01. April 2009 Wie schon im März nimmt die Länge des lichten Tages auch im April zu - um eine Stunde und 45 Minuten. Ebenso steigt die Mittagshöhe der Sonne im ersten vollen Frühlingsmonat nochmals kräftig um mehr als zehn Grad auf fast 55 Grad am letzten Apriltag an. Die Sommerzeit zwingt uns, die Zeiten für die Sternbeobachtung um eine Stunde zu verschieben: einmal, um einen ausreichend dunklen Himmel zu haben, zum anderen, um die Änderung des Himmelsanblicks im Jahresverlauf gleichmäßig zu halten.
Das typische Frühlingssternbild, der Löwe, steht jetzt genau im Süden, während die Wintersternbilder weit nach Westen abgewandert sind. Zwar halten sich die wichtigsten Vertreter des Winterhimmels noch über der Horizontlinie auf, aber Stier, Orion und Großer Hund befinden sich unmittelbar vor dem Untergang. Rigel, der Fußstern des Orion, kann nur noch bei bester Horizontsicht erspäht werden, die Sterne des Großen Hundes sind nur zum Teil zu sehen. Nur der hell leuchtende Sirius kann sich noch gut gegen den Horizontdunst durchsetzen. Andererseits sind die übrigen Konstellationen des Winters, Fuhrmann, Zwillinge und Kleiner Hund, leicht auszumachen.
Regulus, der Hauptstern des Löwen, hat die Südlinie passiert. Die Griechen brachten den Himmelslöwen mit den zwölf Werken des Herkules im Dienste des Eurystheus in Verbindung - mit dem Nemeischen Löwen. Auch die benachbart stehenden Sternbilder Krebs und Wasserschlange weisen auf die Taten des berühmten Helden hin. In der östlichen Himmelsregion haben sich zwei weitere Repräsentanten des Frühlingssternhimmels, die Jungfrau und der Bootes, klar vom Horizont abgesetzt. Ihre Hauptsterne, Spika und Arkturus, bilden zusammen mit Regulus das Frühlingsdreieck.
Unterhalb des westlichen Teils der Jungfrau fällt das markante Viereck des Raben auf, während die Sterne des vorausgehenden Bechers nur bei bester Sicht zu erspähen sind. Im Scheitelpunkt des Himmels finden wir die sieben hellen Sterne des Großen Wagens, in denen die Amerikaner eine Schöpfkelle erkennen. Der ursprüngliche und auch offizielle Name der Konstellation lautet Große Bärin, wobei die Wagensterne nur einen Teil des Gesamtbilds stellen.
Einem aufmerksamen Betrachter wird die relative Sternarmut des Frühlingshimmels gegenüber dem Sternenreichtum des Winters auffallen. Auch die Milchstraße kann nur noch unter exzellenten Bedingungen wahrgenommen werden, da sie sich in flachem Bogen vom Südwesten zum Nordhorizont hinzieht. Im Winter war unsere Blickrichtung auf die Milchstraßenebene gerichtet, jetzt schauen wir in Richtung des Pols, der sich im Nordteil der Konstellation Haar der Berenike befindet. Dort wird uns nicht mehr der Blick in die Tiefen des Alls durch die absorbierende Wirkung der interstellaren Materie des Milchstraßenbandes verwehrt. Daher sind im Haar der Berenike sowie in den umgebenden Sternbildern Große Bärin, Löwe, Jungfrau und Jagdhunde mit Hilfe eines guten Fernglases oder Teleskops eine Vielzahl von kleinen Nebelflecken zu entdecken.
Es sind ferne Galaxien. Obwohl sie bis zu einer Billion Sonnen enthalten, erscheinen sie uns wegen ihrer immensen Entfernung nur als blasse Nebelchen. Das Licht der fernen Sternsysteme, das wir sehen, hat die Himmelsobjekte schon vor vielen Millionen Jahren verlassen. Seither war es mit 300 000 Kilometer pro Sekunde, der Geschwindigkeit des Lichts, zu uns unterwegs.
Während im Westen und Nordwesten die letzten Reste der Herbststernbilder verschwinden, haben sich im Nordosten mit Nördlicher Krone und Herkules neue Sternbilder vollständig über den Horizont geschoben. Auch Wega in der Leier ist schon höher gewandert und kündigt als nordwestlicher Eckstern des Sommerdreiecks die warme Jahreszeit an.
Der Ringplanet Saturn befindet sich im April in günstiger Beobachtungsposition. Der im Löwen langsam westwärts ziehende Wandelstern ist die gesamte Nacht über bis zur Morgendämmerung sichtbar. Wie der Saturnäquator ist auch sein Ring um knapp 27 Grad gegen die Bahnebene geneigt. Daher ändert sich die Ringöffnung im Laufe des neunundzwanzigeinhalb Jahre währenden Umlaufs um die Sonne. Am 4. September kreuzt die Erde die Ringebene, der Ring wird für kurze Zeit unsichtbar. Da der Saturn am 17. September in Konjunktion mit der Sonne und damit am Taghimmel steht, kann das Verschwinden nicht beobachtet werden. Schon jetzt ist der Ring nur als schmaler Streifen im Teleskop zu erkennen.
Saturn ist nach Jupiter der zweitgrößte Planet im Sonnensystem. Mit einem Äquatordurchmesser von 120 000 Kilometer ist er nur unwesentlich kleiner als der Riesenplanet Jupiter. In der Nacht vom 6. auf den 7. April steht der Mond in Saturnnähe. Von Mitte April an gesellt sich am Abendhimmel mit Merkur ein weiterer Wandelstern zum Saturn. Merkur kann bis zum Monatsende tief am Nordwesthimmel in der Abenddämmerung aufgespürt werden. Am 26. April gegen 21 Uhr hält sich die zunehmende Mondsichel in eineinhalb Grad Abstand nördlich vom Merkur auf. Mit Hilfe eines Fernglases ist es möglich, zudem noch den in geringem Abstand oberhalb stehenden Sternhaufen der Plejaden wahrzunehmen.
Am Morgenhimmel sind die beiden hellsten Planeten, Venus und Jupiter, sichtbar. Die Venus kann tief am Osthorizont aufgefunden werden. Am 22. April gegen fünf Uhr morgens finden wir die abnehmende Mondsichel in der Nähe des Morgensterns. Die Sichtbarkeitsdauer von Jupiter wächst im Monatsverlauf um eine Stunde auf knapp zwei Stunden an. Am 19. und 20. April hält sich der Mond in Jupiternähe auf. Der Mars sowie die sonnenfernen Wandelsterne Uranus und Neptun stehen am Taghimmel und sind nicht zu beobachten. Harald Marx
Sonne: 1. April Sonnenaufgang: 7.02 Uhr, Sonnenuntergang: 19.57 Uhr; 30. April Sonnenaufgang: 6.03 Uhr, Sonnenuntergang: 20.43 Uhr.
Mond: 2. April, 16.34 Uhr: Erstes Viertel; 9. April, 16.56 Uhr: Vollmond; 17. April, 15.36 Uhr: Letztes Viertel; 25. April, 5.23 Uhr: Neumond.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa