24. Mai 2009 Der 22 Jahre alte Ultimate Fighter Peter Sobotta im Interview mit der Sonntagszeitung über Gegner am Boden, Boxen und das zweierlei Maß der Deutschen.
Herr Sobotta, Sie sind Ultimate Fighter, steigen in Köln in den Käfig. Das sieht sehr blutig aus.
Wenn man sich mit dem Sport näher beschäftigt, sieht man schnell, dass es nichts weiter ist als eine Mischung von verschiedenen olympischen Kampfsportarten. Im Stehen machen wir nichts anderes als Boxen, und auf dem Boden werden wir dann Judoka oder Ju-Jutsu-Kämpfer.
Aber Sie schlagen auch auf liegende Gegner ein.
Das gehört einfach zum Regelwerk. Wenn ein Boxer zu Boden geht, hat er zehn Sekunden Zeit, sich zu erholen, und dann bekommt er weiter Schläge auf den Kopf. Wenn ein Kämpfer bei uns angeschlagen wird, und es geht auf dem Boden weiter, ist der Kampf meistens schnell vorbei, weil der Ringrichter dazwischen geht oder der Gegner abklopft. Die Gefahr von Kopfverletzungen ist also viel geringer als beim Boxen.
Dennoch wirkt es auf Außenstehende wie eine wilde Prügelei.
Es ist nicht so, dass man sich willkürlich mit seinem Gegner prügelt, sondern da steckt sehr viel Taktik dahinter. Gerade im Bodenkampf. Ich vergleiche meinen Sport gerne mit Schach.
Ein Schachspiel im Käfig.
Es wird nicht immer im Käfig gekämpft. Wir kämpfen auch im Ring. Wobei es für den Sportler weitaus besser ist, im Käfig zu kämpfen. Es sieht vielleicht brutal aus, und man denkt, die werden wie wilde Tiere in einen Käfig gesperrt. Aber das ist nicht so. Der Käfig schützt die Sportler. Ich habe im Käfig und im Ring gekämpft, und im Ring ist es viel gefährlicher. Wenn ich aus dem Ring falle, kann es wirklich zu Verletzungen kommen.
Und im Käfig?
Der Sport ist hart, keine Frage, aber es gibt klare Regeln, doppelt so viele wie beim Boxen. Natürlich habe ich hin und wieder ein Wehwehchen, einen blauen Fleck oder ein blaues Auge. Aber ich habe als Kind Fußball gespielt, da habe ich mir auch manchmal weh getan.
Wieso dann die ganze Aufregung?
Es ist einfach etwas Neues in Deutschland. Hier gibt es so ein Gentlemen's Agreement, dass man auf dem Boden nicht weitermacht. Das gilt sogar auf Schulhöfen. Bei uns geht es weiter. Und das ist für die Leute ungewohnt.
Man könnte es doch bei dem Gentlemen's Agreement belassen.
Man muss es doch so sehen: Wrestling ist auch nicht verboten. Und da schlagen sich die Leute mit Stühlen und Baseballschlägern. Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen.
Aber Wrestling ist Show. Sie schlagen wirklich zu.
Ja, Wrestling ist Show, aber ein Neunjähriger auf dem Schulhof weiß nicht, ob es Show ist oder ob es echt ist, wenn die sich Stühle auf den Kopf hauen. Wenn man meinen Sport verbieten will, dann müsste man auch Boxen verbieten, ja eigentlich alle Kampfsportarten.
Was reizt Sie ausgerechnet an Ultimate Fighting?
Die Philosophie. Wir probieren, die effektivsten Techniken anzusetzen, und verschwenden keine Zeit für unwichtiges Drumherum.
Mit welchen Gefühlen werden Sie in Köln in den Käfig steigen?
Es ist ein Mix aus Anspannung, Nervosität und Angst. Es ist aber nicht die Angst vor körperlichen Schmerzen, sondern die Angst, zu verlieren. Der Kampf ist für mich die Erfüllung meiner Träume. Es ist wie für einen Fußballer die Champions League. Ich gehe als absoluter Außenseiter rein und hoffe auf einen Sieg.
Das Gespräch mit Peter Sobotta führte Philip Eppelsheim.
Weitere Informationen: www.kampfsportnews.com
Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa