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Das Geschäft mit den einsamen Herzen

Am liebsten wie im Kino: Der Traum vom gemeinsamen Glück

Am liebsten wie im Kino: Der Traum vom gemeinsamen Glück

08. August 2005 Die großen Web-Portale sind alle dabei. T-Online kooperiert mit dem Weltmarktführer Match und der deutschen Partnerbörse Friendscout24. Yahoo ist mit seiner Singlebörse Dating seit Mitte 2003 in Deutschland aktiv. AOL und Lycos paktieren mit Europas beliebtester Flirtbörse Meetic.

Auch die Old Economy sucht hier ihr Glück. Hinter Parship, der mit Abstand größten Online-Partneragentur in Deutschland, steht die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Geschäftsführer der Partnerbörse neu.de ist Dirk Ströer; die Unternehmensgruppe Ströer ist Deutschlands größter Verkäufer von Plakatflächen.

Profiteure des Singlebooms

Sie alle hoffen, vom Singleboom und dem Ansturm auf die Partnerbörsen im Internet zu profitieren. „Der Markt für Kontaktbörsen und Partnervermittlungen im Internet wächst in Deutschland in diesem Jahr um 50 bis 100 Prozent“, glaubt Jan Becker, Geschäftsführer von Friendscout24.

Das klingt eindrucksvoll, relativiert sich aber schnell, wenn man die absoluten Zahlen kennt: Marktforscher Jupiter schätzt, daß der Umsatz in Deutschland in diesem Jahr 42 Millionen Euro erreicht; 2006 sollen es mehr als 60 Millionen Euro sein.

Vorbild Amerika

Die Branche fasziniert das Vorbild Amerika. Dort war der Markt für Online-Dating im vergangenen Jahr 400 Millionen Dollar schwer. In Europa erwirtschafteten die virtuellen Kupplerdienste nur 100 Millionen Euro Umsatz. Daran erkennt man: Erstens gibt es noch Wachstumspotential in Europa. Zweitens sind Vergleiche mit dem milliardenschweren Geschäft von Google oder Ebay vermessen.

Überprüfbare Zahlen zu den Gewinnen oder Verlusten in der Branche gibt es nicht. Branchenkenner vermuten, daß derzeit nur zwei Börsen richtig Geld verdienen. Dazu zählt nach eigenem Bekunden Parship, die in ihrer Datenbank mehr als 1,2 Millionen gebührenzahlende Frauen und Männer führen.

Fürs Überleben zählt die Größe

Eine Handvoll Anbieter dürfte an der Gewinnschwelle stehen. Beim Rest sieht es traurig aus. „Den rund zwei Dutzend Börsen, die wenigstens 100.000 Mitglieder zählen, stehen Tausende hoffnungsloser Fälle gegenüber“, sagt Henning Wiechers, Redakteur von singleboersen-vergleich.

„In den nächsten Jahren wird es eine Konsolidierung geben, dann bleiben in Deutschland drei bis vier Partnerbörsen übrig“, erwartet Friendscout24-Chef Becker. Hier drängt sich dann doch der Vergleich mit Ebay auf: Das Internet-Auktionshaus hat vorgemacht, wie man aus einem zersplitterten Markt einen globalen Handelsplatz macht.

Was fürs Überleben zählt, ist Größe - die nackte Zahl der registrierten Nutzer. Daneben sind allenfalls noch Nischenanbieter gewinnbringend, die sich auf Dicke, Homosexuelle oder Alleinerziehende spezialisiert haben.

Text: chf., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.08.2005, Nr. 31 / Seite 45
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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