Sternenhimmel im Februar

Venus und Mars hinterm Mond

Von Harald Marx

01. Februar 2007 In den ersten Februartagen befinden wir uns schon wieder halbwegs zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlings-tagundnachtgleiche, was sich in einem deutlichen Anwachsen der Tageslänge bemerkbar macht. Die Sonne verweilt am letzten Februartag eine Stunde und 36 Minuten länger über dem Horizont als zu Beginn des Monats, da die Mittagshöhe unseres Tagesgestirns im Monatsverlauf um beachtliche neun Grad auf 32 Grad ansteigt. Beim Blick an den Sternhimmel wird unsere Aufmerksamkeit unwillkürlich auf die an hellen Sternen reichen Konstellationen des Winterhimmels gelenkt, die den Südteil des Himmels einnehmen. Während Stier, Fuhrmann und Orion bereits die Südlinie überschritten haben, stehen Zwillinge sowie Großer und Kleiner Hund unmittelbar davor.

Der Stier führt die Gruppe der Wintersternbilder an. Er enthält mit den Plejaden und den Hyaden zwei bemerkenswerte offene Sternhaufen, welche leicht mit bloßem Auge zu erkennen sind. In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar streift der zunehmende Halbmond am nordwestlichen Rand der Plejaden vorbei und bedeckt dabei mit Taygeta und Maia zwei Plejadensterne der vierten Größenklasse. Mit Hilfe eines Fernglases können diese Ereignisse leicht verfolgt werden. Besitzer leistungsstärkerer Teleskope können in dieser Nacht noch weitere Bedeckungen von schwächeren Plejadensternen beobachten. Da Fixsterne praktisch punktförmige Lichtquellen sind und der Mond keine Atmosphäre besitzt, erfolgt das Verschwinden der Sterne schlagartig.

Milchstraßenband im Winter dunkler als im Sommer

Die exakte Messung der Bedeckungszeit ist ein einfaches Mittel, um den Ort und damit die Bewegung des Mondes zu bestimmen. Daher werden diese Ereignisse auch vorausberechnet und in den astronomischen Jahrbüchern mitgeteilt. Dieses Jahr finden im August und im Dezember noch weitere Plejadenbedeckungen statt. Das Jahr 2007 ist reich an Bedeckungen von Fixsternen und Planeten durch den Mond: Viermal wird mit Regulus ein Stern der ersten Größenklasse bedeckt, der Planet Saturn ist zweimal an der Reihe, und Venus sowie Mars verschwinden je einmal hinter unserem Erdtrabanten.

Die Milchstraße strebt, vom Südosthorizont ausgehend, steil Richtung Zenit empor und fällt danach wieder Richtung Nordhorizont ab. Sie zeigt ihre weniger auffälligen und lichtschwächeren Regionen. Wenn wir die Milchstraßengebiete im südlichen Teil des Fuhrmanns betrachten, blicken wir Richtung Antizentrum des Milchstraßensystems. Das im Schützen gelegene, 26.000 Lichtjahre von uns entfernte Zentrum unserer Milchstraße mit seinem Sternreichtum haben wir dann genau im Rücken. Wir sehen sozusagen die Ausläufer unseres Sternsystems, obwohl sich diese noch bis etwa 20.000 Lichtjahre weit in den Raum hinaus erstrecken.

Daher ist das Milchstraßenband des Winterhimmels bei weitem nicht so hell wie die Sommermilchstraße und kann nur bei guten Sichtbedingungen wahrgenommen werden. Dennoch lohnt es sich, die Wintermilchstraße mit einem Fernglas im Bereich der Sternbilder Fuhrmann, Zwillinge, Orion, Einhorn sowie Großem und Kleinem Hund zu durchmustern. Neben einer beeindruckenden Sternenfülle sind auch etliche Sternhaufen und der berühmte Gasnebel M 42 im Orion zu sehen.

Fünf Wagensterne bewegen sich gemeinsam

Im Osten hat sich das markante Tierkreisbild des Löwen schon deutlich vom Horizont abgehoben, welches im Augenblick auch den hellen Planeten Saturn beherbergt. Zwischen dem Löwen und den Zwillingen ist das unscheinbare Bild Krebs nur schwer auszumachen. Im Nordosten haben sich die hellen Sterne des Großen Wagens schon weit über den Horizontdunst erhoben. Der Wagenkasten nimmt schon eine halbhohe Position ein, die nach unten gerichteten Deichselsterne sind dagegen noch horizontnah.

Die sieben ähnlich hellen Wagensterne machen durchaus den Eindruck einer zusammengehörenden Gruppe. Tatsächlich fand der Astronom Richard Anthony Proctor in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heraus, dass fünf dieser Sterne eine gemeinsame Bewegung im Raum beschreiben. Der nördlichste Kastenstern und der östlichste Deichselstern gehören nicht zu dieser Sterngruppe, die den Kern eines sich bereits nahezu aufgelösten Sternhaufens bildet, welcher etwa 80 Lichtjahre von uns entfernt ist.

Ein Blick an den westlichen Untergangshimmel zeigt, dass der Westteil des Herbststernbildes Pegasus schon verschwunden ist. Dagegen nehmen Widder, Andromeda, Perseus sowie die zirkumpolare Kassiopeia noch eine halbhohe Position im Westen ein. Den Kepheus finden wir schon recht tief am Nordhimmel, wo neben Deneb eventuell auch noch Wega unmittelbar über der Horizontlinie aufgespürt werden kann.

Venus bekommt Besuch von der Mondsichel

Der Planet des Monats ist der beringte Saturn. Er steht am 10. Februar in Opposition zur Sonne und ist somit die gesamte Nacht über zu beobachten. Mit Hilfe eines kleinen Fernrohrs kann außer dem Ring auch sein hellster Mond Titan erkannt werden. Die inneren Planeten Merkur und Venus sind im Februar Objekte des frühen Abends. Allerdings kann der Merkur nur in den ersten beiden Februarwochen tief im Südwesten in der Abenddämmerung aufgefunden werden.

Die Venus tritt immer besser in Erscheinung. Ihre Sichtbarkeitsdauer weitet sich im Monatsverlauf von knapp zwei Stunden auf etwa zweieinhalb Stunden aus. Sie wird als heller Lichtpunkt ungefähr eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang im Südwesten sichtbar. Am 19. Februar bekommt der Abendstern Besuch von der zunehmenden Mondsichel. Jupiter bleibt auch im Februar auf den Morgenhimmel beschränkt, obwohl er seine Aufgangszeiten Richtung Mitternacht ausdehnt. Am ersten des Monats tritt der Riesenplanet kurz nach vier, am letzten Februartag schon gegen drei Uhr über die Horizontlinie.

Am Morgen des 12. Februar finden wir den abnehmenden Mond in Jupiternähe. Der äußere Nachbarplanet der Erde, Mars, sowie die teleskopischen Wandelsterne Uranus und Neptun halten sich in der Nähe unseres Tagesgestirns auf und sind daher nicht zu beobachten.

Sonne: 1. Februar Sonnenaufgang 8.00 Uhr, Sonnenuntergang 17.18 Uhr; 28. Februar Sonnenaufgang 7.11 Uhr, Sonnenuntergang 18.05 Uhr.

Mond: 2. Februar, 6.45 Uhr: Vollmond; 10. Februar, 10.51 Uhr: Letztes Viertel; 17. Februar, 17.14 Uhr: Neumond; 24. Februar, 8.56 Uhr: Erstes Viertel.

Text: F.A.Z., 31.01.2007, Nr. 26 / Seite 8
Bildmaterial: dpa

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