19. Juli 2006 Wegen der anhaltenden Hitze entwickelt sich der Juli zu einem Rekordmonat. Er sei auf dem besten Weg, an vielen Orten Deutschlands der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen zu werden, berichtete der Deutsche Wetterdienst am Mittwoch.
Während das Wetter vielen Sonnenhungrigen gelegen kommt, leiden alte und schwache Menschen unter den erhöhten Ozonwerten. Außerdem steigt die Waldbrandgefahr. Das Sommerwetter soll bis weit in die nächste Woche hinein anhalten und hat auch andere Teile Europas fest im Griff.
Ozonbelastung steigt
Prinzipiell kann man sagen, daß der bisherige Juli drei bis fünf Grad, zum Teil sogar noch etwas mehr, wärmer ist als das langjährige Mittel, erklärte der Meteorologe Jens Hoffmann. Schon jetzt hat die Hitze an vielen Orten Rekorde eingestellt. Als Beispiele nannte der Wetterdienst Freiburg im Breisgau, wo durchschnittlich 24,7 Grad gemessen wurden und damit der bisherige Rekord aus dem Jahr 1983 von 24,1 Grad übertroffen wurde. In Trier sind es jetzt 22,5 Grad (bisher 22,1), in Mendig nahe der Eifel 22,7 (bisher 21,4) und in Wernigerode im Harz 21,2 (bisher 20,0).
Die bisherigen Rekordmarken stammen in den meisten Fällen nicht aus dem Jahrhundertsommer 2003, sondern verbreitet von 1994, wie Hoffmann sagte. Die höchste je in Deutschland gemessene Temperatur betrug 40,2 Grad am 27. Juli 1983 im oberpfälzischen Gärmersdorf. Der Wetterdienst Meteomedia registrierte am 8. August 2003 den Rekordwert von 40,8 Grad in Perl-Nennig im Saarland.
Wegen der anhaltenden Hitze rechnet das Umweltbundesamt bis zum Donnerstag mit einer hohen Ozonbelastung. Besonders betroffen sind vor allem der Westen und der Südwesten, aber auch Teile von Ostdeutschland. In diesen Regionen wird erwartet, daß die Belastung über dem Schwellenwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt. Örtlich, etwa im Harz, könne sogar der Alarmschwellenwert von 240 Mikrogramm erreicht werden. Das farblose Ozon kann Augen und Schleimhäute reizen, Atembeschwerden und Kopfschmerzen hervorrufen sowie die Lungenfunktion beeinträchtigen.
Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium wies unterdessen auf die stark gestiegene Gefahr von Waldbränden hin. In den vergangenen Tagen habe es bereits mehrere kleine Waldbrände gegeben. Die Forstverwaltung des Landes sei in höchster Alarmbereitschaft, Beobachtungstürme seien besetzt und drei Beobachtungsflugzeuge im Einsatz.
Schwül statt trocken
Während die Hitze zu Wochenbeginn wegen der Trockenheit noch erträglich war, wird es ab Donnerstag heiß und schwül. Der Wetterdienst rechnet mit Höchstwerten bis zu 37 Grad. Im äußersten Westen können sich in der zweiten Tageshälfte starke Gewitter entwickeln, die ostwärts ziehen. Auch am Wochenende soll es heiß und schwül bleiben. Selbst in der Nacht sinken die Temperaturen an vielen Orten nicht unter 20 Grad.
In Frankreich wächst unterdessen die Furcht vor einer Wiederholung des tödlichen Sommers 2003: Neben zwei älteren Menschen in Südfrankreich starb wahrscheinlich auch ein 53jähriger an den Folgen der brütenden Hitze, wie die Behörden mitteilten. Er habe vermutlich einen Hitzschlag erlitten. Bereits am Dienstagabend waren aus der Umgebung von Bordeaux zwei Hitze-Tote gemeldet worden.
In den Niederlanden wurde am Mittwoch nach zwei Todesfällen der beliebte Viertagemarsch von Nimwegen abgesagt. Die Organisatoren bestätigten Fernsehberichte, wonach am Dienstag zwei Teilnehmer starben und 28 weitere ins Krankenhaus gebracht wurden.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP und dpa
Bildmaterial: AP, dpa, FAZ.NET, REUTERS, ZB