Dänemark

Keine Drogen mehr in Christiania

07. Mai 2003 Die rechtsgerichtete dänische Regierung hat den bislang geduldeten Verkauf von weichen Drogen in der alternativen Siedlung „Freistaat Christiania“ in Kopenhagen verboten. Die 25 bis 30 Verkaufsstellen in der „Pusher Street“ würden geschlossen, kündigte Justizministerin Lene Espersen am Dienstag an. Die Polizei solle Drogenhändlern das Handwerk legen und auch die Käufer verfolgen. Der „unkontrollierte und illegale Handel“ mit Haschisch sei „schändlich“, kritisierte Espersen. Das Christiania-Gelände solle zum Erholungsgebiet für die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt werden, alternatives Leben solle gleichzeitig weiterhin möglich bleiben.

"Weiche“ Drogen wie Haschisch und Marihuana waren in Christiania bislang geduldet und im freien Handel zu bekommen. Schätzungsweise wurden dort jährlich Drogen im Wert von rund 200 Millionen Kronen (27 Millionen Euro) verkauft. Konservativen Politikern war die Siedlung deshalb seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Die seit Ende 2001 regierende rechtsliberale Regierung, die von einer rechtsextremen Partei toleriert wird, nahm sich jetzt der Angelegenheit an.

Hippie-Siedlung seit den 70er Jahren

Die Siedlung war 1971 von Hippies auf einem verlassenen Kasernengelände gegründet worden. Der unkonventionelle, basisdemokratische „Freistaat“ zog schnell Hunderte von Aussteigern an. Mit der Zeit machten die meisten Dänen ihren Frieden mit Christiania. Unter dem Druck eines großen Teils der Bevölkerung beschloß die sozialdemokratische Regierung 1973, die Gemeinde als ein „Gesellschaftsexperiment“ zu betrachten. Heute leben noch etwa tausend Menschen im „Freistaat Christiania“.

Das rund 24 Hektar große Gelände ist die drittgrößte Touristenattraktion Kopenhagens. Rund eine Million Besucher zieht es jährlich an. In drei Jahrzehnten entwickelte sich eine friedliche kleine Stadt. Die kleinen Häuser mit oft origineller Architektur leuchten in Gelb und Blau, tragen häufig bunte Graffiti, von einigen bröckelt aber auch der Putz. Cafés, Restaurants und Boutiquen versorgen Einwohner und Besucher. Selbst Steuern zahlen die Bewohner der „freien Stadt“ inzwischen. Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose, Studenten, Professoren und Rechtsanwälte leben Tür an Tür. 15 Stadtviertel organisieren sich in eigenen Komitees. Die Treffen der gemeinsamen Stadtregierung sind für jedermann zugänglich. Krippen, Kindergärten, Fahrradläden, Tischlereien und Schmieden bieten Arbeitsplätze.



Text: AFP
Bildmaterial: AP

 
Designer ABC
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche