20. November 2007 Der 17 Jahre alte Marco W. aus Uelzen bleibt weiter in Untersuchungshaft in der Türkei. Das Gericht in Antalya vertagte am Dienstag ein weiteres Mal den Prozess gegen den Schüler, weil die Aussage des angeblichen Missbrauchsopfers weiterhin im englischen Original fehlt, wie Marcos Anwalt Michael Nagel sagte.
Der nächste Verhandlungstag ist für den 14. Dezember angesetzt. Der Jugendliche soll sich im April im türkischen Urlaubsort Side in einem Hotelzimmer an der 13 Jahre alten Britin Charlotte sexuell vergangen haben.
Nicht enttäuscht, sondern entsetzt
Nagel sagte nach der Verhandlung, er sei nicht enttäuscht, sondern entsetzt über die erneute Vertagung. Es sei unglaublich, was in Antalya passiere. Seinen Angaben zufolge wurde ihm und seinen Anwaltskollegen vom Gericht aufgetragen, sich die Aussage Charlottes im englischen Original zu besorgen.
Bisher lag dem Gericht nur eine Faxkopie der Aussage vor, besorgt vom Anwalt des Mädchens. Wir werden uns also in den nächsten Tagen damit beschäftigen, diese Aussage aufzufinden und in die Hände zu bekommen, sagte Nagel.
Werden alles dafür tun
Das Gericht will das Originaldokument anschließend übersetzen lassen. Auf amtlichen Wege war die Aussage bisher nicht in Antalya eingetroffen. Es sei zwar ungewöhnlich, dass die Anwälte nun diese Aufgabe hätten, sagte Nagel. Aber, wenn es hilft, Marco freizubekommen, werden wir alles dafür tun.
Nagel kündigte gleichzeitig an, in naher Zukunft wegen der langen Untersuchungshaft vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu klagen. Der Jugendliche sitzt bereits seit mehr als sieben Monaten im Gefängnis von Antalya.
Text: FAZ.NET mit Material von ddp
Bildmaterial: dpa