Michel Fourniret über seine Taten

„Wie ein Wilderer auf der Suche nach Beute“

15. Mai 2008 Sechs Wochen nach Beginn des Prozesses gegen den Serienmörder Michel Fourniret hat sich der Angeklagte erstmals zu seinen Taten geäußert und seine Gewalttaten bis in die entsetzlichsten Einzelheiten beschrieben. „Ich war wie in einem Rauschzustand“, sagte der 66-Jährige mit ausdrucksloser Miene, als er die Erdrosselung eines seiner Opfer am Donnerstag vor Gericht im ostfranzösischen Charleville-Mézières schilderte. Fourniret beschrieb sich in seiner Jagd auf Jungfrauen „wie ein Wilderer auf der Suche nach Beute“. Sein erstes Opfer, Isabelle Laville, sei „ein Werkzeug des Schicksals“ gewesen, dass ihm „auf den Weg seines Vorsatzes gestellt“ worden sei.

Seit Ende März muss sich der 66-Jährige wegen Entführung, Missbrauchs und Ermordung von sieben Mädchen und jungen Frauen in Belgien und Frankreich verantworten. In Medien wird er als „das Monster der Ardennen“ bezeichnet. Im Verhör hat Fourniret seine Taten bereits gestanden und sich als besessenen Jungfrauenjäger bezeichnet. Das Verfahren boykottierte er aber bis zu dieser Woche, weil es nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Ehefrau Monique besorgte die Jungfrauen

Neben ihm auf der Anklagebank sitzt seine Frau Monique Olivier, die ihm bei seinen Taten half und als Komplizin angeklagt ist. „Das Paar hat einen kriminellen Pakt geschlossen und diesen sehr rasch in die Tat umgesetzt“, sagte Opferanwalt Alain Behr. „Monique hat ihrem Mann Jungfrauen besorgt, damit er einen krankhaften Trieb ausleben konnte.“ Wie etwa am 11. Dezember 1987, als die beiden Isabelle Laville vor ihrer Schule im burgundischen Auxerre mit einem Vorwand in ihr Auto lockten. Mit Medikamenten stellten sie die 17-Jährige ruhig und brachten sie in ihr Haus.

Dort habe er mit dem Finger die Jungfräulichkeit seines Opfers geprüft, sagte Fourniret am Donnerstag. Es sei ihm nicht gelungen, die junge Frau zu vergewaltigen, weil sie „im Komazustand“ gewesen sei. Seine Frau habe ihn daraufhin oral befriedigt. Fourniret erwürgte Isabelle schließlich und warf sie in einen stillgelegten Brunnen. Erst vor zwei Jahren wurde die Leiche gefunden.

„Sie folgte mir wie ein Hündchen“

Fourniret hat keine Hemmungen, sich zu seinen brutalen Mordtaten zu äußern. Seine Frau versuchte hingegen, ihre Rolle auf die einer passiven Begleiterin zu reduzieren, die nur widerstrebend die Befehle Fournirets ausgeführt hat. „Sie folgte mir wie ein Hündchen“, sagte er mit einem verächtlichen Blick auf seine Frau in der Nebenbox.

Die Mutter von Isabelle erlitt bei der Schilderung der Mordtat einen Schwächeanfall und musste den Gerichtssaal verlassen. „Wir wissen, dass er ein perverser Mensch ist“, sagte der Vater über Fourniret. „Es ist sehr schmerzhaft, all dies wieder durchleben zu müssen, ich hätte gern darauf verzichtet.“

Beiden droht lebenslänglich

15 Jahre lang suchte sich Fourniret in Frankreich und Belgien seine Opfer, ohne das die Polizei auf seine Spur kam. Er sei jeweils „wie ein Wilddieb“ aufgebrochen, ohne zu wissen, ob er er „einen Fasan, ein Kaninchen oder gar nichts“ erbeute, erklärte er am Donnerstag. Erst, als der 13-Jährigen Marie-Ascension im Juni 2003 die Flucht aus seinem Wagen gelang und sich das Nummernschild merkte, konnte der Serienmörder gefasst werden.

Am Tag der fehlgeschlagenen Entführung habe er „die Absicht zur Selbstvernichtung“ gehabt, sagte Fourniret nun. Das belgische Mädchen konnte sich befreien und aus dem Auto springen. „Ich hatte die Stricke nur symbolisch angelegt. Es wäre sehr einfach gewesen, sie wirklich zu fesseln, wenn ich es gewollt hätte.“

Der Prozess ist bis Ende Mai angesetzt, mit dem Urteilsspruch wird nicht vor Juni gerechnet. Es gilt als sicher, dass Fourniret eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung erhält. Auch seiner Frau droht lebenslänglich.



Text: FAZ.NET mit Material von AP und dpa
Bildmaterial: AFP, REUTERS

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