde in den besten PISA-Ländern wie Finland, in Deutschland, Korea, Canada und Japan.
Finland ist zumindest bei den allgemeinen Selbstmorden in Europa führend - auch ein Ergebnis des Bildungssystems???
- wohl nicht.

Wieviele sind es bei uns?

Und ich hatte gedacht, wer soviel Zeit die Schulbank drücken muss, hätte keine Zeit, Mitschüler zu terrorisieren. Freilich eine naive Annahme, da der aufgestaute Druck bei einer fast nicht vorhandenen Freizeit, dank des Bildungssystems, ja fast schon zwangsläufig an den Mitschülern abgelassen werden muss.
Appelle gegen den Suizid und Antimobbingprogramme können daher nur kosmetische Verbesserungen bewirken.
Letztlich wird Japan genau wie Deutschland nicht an einer Bildungsreform vorbeikommen, wenn es nicht Korea als Spitzenreiter in Sachen Suizidrate in den OECD-Ländern ablösen möchte.
In Korea kann man sich ja fast schon freuen, wenn Schüler im Unterricht friedlich schlafen, um den in der Nacht wegen Lernens versäumten Schlaf aufzuholen.

Ist doch nix neues, Japan hat schon weit über zehn Jahre die höchste Selbstmordrate bei Schülern und Managern. Vielleicht verlangt das die japanische Tradition.

die Familie,die Klasse,die Firma ,die Gesellschaft alles!"
Auch in Japan hat die unsägliche "Philosophie",die hinter diesem Spruch (ein Leitsatz aller vergangenen faschistischen wie sozialistischen ,ja sogar religiösen Systeme ) steht,seit Jahrhunderten das private wie öffentliche Leben bestimmt.
Und zeigt wieder einmal,wohin diese "Philosophie" den Einzelnen zu führen gedenkt.
Bevor man das Ansehen der Firma,der Schule , der eigenen Familie beschädigt,in dem man Probleme,die man selbst nicht lösen kann,öffentlich macht,nimmt man sich lieber das Leben- damit die Gruppe,der man angehört,nicht das Gesicht verliert.

Absurder kann es ja kaum werden! Das große Problem des japanischen Schul- und Lernverständnisses ist gerade die totale Unterordnung an Disziplin, Fleiß, Strebsamkeit und vorgeformten Wertvorstellungen. Das und nichts anderes schafft eine dermaßen stressende Umgebung, dass verhältnismäßig leicht zu lösende Probleme wie Schülermobbing in diesen erschreckend häufigen Fällen schlussendlich zum Selbstmord führen. Und wie soll dieser Missstand abgestellt werden? Durch mehr Disziplin und vorgeformte Wertvorstellungen...
Dem ungeborenen Kind werden Lernkassetten vorgespielt, vor dem Kindergarten kommt es in den Vorkindergarten wo schon mal fleißig Englisch gelernt wird und nach der Schule geht es in den Zusatzunterricht wo der Stoff dann noch erweitert wird. Aber Leistungsdruck ist kein Problem der japanischen Kinder allein, es ist ein Problem der ganzen japanischen Gesellschaft. Und solange das nicht erkannt wird, wird sich an den erschreckenden Selbstmordraten sowohl bei Kindern als auch bei erwachsenen nichts ändern.
SPa

Insbesondere Japan ist lange verschont geblieben von diesen Problemen, die Nordamerika und Europa schon etwas länger kennt. Ein Hinweis darauf findet sich bei Gordon Neufeld und Gabor Maté aus Kanada. In ihrem Buch, welches inzwischen auch auf deutsch erschienen ist, werden kulturübergreifende Gründe für die gestiegene Kriminalität von Schülern gegen andere und sich selbst genannt. Die Agenda der japanischen Regierung wird dagegen die Probleme verstärken, bestenfalls verschieben können. Es handelt sich, so Neufeld, nicht um klassische Verhaltensprobleme, sondern um Bindungsprobleme, die ihre Ursachen in der Gleichaltrigenorientierung haben, die den Kindern schadet. Dieses Phänomen hat es in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben. Allerdings hatten wir auch noch nie eine so durchgehend hohe Anstaltsbeschulung.

Ich bin nicht Japan-Kenner genug, um beurteilen zu können, ob es auch dort das grassierende Problem "humanistischer" Laber-Pädagogen gibt, die außer klugen Sprüchen nichts zu bieten haben und deren Courage sich darin erschöpft, Forderungen nach klaren Vorgaben und verbindlichen Wertvorstellungen schlecht zu reden. Man unterstellt Eltern, die ihre Kinder nicht dem staatlichen Schulwesen aussetzen wollen, von vornherein böse Absichten. Man schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, weil Tradition, Religion, Patriotismus und andere positive Leitlinien angeblich nichts in der Schule zu suchen hätten, verkriecht sich aber feige in der Etappe, wenn in der Realität dann die "Erziehungshoheit" über die Schüler faktisch in die Hände gleichaltriger "Peer-Groups" übergeht, die willkürlich "Regeln" aufstellen und mit Rütli-Methoden durchsetzen. Ich wünsche dem neuen japanischen Ministerpräsidenten viel Erfolg und eine glückliche Hand bei seinem Unterfangen, diesem Umwesen ein Ende zu bereiten.