Interview

„Gut geschäumt ist halb rasiert“

Hier bangt er noch um seine Haarpracht: Frank auf Hubers Frisierstuhl

Hier bangt er noch um seine Haarpracht: Frank auf Hubers Frisierstuhl

19. Dezember 2006 Der Wiesbadener Friseur Karl-Heinz Huber frisierte und rasierte Deutschlands bekanntesten Arbeitslosen Henrico Frank. Im F.A.Z.-Interview beantwortet er die Frage, ob eine gute Rasur tatsächlich bei der Jobsuche hilft.

Herr Huber, Sie haben in Ihrem Wiesbadener Salon den berühmtesten Arbeitslosen Deutschlands frisiert, Henrico Frank. Daraufhin bekam er vom SPD-Vorsitzenden Kurt Beck mehrere Jobangebote. Nun sind Sie auch berühmt!

Ach Gott, berühmt. Und der arme Herr Frank: Wie die Zeitungen jetzt über ihn schreiben! Erst ist er ein armer Arbeitsloser, und plötzlich ist er der frechste Arbeitslose Deutschlands. Ist schon interessant ...

Er beschwert sich, Sie hätten ihm einen Poposcheitel verpaßt.

Hören Sie mal! Wenn der wüßte, wo ein Poposcheitel ist! Wenn man die Haare rechts und links zurückkämmt und am Hinterkopf kommen sie zusammen wie bei Elvis Presley in den Fünfzigern - das ist ein Poposcheitel.

Einfach zu schneiden waren die Haare sicher nicht.

Das kann man wohl sagen. Er hatte ja eine Art Punkfrisur. Die beiden Seiten waren kurz geschnitten - Gott sei Dank nicht frisch, sonst hätte ich es ja gar nicht so schön hinbekommen. Das sah doch top aus hinterher, oder? Gut sah er aus! Stand auch in „Bild“! Ich habe ihm extra die Haare nicht so kurz geschnitten, damit es füllig und gefällig fällt. Schwierig war auch seine pustelige Haut. Nicht einfach zu rasieren. Aber gut geschäumt ist halb rasiert!

Und wie haben Sie ihn persönlich erlebt?

Ein ruhiger Mensch. Mehr sag' ich nicht.

Diskretion ist Berufsehre!

Die Intimsphäre meiner Kunden in einem Buch zu verewigen wie einige meiner Kollegen - das würde ich nicht.

Sie haben in Wiesbaden einen Namen.

Ja, unser Geschäft wurde schon 1908 von meinem Großvater gegründet. Es war immer in Familienbesitz. Ich habe es vor vierzig Jahren von meinem Großvater übernommen, der bis ins hohe Alter gearbeitet hat.

Ihr Obermeister hatte die Reporter, die Henrico Frank rasieren lassen wollten, an Sie verwiesen. Weil es nicht mehr viele Friseure gibt, die noch rasieren?

Ja. Die Türken machen es noch oft, aber die Deutschen kaum - weil man auch nicht viel damit verdient. Eine Rasur ist eine aufwendige Sache. Wird aber auch nur noch ganz selten nachgefragt. Ich mach's noch nebenbei.

Kurt Beck hatte Henrico Frank aufgefordert, sich zu waschen und zu rasieren, dann werde er auch Arbeit bekommen. Was meinen Sie: Stimmt dieses Urteil?

Auf die Frisur allein kommt es nicht an, sondern auf das Erscheinungsbild insgesamt. Wenn Sie ungepflegt rumlaufen, nutzt der schönste Anzug nichts.

Wie lange haben Sie für den Termin mit Henrico Frank gebraucht?

Eine Stunde: Rasieren, Schneiden, Waschen.

Und wieviel hat's gekostet?

Vierzig Euro.

Und wer hat gezahlt?

Die Reporter.

Die Fragen stellte Alfons Kaiser.



Text: F.A.Z., 20.12.2006, Nr. 296 / Seite 9
Bildmaterial: ddp

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