Muttertag

Triumph des Blumenhandels

Von Martin Wittmann

13. April 2008 Wann ist denn nun Muttertag? Der Taschenkalender bietet den 4. Mai an, der Apothekerkalender den 11. Mai. Bei den Kalendermachern blühen wohl die Spekulationen - jedenfalls mehr als in der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Kälte die Blumen.

Und das kam so: Das traditionelle Muttertagsdatum, der zweite Sonntag im Mai, fällt mit dem Pfingstsonntag zusammen. Vielen Bundesländern ist der Pfingstsonntag aber ebenso heilig wie der Ostersonntag und der erste Weihnachtsfeiertag: Das Ladenschlussgesetz verbietet an diesen Feiertagen die Öffnung von Blumenläden.

Floristen bestimmen Termin

Daher suchen weitsichtige Floristen- und Gärtnerverbände schon seit langem nach einer Lösung des Problems. „Da der Muttertag weder ein gesetzlicher noch ein kirchlicher Feiertag ist, sondern auf einer freien Vereinbarung des Handels basiert, ist der Termin durchaus variabel“, sagt Nicola Fink vom Fachverband Deutscher Floristen, auf dessen Homepage es übrigens überraschend unromantisch heißt: "Der Wonnemonat Mai ist prädestiniert für Gefühlsduselei."

Schon vor zwei Jahren wurde also eine Verlegung des Muttertags 2008 anvisiert. „Wir haben im Frühjahr 2006 ein Schreiben vom Floristenverband bekommen, das den Muttertag 2008 für den 4. Mai ankündigte“, sagt Marion Schmidt vom DuMont Kalenderverlag.

Sonderregelung für den Blumenkauf

Die Kalender für das Jahr 2008, die mit langem Vorlauf entstehen, gingen mit dieser Information in Druck. Ein Jahr später, im Frühjahr 2007, erhielt der Kalenderverlag ein weiteres Schreiben. Der Muttertag werde nun doch am ursprünglichen Termin gefeiert.

Mit den meisten Bundesländern sei nämlich eine Sonderregelung vereinbart worden, die das Verkaufsverbot für den Pfingstsonntag aufhebt. Die Apothekerkalender waren zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht im Druck: Sie haben das richtige Datum, den 11. Mai, als Muttertag markiert.

Nur in zwei Bundesländern, Brandenburg und Baden-Württemberg, gab es noch keine Sonderregelung für den Blumenverkauf - bis vergangene Woche. Das Potsdamer Arbeitsministerium empfahl deshalb den Landkreisen und kreisfreien Städten, Ausnahmegenehmigungen zum Ladenschlussgesetz für höchstens fünf Stunden zu erlassen.

„Muttertag ohne Blumen ist wie Ostern ohne Eier“

„Aus Sicht des Ministeriums besteht ein öffentliches Interesse daran, dass am Muttertag Blumen verkauft werden dürfen", sagt eine Sprecherin des Brandenburger Arbeitsministeriums. Der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, formuliert es so: „Muttertag ohne Blumen ist wie Ostern ohne Eier.“

Oder wie eine volle Goldmine ohne Schürferlaubnis: Nach Angaben des HDE geben die Deutschen für Blumen zum Muttertag jedes Jahr mehr als 100 Millionen Euro aus. In der Bedeutung für den Einzelhandel rangiert der Muttertag damit noch immer deutlich vor dem Valentinstag, der allerdings aufgeholt hat.

Schnittblumen sind „Reisebedarf“

Nun sind alle zufrieden: die Traditionalisten, die Floristen und die Mütter, die ob der Konfusion vielleicht sogar an zwei Sonntagen auf Blumen hoffen dürfen. Nur Baden-Württemberg ist nicht in Geschenkelaune. Dort dürfen Blumenläden am Muttertag nur in „Ausflugsorten“, wie etwa Heidelberg, sowie in „Kur- und Erholungsgebieten“ öffnen.

An 40 Sonn- und Feiertagen im Jahr darf dort „Reisebedarf“ verkauft werden - und dazu zählen gemäß Gesetz auch Schnittblumen. Am Pfingstsonntag können dort Läden öffnen, deren Sortiment mindestens zur Hälfte aus Schnittblumen besteht.

„Symbolischer Kotau“

Aber eben nur in den 200 Kur-, Erholungs- und Ausflugsorten im Südwesten. Und andernorts? Die regierende CDU ließ ihrer blühenden Phantasie freien Lauf: 50 000 Euro zahlt die Landesregierung für Plakate, Anzeigen und Radiospots, die für den Blumenkauf am Freitag und Samstag vor dem Muttertag werben.

Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), der aus seiner Kritik an Lobbyisten und „Fachbruderschaften“ kein Geheimnis macht, wollte nicht als Urheber der Blumenverkaufskampagne in die Geschichtsbücher eingehen.

Auch Schwaben haben keine Entschuldigung

Deshalb war er mehr als erleichtert, als Stefan Mappus, der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, in der vergangenen Woche öffentlich bekannte, mit den Floristen-Lobbyisten gesprochen und die Idee entwickelt zu haben. Die Floristenverbände sind aber immer noch unzufrieden: Die Werbekampagne sei nur ein „symbolischer Kotau“.

Egal: Im Südwesten kann nun niemand aus der feiertäglichen Konsumsperre eine Entschuldigung dafür ableiten, sich den Geschenkekauf zu sparen - nicht einmal die Schwaben. Auch dort haben Mütter schließlich ein Recht auf teuer erkaufte Blumen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 

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